​Wochenspruch Okuli

Der Wochenspruch Okuli steht in Lukas 9,62:

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Das Thema für den Sonntag Okuli und auch im Wochenspruch Okuli ist „Konsequente Nachfolge“. Nachfolge ist ein interessantes Wort. Für die meisten gläubigen Christen ist es ein selbstverständliches Wort. Es wird direkt mit Jesus in Verbindung gebracht – etwa so: Nachfolge Jesu heißt, immer zu fragen, was Jesus tun würde. Für die meisten Menschen, die mit dem christlichen Glauben nichts zu tun haben, ist das Wort ganz anders geprägt: Wird die nächste Bundeskanzlerin eine konsequente Nachfolgerin von Angela Merkel sein?

In dem Wochenspruch Okuli wird dann auch noch ein Vergleich herangezogen, um dieses seltsame Wort zu erklären, das gar nicht mehr unserer heutigen Lebenswelt entspricht. Es ist ein Vergleich aus der Landwirtschaft, aber einer Landwirtschaft, wie sie früher üblich war. Heute pflügen Bauern in Deutschland nicht mehr mit dem einzelnen Pflug, der von einer Kuh oder einem Pferd gezogen wird.

Das ist aber genau das Bild, das Jesus hier verwendet. Wer einen Acker pflügen will, der muss darauf achten, dass er nicht aus der Spur gerät. Die Furche soll möglichst gerade sein, damit so viele Furchen wie möglich nebeneinander passen. Das optimiert den Platz für möglichst viel Saat und macht die Arbeit des Säens und Erntens leichter. Wer dabei andauernd nach hinten schaut, dem wird das nicht gelingen.

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​Hinten – Loslassen

Jesus ist ganz schön extrem!

Jesus sagt diesen Vers, als einer, der ihm nachfolgen will, fragt, ob er sich vorher von seiner Familie verabschieden kann. Er macht damit klar, dass es bei ihm um eine konsequente Entscheidung geht. Schau nicht zurück. Lass alles hinter dir. Sei bereit nach vorne mit mir zu gehen. Puh, das ist ganz schön heftig. Allerdings drückt Jesus diese unbedingte Konsequenz an anderer Stelle noch heftiger aus.

In Lukas 9,60, also direkt vor dem Wochenspruch Okuli gibt es die Begebenheit, dass Jesus einem, der ihm nachfolgen will, verbietet, seinen toten Vater zu begraben. Er sagt ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben. Das ist doch kaum zu glauben, dass Jesus so herzlos sein kann. Doch macht er damit die Ernsthaftigkeit des Glaubens und der Nachfolge absolut klar.

Wenn ich das so sehe und ernst nehme, dann frage ich mich selbst: bin ich dann überhaupt ein Christ, ein Nachfolger Jesu? Kann ich das heute leisten? Würde ich tatsächlich meine Familie hinter mir lassen? Würde ich alles aufgeben – Haus, Arbeit, alles, was mir wichtig ist? Wohl kaum. Ich werde jetzt etwas darüber schreiben, wie ich mir den Vers trotzdem zu eigen machen kann, aber mir ist es wichtig, an dieser Stelle zu betonen: Dieser – für mich unmögliche Anspruch Jesu – ist da! Er kann nicht einfach wegerklärt werden. Er bleibt eine dauernde Anfrage an uns Christen und Christinnen!

Hinterm Pflug ist geackert

Ich kann den Wochenspruch Okuli aber trotzdem für mich fassen, wenn ich mich frage: Was lasse ich hinter mir in meinem Leben? Oder etwas klarer: Was lasse ich hinter mir, wenn ich Jesus nachfolge?

Hier auf dem Westerwald gibt es einen Spruch: „Hinterm Pflug ist geackert.“ Ich liebe diesen Spruch, weil er so knapp deutlich macht, dass etwas Geschehenes nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Damit sind wir beim Thema Loslassen. Da ist etwas schief gegangen in Deinem Leben – Loslassen! Hinterm Pflug ist geackert. Du erkennst, dass Du eine gute Gelegenheit verpasst hast – Loslassen! Hinterm Pflug ist geackert. Dir ist jemand ganz heftig quergekommen – Loslassen! Hinterm Pflug ist geackert.

Es gibt so vieles in unserem Leben, das wir besser hinter uns lassen sollten. Nicht umsonst ist in der Psychologie und der Selbsthilfe zum Thema „Loslassen“ und auch zu dem, was wir von Eltern, Umwelt etc. mitgegeben bekommen haben, heute so oft die Rede. Hinterm Pflug ist geackert.

