Anweisungen für gutes Leben

​3 Anweisungen für gutes Leben ist der zweite Teil meines Beitrags zum Wochenspruch 20. Sonntag nach Trinitatis. Im ersten Teil (hier: Wochenspruch 20. Sonntag nach Trinitatis) ging es darum, ob Gott etwas von uns fordert, das uns überfordern könnte, oder sucht er nicht eher nach dem Guten in uns? Aber was könnte das sein?

Das sind die drei Anweisungen für gutes Leben. Ich habe die Überschriften nach der Lutherübersetzung gewählt. Im Text wirst Du merken, dass es noch andere Übersetzungen gibt, die ergänzen oder verdeutlichen, worum es eigentlich geht.

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1. Gottes Wort halten

Gottes Wort halten oder in den anderen Übersetzungen Gerechtigkeit üben oder an das Recht halten – was bedeutet das?

Vor 2800 Jahren, als Micha lebte, war die Grundlage des Lebens in Israel das Gesetz, das Gott durch Mose gegeben hatte. Im Zentrum natürlich die zehn Gebote, aber darüber hinaus noch viel mehr. Es gehörten auch die ganzen Tempelopfervorschriften dazu und noch so manche Regel für das Leben.

Es ist aber auffällig, wie Micha das hier formuliert. Er spricht nicht von den Opfern und all den vielen Vorschriften, sondern er benutzt das Wort “Recht”. Damit wird klar, dass es um das soziale Miteinander in der Gesellschaft geht: “Wenn Recht und Gerechtigkeit nicht mehr ausgeübt werden, ist das soziale Miteinander gestört.” https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/19316/

Martin Luther hat an dieser Stelle ganz bewusst “Gottes Wort halten” übersetzt, weil er in einer Auseinandersetzung um Glaube und Werkgerechtigkeit stand. Er fürchtete, eine Übersetzung mit Recht oder Gerechtigkeit könne die Leser dazu führen, sich Gott gegenüber auf ihre eigenen guten Werke zu verlassen, statt auf die Gnade und Liebe Gottes.

Im Grunde liegen diese Überlegungen Luthers genau auf der Linie des Micha, da dieser auch dagegen sprach, Opfer und äußerliche Befolgung der Gebote als den richtigen Weg zu sehen, wenn andererseits Ungerechtigkeit und Unterdrückung herrscht.

2. Liebe üben

In der zweiten der drei Anweisungen für gutes Leben geht es um die Liebe. Luther übersetzt “Liebe üben”. Das hört sich für uns heute etwas seltsam an. Kann man denn Liebe üben – unter Liebesübungen verstehen viele sicher etwas anderes.

Wörtlich steht hier “Liebe lieben”, wobei das Wort “Liebe” nicht mit der erotischen Liebe zwischen Menschen zu verwechseln ist. Es bedeutet vielmehr: Nächstenliebe, Freundlichkeit, Güte, Barmherzigkeit oder auch Solidarität.

Wir Christen denken dabei natürlich an das Gebot der Nächstenliebe, wie es uns Jesus aufgetragen hat. Damit sind wir auf der richtigen Spur. Diese Liebe richtet sich an den bedürftigen einzelnen Menschen, dem wir gerade begegnen. Jesus hat aber auch Solidarität und Gerechtigkeit mitgedacht.

Ich würde fast die Übersetzung “Solidarität lieben” bevorzugen, da der Prohpet Micha nicht nur den Lebenswandel des Einzelnen, sondern immer auch das Verhalten der Gesellschaft im Blick hat. Es ist auf jeden Fall richtig, hier auch den freundlichen, gütigen, eben solidarischen Umgang in der Gesellschaft, im Staat mit den Menschen, die besonders bedürftig sind, zu bedenken.

3. Demütig sein vor Gott

Auch hier ist die Übersetzung wieder etwas unglücklich, weil wir bei “Demut” heute keine guten Gedanken haben. Demut wirkt abwertend, niederdrückend. Es wäre besser hier an Gottesliebe, also an die Liebe zu Gott, zu denken.

Wörtlich heißt diese Stelle “bescheiden mitgehen mit deinem Gott!” Sinngemäß wäre auch richtig: “aufmerksam den Weg Gottes gehen”. Wir Christen nennen so etwas Nachfolge. Es geht also weniger um sklavische Befolgung von Forderungen, als vielmehr um bewusstes Nachdenken darüber, was mir selbst, meinem Nächsten und der ganzen Gemeinschaft, in der ich lebe, gut tut.

Dieses Nachdenken geschieht für gläubige Menschen immer mit Blick auf Gott. So ist auch diese “Forderung” nicht überfordernd. Alle drei Anweisungen für gutes Leben sollen eben mir selbst und allen anderen Menschen dieses gute Leben ermöglichen.

Wenn ich die Übersetzung “aufmerksam den Weg Gottes gehen” lese, dann denke ich an die Frage, die sich Christ*innen immer stellen sollten: WWJD – What would Jesus do? – Was würde Jesus tun? Das ist sicher schon mal eine gute Richtschnur.

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​Es geht um das Innere, nicht um äußere Befolgung

Ich möchte also die drei Anweisungen für gutes Leben aus Micha 6,8 so übersetzen:

“Gerechtigkeit üben, Solidarität lieben und aufmerksam mitgehen mit deinem Gott.”

Hierbei geht es nicht um die äußerliche, sklavische Befolgung von Geboten, sondern um eine innere Einstellung. Schon im Michabuch und in anderen Teilen des Alten Testaments wird das deutlich gemacht. Die Opfer im Tempel damals alleine nützen gar nichts. Es geht darum, dass im persönlichen Leben, ebenso wie in der ganzen Gesellschaft Gerechtigkeit herrscht.

Auch Jesus nimmt diesen Gedanken auf, wenn er sagt: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen (Markus 2,27). Jesus geht es also auch um den Sinn, den inneren Gehalt der Gebote und Gesetze Gottes.

Der Wochenspruch 20. Sonntag nach Trinitatis ist eine Zusammenfassung der Botschaft des Michabuches. Genauso könnte man in dem Dreifachgebot der Liebe eine Zusammenfassung der Verkündigung Jesu sehen: Liebe Gott von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Auch darin sind Micha und Jesus sich einig.

Es gibt noch weitere Stellen im Alten Testament, in denen diese Gedanken klar gemacht werden. Hier nur zwei Beispiele:

Hosea 6,6 (LU): Denn ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, an der Erkenntnis Gottes und nicht am Brandopfer.

5. Mose 10,12 (LU): Nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, noch von dir, als dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele,

Ich habe in diesen beiden Beiträgen viel auf Übersetzungen und Zusammenhänge geschaut. Jetzt möchte doch noch einen Blick darauf werfen, was das alles für uns heute bedeuten kann.

Also…

Gott möchte, dass wir gut Leben können, deshalb erinnert er uns immer wieder daran, was wir dafür tun können. Gott sucht in uns, in unserem Leben drei Dinge: Es sind drei Anweisungen für gutes Leben.

  1. Das persönliche Wohlergehen ist von dem gesellschaftlichen nicht zu trennen. Das gilt auch im Blick auf den Glauben. Deshalb achten wir als Einzelne auch darauf, dass allen Gerechtigkeit widerfährt – uns selbst, unserem Nächsten, den Benachteiligten, den Flüchtlingen…
  2. Solidarität ist nicht nur ein Anspruch an uns – wir sollen sie lieben. Solidarität untereinander ist ein großer Wert und es ist schön, solidarisch zu sein.
  3. Aufmerksam mitgehen mit Gott: Auch das ist wunderbar. Aufmerksam sein für das Gute, das Gott uns schenkt. Darauf achten, wo Gott uns – auch im anderen Menschen – begegnet. In den Fußtapfen Jesu zu gehen, das ist ein guter Weg.

Zum Schluss habe ich noch eine lesenswerte Predigt zu diesem Vers für Dich:

https://predigten.evangelisch.de/predigt/predigt-zu-micha-6-6-8-von-ulrike-und-christof-voigt

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe