Dieser Beitrag „Loben und Freuen“ erscheint in der Reihe „An-ge-dacht“, in der ich mehrmals in der Woche Gedanken zu einer Perikope des jeweiligen Sonntags schreibe. Weitere Informationen darüber und eine Übersicht aller bisher erschienenen Beiträge findest Du hier: An-ge-dacht.

Lesung I Kantate

Apostelgeschichte 16,23–34

23 Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Kerkermeister, sie gut zu bewachen.
24 Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block.
25 Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und es hörten sie die Gefangenen.
26 Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab.
27 Als aber der Kerkermeister aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offen stehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen.
28 Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!
29 Der aber forderte ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen.
30 Und er führte sie heraus und sprach: Ihr Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?
31 Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!
32 Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren.
33 Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen
34 und führte sie in sein Haus und bereitete ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.

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Loben und Freuen, Kantate, Lesung I, Apostelgeschichte 16,23–34

Loben und Freuen

Was sucht dieser Text am Sonntag Kantate? Passt er überhaupt hierhin? In diesem Text wird nicht gesungen. Kantate ist aber doch der Sonntag der Musik, speziell der Kirchenmusik. Es gibt zwei Punkte im Text, die für mich mit Musik, Singen, Tanzen zusammenhängen:

  • Da ist zum einen das Gotteslob des Paulus und seines Mitgefangenen und Gefährten Silas.
  • Und zum anderen gibt es diesen letzten Satz: Die Freude über den Glauben. Der Kerkermeister „freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war“.

Sind Loben und Freuen nicht ganz zentrale Bestandteile der Kirchenmusik? Ich meine hier nicht nur die ältere Kirchenmusik, die wir überwiegend aus unseren Gottesdiensten und dem Gesangbuch kennen. Doch auch im Evangelischen Gesangbuch gibt es viele Lieder, die dem Lob Gottes gewidmet sind. Auch in der klassischen Musik zum Beispiel von Johann Sebastian Bach finden wir Freude und Lob immer und immer wieder.

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Mitten im Leid

Ich möchte aber auch auf die „moderne“ Kirchenmusik hinweisen. Heute gibt es christliche Lieder in nahezu allen Stilrichtungen. Am bekanntesten ist wohl die Lobpreismusik. Hier steckt das Loben und Freuen sogar schon in der Bezeichnung.

Ist es nicht wunderbar, dass sogar in diesem Text, der äußerlich doch eher bedrückend ist, alles auf dieses fröhliche und positive Ziel hinausläuft. Mitten in einem Bericht über Gefangennahme, Folter, Verlies, Erdbeben, Selbstmordgedanken wird gelobt und fröhlich gefeiert. Diese Episode geht gut aus. Am nächsten Tag werden Paulus und Silas auch offiziell aus der Haft entlassen.

Doch wir wissen, dass der Weg der beiden noch weiterhin mit viel Leid gefüllt war. Dennoch ist hier – mitten in den Widrigkeiten des Lebens – zu erkennen, was Gott für seine Menschen vor hat: Gutes Leben, Freude am Dasein und das Wissen darum, dass Gott es gut meint mit uns und wir ihn deshalb loben.

Das Wunder der Musik

In dem Text geht es aber auch um ein Wunder. Paulus und Silas beteten und lobten Gott – da gab es ein Erdbeben, die Fesseln lösen und die Türen des Gefängnisses öffnen sich. Ein Zufall? Ein Wunder?

Auch in dem Wochenspruch zu Kantate geht es um Singen/Musik und Wunder: Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1
Interessant: Gehören Musik und Wunder zusammen? Wenn wir einmal bei dem Wort „Wunder“ nicht sofort an „Überirdisches“ denken, dann können wir den Zusammenhang vielleicht verstehen. Haben wir das nicht alle schon erlebt, wie wundersam Musik wirken kann. Gilt das nicht in vielerlei Hinsicht?

Die Kraft der Musik

  • Musik kann Traurige fröhlich machen,
  • Ängstlichen Mut einflößen,
  • Müden neue Kraft geben…
  • Musik stiftet Gemeinschaft; „Wo man singt das lass dich ruhig nieder…“, Hymnen und andere bekannte Lieder schweißen Gleichgesinnte zusammen…
  • Sie erhebt über den Alltag; tauch doch einmal völlig ein in ein Musikstück!
  • Musik setzt in Bewegung und bringt Verborgenes zum Ausdruck: Tanz!
  • Sie kann helfen, sich zu konzentrieren und in den Flow zu kommen.
  • Musik kann auch zum loben und freuen führen
  • und noch so vieles mehr verbinden wir mit Musik.

Das wahre Wunder

Überhaupt frage ich mich, was in dem Text das wirkliche Wunder ist. Ist es das Erdbeben, das durch göttlichen Eingriff erfolgt? Der Kerkermeister nimmt diesen natürlichen Vorgang gar nicht als Wunder wahr. Er will sich das Leben nehmen, weil er glaubt, seine Gefangenen wären entkommen. Damit hätte er seine Pflicht vernachlässigt und sieht sich der Anklage durch die Mächtigen der Stadt ausgesetzt.

Erst als er bemerkt, dass die Gefangenen noch da sind, wird im klar, was eigentlich passiert ist. Das ist für ihn offensichtlich das eigentliche Wunder. Jetzt wirft er sich zitternd Paulus und Silas zu Füßen. Wir können darüber spekulieren, ob er glaubte, Paulus und Silas seien göttliche Wesen, oder sonstige magische Gedanken hatte. Letztlich läuft es auf die schier unglaubliche Tatsache hinaus, dass die Gefangenen nicht geflohen waren.

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Das Ziel

Schauen wir aus der Sicht des Paulus und Silas auf die Geschichte: Warum haben sie die Gelegenheit nicht genutzt und sind nicht einfach geflohen? Aus ihrer Sicht hat nun wirklich Gott ein Wunder getan, weil sie gebetet und ihn gelobt haben. Was war für sie der Zweck dieses Wunders? Es ging eben nicht um die Befreiung, sondern um die Ehre Gottes. Deshalb blieben sie und bezeugten vor dem Kerkermeister die Größe Gottes. Deshalb hatte das Wunder über die „magische“ Erfahrung hinaus konkrete Folgen: Ein Mensch erkennt Gott an und glaubt.

Schließlich möchte ich den Schluss der Geschichte noch einmal betonen. Ich könnte jetzt noch viel schreiben über die Bekehrung des Kerkermeisters, über die Taufe und den Zusammenhang zwischen Glaube und Taufe und und und. Mir ist aber vor allem wichtig, dass das Ziel all dessen, was hier passiert, was Gott tut, ist: Menschen soll es gut gehen. Am Ende wird gefeiert mit einem reich gedeckten Tisch, einem gemeinsamen Essen und alle freuen sich!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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