Das möchte ich jetzt nochmal auf die Nachfolge Jesu wenden: Gehört nicht auch ein „klar Schiff machen“ im eigenen Leben zur Nachfolge Jesu? Gibt es nicht so manches in unserem Leben, das einer Überprüfung aus der Sicht Jesu nicht standhalten würde? Früher nannte man so etwas „Sünde“. Wieder so ein altertümliches Wort, aber wir brauchen uns davon gar nicht abschrecken zu lassen. Sagen wir es mal positiv: Wenn wir uns fragen, was Jesus tun würden, dann mögen doch manche Entscheidungen in unserem Leben anders aussehen?

Das ist der Anfang der konsequenten Nachfolge.

Jesus verlangt das ganze Herz für Gott. Adolf Schlatter

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​Vorne – Ausrichten

Wer beim Pflügen eine gerade Furche ziehen will, der muss nach vorn schauen. Der muss das Ziel vor Augen haben. Also ist wohl Zielorientierung für die Nachfolge zu bedenken. Was ist das Ziel?

In Lukas 18,30 geht es um das gleiche Thema wie im Wochenspruch Okuli. Jesus formuliert den gleichen ungeheuren Anspruch. Hier verbindet er ihn allerdings mit einer Verheißung: Wer alles aufgibt und mir nachfolgt, der wird es vielfach wieder empfangen in dieser Zeit und in der kommenden Welt das ewige Leben.

Im Wochenspruch Okuli sagt Jesus, dass es um das Reich Gottes geht. Dabei denkt Jesus im Rahmen der hebräischen Bibel (des Alten Testaments). Er beruft sich auf Jesaja, erweitert es aber und bringt es mit sich selbst in Verbindung und damit auch mit der Nachfolge: Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Armen wird das Evangelium gepredigt. Gemeinschaft mit den Sündern.

Es geht beim Ausrichten auf das Ziel in der Nachfolge also um Heil und Wohl der Menschen. Hebräisch würde man sagen um den Schalom Gottes. Wenn ich mich konsequent in die Nachfolge Jesu stelle, dann habe ich also nichts zu befürchten. Es ist etwas Gutes, das auf mich wartet – gutes Leben bis hin in die Ewigkeit.

Auch in der hebräischen Bibel gibt es eine Geschichte, die einerseits brutal ist, andererseits aber auch klar sagt, dass zurückschauen nicht gut ist, wenn vorne die Rettung, das Leben, das Glück liegt. Es ist die Geschichte von Sodom und Gomorrha, die wegen der Bosheit der Einwohner zerstört werden. Gott rettet aber Lot mit seiner Familie, sagt aber, sie sollten nicht nach hinten schauen auf die Zerstörung, sondern nach vorne blicken. Lots Frau allerdings blickt zurück und erstarrt zur Salzsäule.

Nicht nur in der Nachfolge Jesu ist ausrichten auf ein Ziel ein Glück. Das gilt für unser aller Leben! Es gibt Zukunft, es gibt Hoffnung, es gibt Glück. Und das ist es auch, was Gott für uns will. Deshalb lasst uns nach vorne blicken und die Furche mit dem Pflug gerade ziehen.

Unten – Leben

Wir schauen also nicht zurück und lassen los. Stattdessen schauen wir nach vorne und ziehen gerade Furchen in unserem Leben. Da stellt sich aber die Frage: Wofür wird denn die Furche gebraucht? In ihr soll doch Frucht wachsen. Das ist das Leben. Mit allem, was wir tun, säen wir. Was wir ernten, liegt daran, was wir säen. In der Nachfolge Jesu säen wir Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Segen, Nächstenliebe…

So gut, wie sich das – für mich – anhört, es gelingt eben doch nicht immer. Zielorientierung ist zwar auch für das persönliche Leben wichtig, aber es bleibt die Frage: Wie ziehe ich in meinem Leben gerade Furchen? Und was ist, wenn die Furche krumm wird? Was ist schlimm daran, wenn die Furche doch mal nicht so gut gelingt? Was kann mich von meinem Ziel abbringen? Was ist in der Nachfolge, wenn der Blick mal zurückgeht? Ist das Sünde? Wie kann das passieren? Vielleicht durch einen Schreck, durch einen „Ruf“ von hinten? Was könnte mich von einer konsequenten Nachfolge abbringen?

Krumme Furchen sind für Gott kein Problem. Er sät auch in krumme Furchen seinen Segen und vergibt, wenn wir vom Weg abkommen. Was in der Nachfolge von uns erwartet wird – von Gott, Jesus – ist aber nicht auf einen Punkt zu bringen, der immer gleich ist. Es gilt für jeden und jede immer wieder neu darüber nachzudenken. Wo stehe ich in meinem Leben? Wo stehe ich in meinem Glauben? Oder mit altbekannten Worten gesagt: Was würde Jesus tun?

Noch ein interessanter Link zum Text: Unigottesdienst Heidelberg.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe