​Erntedank und Schöpfung

Wandel des Erntedankfests

Offensichtlich geht es beim Erntedankfest um den Dank für die Ernte. So ist dieses Fest ursprünglich entstanden. In einer Gesellschaft, die zum überwiegenden Teil von der Landwirtschaft abhängig war und in der fast alle Menschen in der Landwirtschaft arbeiteten (Agrargesellschaft), war eine gute Ernte überlebenswichtig.

Die Menschen wussten, dass sie zwar enorm viel Arbeit – mit Säen, Jäten, Ernten… – hatten, aber letztlich nie sicher sein konnten, wie die Ernte ausfiel. Sie fühlten sich abhängig von Natur und Klima, die sie nicht in der Hand hatten. Für gläubige Menschen war es deshalb selbstverständlich, Gott um eine gute Ernte zu bitten und ihm zu danken, für den Ertrag der Felder.

In der Industriegesellschaft wandelte sich diese Wahrnehmung. Immer weniger Menschen arbeiten in der Landwirtschaft, weshalb ihnen der Zusammenhang zwischen bäuerlicher Arbeit, Natur, Wetter und Ernte nicht mehr so bewusst war. In dieser Zeit veränderte sich auch das Erntedankfest.

Auch heute wird noch im Gottesdienst an die Ernte im konkreten Sinn gedacht und dafür ein Dankgebet gesprochen. Inzwischen rücken aber auch hier andere Bereiche des menschlischen Schaffens in den Blick. Wir spüren, dass auch Erfolg im Beruf und ein gelingendes Leben nicht selbstverständlich sind. Wir haben allen Grund dankbar zu sein für so vieles in unserem Leben, das wir nicht in der eigenen Hand haben.

Seit einigen Jahrzehnten rückt gerade am Erntedankfest wieder die Natur in den Blick. Mit dem stärker werdenden Umweltbewusstsein wurde immer klarer, wie wichtig die Welt und unser Umgang damit für das Überleben der Menschen ist.

Wir Christen schauen an Erntedank dankbar auf die gute Schöpfung Gottes, die von uns selbst heute bedroht wird. Ganz besonders der Klimawandel hat diesen Aspekt von Erntedank in den Vordergrund gerückt.

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​Bewahrung der Schöpfung

Im Schöpfungsbericht in der Bibel gibt es einen Satz, der uns Menschen in dieser Hinsicht einen göttlichen Auftrag gibt: Menschen sollen die Erde bebauen und bewahren. Daneben wird aber auch gesagt, dass der Mensch über die Schöpfung herrschen soll. Das scheint ein Widerspruch und offenbar haben wir das Herrschen im Sinne von Ausbeutung verstanden.

“Ich will alles und das sofort!” Das ist wohl nicht die richtige Art, mit der Natur und unserem Planeten umzugehen. Heutige Theologen versuchen die Aussagen der Schöpfungsgeschichte zusammen zu lesen: “Das Herrschen, das nach biblischer Aussage dem Menschen neben dem Bebauen und Bewahren eingeräumt und angewiesen ist, ist zu verstehen als das Handeln, durch das der Mensch den Lebensraum für sich und die übrigen Geschöpfe bewahrt” (Wilfried Härle, gefunden hier.)

Nachhaltigkeit

In der Bibel gibt es vielfache Hinweise darauf, wie dieser verantwortliche Umgang mit der Schöpfung zu verstehen ist. Natur-, Klima- und Umweltschutz entsprechen den Geboten Gottes. Das wussten die Israeliten, die aus einer nomadischen Lebensweise zu Bauern wurden, sehr genau. Sie kannten die Aufmerksamkeit für die Natur.

Es gibt im dritten Buch Mose die Vorschrift, Felder und Weinberge im siebten Jahr ruhen zu lassen. Auch weitere Gebote sollen sicherstellen, dass die Lebensgrundlage der Menschen auf Dauer gesichert werden. Diese Nachhaltigkeit im Umgang mit den Ressourcen der Erde müssen wir heute wieder neu lernen.

Dies wird umso dringender, je mehr wir erfahren, wie sehr menschliche Eingriffe die Natur aus dem Gleichgewicht bringen. Zum ersten Mal ist jetzt nachgewiesen, dass weltweite, katastrophale Veränderungen geschehen, weil Menschen nicht verantwortungsvoll wirtschaften.

Soziale Dimension

Inzwischen wird auch unübersehbar deutlich, wie sehr der Schutz der Schöpfung auch eine soziale Aufgabe ist. Schon seit vielen Jahrzehnten wissen wir, dass der Reichtum eines Teils der Welt, auf Kosten des anderen Teils erwirtschaftet wird. Die gerechte Verteilung von Wohlstand, Nahrung, Wasser ist ein grundsätzliches Problem.

Dazu kommt noch immer bedrängender, die Auswirkungen der Klimaveränderungen. Menschen werden ihre Heimat verlieren durch Anstieg des Meeresspiegels, durch Ausbreitung der Wüsten und durch den Verlust der Lebensgrundlagen.

Hier kommt der ursprüngliche Gedanke des Erntedankfestes ganz konkret wieder in den Blick: Die Grundlagen für ausreichende Ernten werden durch den Klimawandel zerstört.

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Tierschutz

Auch die Tiere werden dem Menschen in der Schöpfungsgeschichte anvertraut. Auch sie sind gute Geschöpfe Gottes und haben ihren Platz in der Welt. Der Mensch hat kein Recht, sie zu verdrängen. Wobei dieses Wort schon eine Schönfärbung ist. Genau genommen rotten wir eine Tierart nach der anderen aus.

In der Bibel ist zwar nirgendwo verboten Fleisch zu essen, aber von Ausrottung und Tierquälerei steht da auch nichts. Ganz im Gegenteil! Vor allem eine Bibelstelle im Neuen Testament hat mich schon immer sehr beeindruckt: Im achten Kapitel des Römerbriefs (Römer 8, 18-22) schreibt der Apostel Paulus vom “ängstlichen Harren der Kreatur”. Er schreibt dies im Zusammenhang der Hoffnung der Christen auf Gott.

Leid, Vergänglichkeit und Tod sollen überwunden werden. So wie wir Menschen darunter leiden, so leiden auch die Tiere (die Kreatur). Schließlich schreibt Paulus, dass die ganze Schöpfung mit uns Menschen seufzt und sich nach Erlösung sehnt. Wunderbare Worte!

All das bedenken wir an Erntedank und es gibt uns einen Auftrag: Den Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung. Das ist ein göttlicher Auftrag!

Gerade der zuletzt erwähnte Abschnitt aus dem Römerbrief enthält für mich noch eine ganz besondere Botschaft. Im Mittelpunkt dieses Absatzes steht ein Wort: Hoffnung! Deshalb möchte ich mich von den Schreckensszenarien nicht unterkriegen lassen. Sie sind vielmehr eine Motivation, voller Hoffnung und Zuversicht und Glauben diesen Auftrag des Erntedankfestes anzunehmen.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe