Digitaler Alltag: 10+3 Regeln

Digitaler Alltag: 10+3 Regeln

Digitaler Alltag in der Praxis

Dies ist der vierte Teil meiner Serie zum Digitalen Minimalismus.

Ich arbeite täglich lange am Computer und – ich gebe es zu – es macht mir Spaß. Deshalb ist mein digitaler Alltag sehr intensiv. Gerade darum muss ich aufpassen, dass die vielen Ablenkungen, die PC, Tablet und Handy bereithalten, mich von der Arbeit nicht ablenken. Ich habe mir selbst einige Regeln gegeben, die mir dabei helfen und auch für den nötigen Ausgleich sorgen. Es ist bestimmt auch etwas für Dich dabei.

Mit “Digitaler Alltag” meine ich vor allem die Kommunikation über soziale Medien, Mail etc. und Informationen, die digital ankommen oder/und gespeichert werden. Außer Acht lasse ich hier alle weiteren Möglichkeiten, die es heute gibt, wie Smart Homes und ähnliche Dinge. Ich beziehe mich mit diesem Beitrag auf die Themen, die ich in den vorhergehenden Beiträgen dazu angesprochen habe.

Wir lassen uns zwar nicht gerne Regeln aufdrücken – siehe die Corona-Regeln, gegen die so viele protestieren -, aber ich habe mich entschieden, einigen Regeln für meinen digitalen Alltag zu folgen. Darum geht es im ersten Teil dieses Beitrags.

Noch wichtiger ist mir aber die Aufmerksamkeit. Zum einen für den täglichen digitalen Input, aber auch für die “analoge Welt”. Ich möchte mir das nicht vom Smartphone nehmen lassen. Darum geht es im zweiten Abschnitt.

Im Buch “Digitaler Minimalismus” von Cal Newport, gibt der Autor den Tipp, neben der Arbeit und Beschäftigung mit PC, Tablet und Handy, unbedingt hochwertige Freizeit zu genießen. Was er damit meint, beschreibe ich im dritten Abschnitt.

Um die ständige Überprüfung all dieser Regeln und Vorhaben geht es am Schluss dieses Beitrags.

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Regeln für den digitalen Alltag

In meinem dritten Beitrag zu dieser Serie über Digitalen Minimalismus habe ich schon ein paar Regeln genannt, die ich mir selbst gegeben habe, um mehr Zeit und Aufmerksamkeit für Spiritualität im Alltag zu bekommen.

1. Ich habe mir einen neuen digitalen Workflow angewöhnt.

Ich versuche inzwischen strenger als früher, meine Arbeitsabläufe zu kontrollieren. Ich hoffe, damit fokussierte dabei zu bleiben und mich nicht immer wieder ablenken zu lassen von jeder neuen Nachricht, die über Facebook reinkommt. Dazu musste ich mir genau anschauen, wie ich am Computer arbeite. Ich kann Dir nur empfehlen, das auch mal zu tun.

2. Ich räume digital auf.

Digital aufräumen hat etwas mit “loslassen” zu tun! Dateien, Bilder, Mails, Newsletter usw. – es gibt so vieles, das einfach nicht aufbewahrt werden muss. Also: loslassen und weg damit. Es ist nicht ausreichend, ein Ordnungssystem zu haben, es muss auch radikal ausgemistet werden. Dabei frage ich mich auch, wie ich mit den Dingen umgehen will, die ich behalte: biografische Dinge, Fotos, persönliche Mails, wichtige Unterlagen in digitaler Form. Ein besonderer Punkt ist für mich der Umgang mit Wissen. Wie speichere und ordne ich Wissenswertes, so dass es mir auch in Zukunft noch hilfreich ist?

3. Vermindere das Hintergrundrauschen im digitalen Alltag!

Schnell gesagt: Accounts kündigen, Newsletter abbestellen, Social Media stummschalten… Alles weg, was nicht unbedingt nötig ist. Das was bleibt so einrichten, dass es nicht ständig stört. Blinkende Lichter, Bildchen und der ganze Schnickschnack: Aus!

4. Entferne “digitale Leichen aus dem Keller”!

Damit meine ich die vielen Daten, die seit ewigen Zeiten unbeachtet auf der Festplatte liegen. Das gehört auch zum digitalen Aufräumen, aber es ist etwas spezieller, weil es – zumindest für mich – eine große Hürde ist, diese alten Dateien wieder hervorzuholen. Es scheint schier unmöglich zu sein, mit dieser Menge an angehäuften Daten jemals fertig zu werden. Leider tendieren wir dazu, alles zu speichern, je billiger der Speicherplatz wird – was ist schon ein Terrabyte heutzutage?

5. Auch eine digitale Todo-Liste kann zu viel Aufmerksamkeit stehlen.

Ich bin ein Fan von digitalen Todolisten. Sie helfen mir organisiert zu sein und zu bleiben, synchronisieren auf allen Geräten und automatisieren eine Menge Aufgaben. Doch auch hier muss man aufpassen, dass sie nicht zuviel Aufmerksamkeit stehlen. Auch Todolisten haben die Angewohnheit zu piepsen und zu blicken, wenn sie dich an etwas erinnern wollen. Deshalb gilt auch dafür: Richtig benutzen, aber ohne zu nerven.

6. Social Media runterfahren

Dazu muss ich wohl nicht mehr viel schreiben (siehe den letzten Beitrag dazu). Inzwischen habe ich schon ein paar dieser Netzwerke gekündigt und fühle mich sehr wohl damit. Nein, ich habe nicht das Gefühl, etwas zu verpassen.

6. Neues nur nach klarer Entscheidung

Diese Regel fällt mir sehr schwer. Ich probiere sehr gerne Neues aus, interessiere mich für so vieles. Gerade deshalb versuche ich, nicht jede neue App downzuloaden oder jeden Newsletter, der mir begegnet, zu abonnieren. Erst überlege ich, ob ich das wirklich brauchen kann. Dann überlege ich noch einmal, ob ich das auch in einigen Wochen noch brauchen kann. Dann nochmal drüber schlafen. Dann hat es sich wahrscheinlich schon erledigt…

7. Apps richtig lernen

Das ist mir in den letzten Monaten sehr, sehr wichtig geworden: Ich probiere nicht mehr jede App aus, aber die Software, die ich regelmäßig benutze versuche ich, richtig intensiv zu verstehen und zu beherrschen. Das lohnt sich! Bei den zentralen Tools, die ich jeden Tag verwende, suche ich mir sogar einen guten Online-Kurs um auch die Feinheiten kennenzulernen.

8. News kontrollieren

Wie oft habe ich in den letzten Monaten der Corona-Pandemie gelesen oder gehört, dass so viele Menschen “es nicht mehr hören können”. Ständig neue Horrormeldungen, steigende Zahlen, weitere Verbote. Es ist erwiesen, dass zu viele schlechte Nachrichten sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken. Ich verzichte deshalb den größten Teil des Tages auf News. Einmal Tagesschau am Abend reicht. Zeitung lesen ist außerdem viel besser – und geht auch digital. Auf Nachrichten, die keine sind, sondern nur so genannt werden – auf Facebook und Co – verzichte ich ganz!

9. Newsletter abbestellen

Zu Punkt 8 gehören letztlich auch Newsletter. Ich schicke ja von meinem Blog auch Newsletter, deshalb habe ich gar nichts dagegen. Im Gegenteil: Es gibt einige Newsletter, die ich schon seit Jahren regelmäßig, gerne und mit Gewinn lese. Darauf werde ich nicht verzichten. Nur alle anderen bestelle ich ab. Ich freue mich auch sehr, wenn Du meinen Newsletter abonnierst, aber bitte tu das nur, wenn Du wirklich daran interessiert bist!

10. Hilfen für digitale Spiritualität

Auch dazu habe ich im letzten Beitrag einiges geschrieben. Mein digitaler Alltag mit diesen Hilfsmitteln soll aber so gestaltet sein, dass sie wirklich nur helfen, alltägliche Spiritualität zu leben. Sie sollen nicht wieder dazu beitragen, dass es blinkt und piepst. Ich nutze zum Beispiel die Morgenandacht von meinem Blog und die fortlaufende Bibellese von Logos. Auch hier gilt: Apps, die helfen und gut sind: Richtig nutzen! Alles andere: weg damit.

Extra-Regel 1: Aufmerksamkeit kultivieren

Aufmerksamkeit ist durch die Beschäftigung mit dem Thema digitaler Minimalismus für mich ein zentrales Wort geworden. Es war mir schon immer wichtig, im Gespräch mit anderen aufmerksam zu sein für mein Gegenüber. Ich habe schon immer versucht, möglichst alle Tätigkeiten bewusst und aufmerksam durchzuführen. Das ist mir mal mehr, mal weniger gelungen.

Jetzt möchte ich mich wieder deutlich intensiver darauf konzentrieren – in jedem Lebensbereich. Für meinen digitalen Alltag soll das auch gelten. Ich will aufmerksam beobachten und wahrnehmen, was ich über soziale Medien, Newsletter und so weiter konsumiere. Was ich auf dem Computer speichere und mache, will ich verstehen, entscheiden und wertschätzen können. Ansonsten wandert es in den Müll.

Ich habe die Hoffnung, dass diese digitale Aufmerksamkeit im digitalen Alltag auch die “analoge Aufmerksamkeit” fördert. Ich will aufmerksam sein für die Menschen, die mir begegnen. Ich will aufmerksam sein für die Welt um mich herum. Ich will aufmerksam lesen, hören, sehen.

Aufmerksamkeit kultivieren bedeutet für mich, ganz bewusst darauf zu achten und mich immer wieder daran zu erinnern.

Extra-Regel 2: Hochwertige Freizeit

Cal Newport schlägt in seinem Buch “Digitaler Minimalismus” vor, die Zeit, die Du gewinnst, wenn Du weniger digital abgelenkt wirst, in “hochwertige Freizeit” zu investieren. Was meint er damit? Es geht vor allem um Zeit in der “analogen Welt”.

Im Grunde ist jede handwerkliche, handarbeitliche oder sportliche Betätigung eine solche hochwertige Freizeitbeschäftigung. Am besten geeignet für den Ausgleich zu unseren übliche Tätigkeiten in Büros oder am Schreibtisch sind Tätigkeiten mit den Händen: Handwerken, Stricken, Gartenarbeit usw. (Okay, wenn Du sowieso schon im Beruf mit den Händen arbeitest, ist das für Dich vielleicht nicht ganz so wichtig. Trotzdem ist eine Freizeitbeschäftigung doch noch was anderes, als Arbeit.)

Natürlich gehört auch Sport und Fitness zu ausgleichenden Tätigkeiten. Das gilt ganz besonders für Sport unter freiem Himmel, noch besser in der Natur! Selbstverständlich geht es dabei nicht nur um den Ausgleich zum digitalen Alltag, sondern auch um die Verbesserung der Gesundheit und des allgemeinen Wohlbefindens.

Es ist dabei durchaus in Ordnung, auch eine Tätigkeit für sich selbst zu finden – ein ganz persönliches, allein ausgeübtes Hobby. Wenn aber zusätzlich auch noch eine soziale Komponente dazu kommt, dann ist es noch besser. Ein Hobby mit anderen Menschen zu teilen oder einen Mannschaftssport auszuüben bringt nicht nur diesen Ausgleich, sondern auch Beziehungen. Außerdem ist es eine wunderbare Möglichkeit Aufmerksamkeit zu üben.

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Extra-Regel 3: Ständige Überprüfung

Leider besitzen die digitalen Ablenkungen eine unangenehme Eigenschaft. Sie haben die Tendenz, sich immer wieder – beinahe unbemerkt – ins Leben einzuschleichen. Dafür sorgen schon die Firmen wie Facebook, die sich psychologische Erkenntnisse zunutze machen, um uns wieder einzufangen.

Oh ja, das habe ich in den letzten Wochen deutlich gemerkt: Du musst ungeheuer aufpassen, dass nicht ständig neue Ablenkungen reinkommen. Obwohl ich seit meinem ersten Beitrag zu digitalem Minimalismus sehr darauf achte, falle ich immer wieder in alte Verhaltensmuster zurück.

Deshalb habe ich mir vorgenommen, regelmäßig zu überprüfen, ob ich noch auf Kurs bin. Auch dafür möchte ich mir selbst ein paar Regeln geben:

  • Ein neues Buch kaufe ich erst, wenn ich ein anderes gelesen habe. (Ach so, das muss ich wohl noch erwähnen: Ich lese viele Bücher inzwischen digital als Ebook. Vielleicht sollte ich als weitere Regel einführen, wieder mehr Bücher aus Papier zu lesen. Das überlege ich mir noch. – Wie machst Du das?)
  • Ich führe dafür eine Leseliste. Es ist toll, zu sehen, welche Bücher ich alle schon gelesen habe und ich weiß dann, welches ich als nächstes lesen möchte.
  • Ich lege neue Accounts bei Online-Shops, Blogs, Webseiten ganz bewusst an. Vorher überlege ich, ob ich das wirklich brauche .
  • Ich bleibe aufmerksam gegenüber neuen “Einfallstoren” von social Media, Newslettern und News.
  • Neue Software und Apps benutze ich nur, wenn sie ein Problem lösen, dass mit meinen bisher benutzen Möglichkeiten nicht lösbar ist. Außerdem informiere ich mich vorher gründlich darüber.
  • Wenn etwas neu auf digitalem Weg reinkommt und gespeichert werden soll (vorher prüfen!), dann sortiere ich es sofort an die richtige Stelle in meinem Ordnungssystem.

Es gibt sicher noch viele andere Tipps und Regeln, die helfen können, den digitalen Alltag zu bewältigen ohne sich davon auffressen zu lassen. Vielleicht schreibst Du ja Deine Erfahrungen in einen Kommentar. Das würde mich sehr freuen! Wie gehst Du mit all diesen digitalen Möglichkeiten um? Oder ist das für Dich gar kein Problem?

Ich freue mich, von Dir zu lesen!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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Hier schreibt:

Uwe Hermann

Uwe Hermann
Digital-Pfarrer und Reli-Blogger

Zitat

Das Reifwerden eines Christen ist im Grunde ein Dankbarwerden.

Friedrich von Bodelschwingh

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