Digitaler Minimalismus

Digitaler Minimalismus

Digitaler Minimalismus

Hast Du auch schon mal den Überblick verloren? Zu viel zu tun – zu viele Dinge im Haus – zu viele Emails – ständig WhatsApp-Piepen… Es gibt Menschen, die für solche und ähnliche Probleme eine ganz einfache, aber sehr radikale Lösung gefunden haben. Diese Menschen haben “ihr Leben” gründlich aufgeräumt, alles verschenkt, verkauft, entsorgt, was nicht unbedingt zum Leben nötig ist. Manche haben nur noch eine Ein-Zimmer-Wohnung, andere verzichten ganz auf ein Handy.

Ist Dir das auch etwas zu radikal? Ich gebe zu, dass ich so weit nicht gehen möchte. Trotzdem finde ich es beeindruckend und es bringt mich zum Nachdenken. Man nennt diese Menschen “Minimalisten”. Was das genau bedeutet, versuche ich gleich zu beschreiben. Mir geht es aber in diesem Beitrag vor allem um “Digitalen Minimalismus”.

Auf dieses Thema hat mich ein Buch mit eben diesem Titel “Digitaler Minimalismus” aufmerksam gemacht. Geschrieben hat es Cal Newport (Link). Mich hat das Buch vor allem deshalb angesprochen, weil ich gemerkt habe, dass ich viel Zeit damit verbringe, Nachrichten und Blogs im Netz zu lesen. Außerdem stören WhatsApp, Emails und Co. immer wieder die Konzentration.

Weitere Beiträge aus dieser Serie über Digitalen Minimalismus:

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Dieser Beitrag steht im Themenbereich Persönlichkeit.

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Mit den Themen Schwächen und Stärke bildet Persönlichkeit den Abschnitt Seelsorge.

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Lebensweisheiten
Seelsorge gehört mit Burnout und Genießen zum Bereich Lebensweisheiten.
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Übersicht

Infos über alle Themen meines Blogs findest Du auf der Übersichtsseite.

Was ist Minimalismus?

Ich habe mich früher schon ab und zu mit Minimalismus beschäftigt. Es geht dabei nicht vor allem um die Reduzierung der “Dinge im Leben”, sondern um eine Einstellung. Die zentralen Punkte sind “einfaches Leben” und “weniger Konsum”. Natürlich hat das auch etwas mit Umweltbewusstsein und Naturschutz zu tun.

Die eigentliche Motivation ist aber bei den meisten Minimalisten die Schnelllebigkeit und Reizüberflutung unserer modernen digitalen Welt. Darum dreht sich auch digitaler Minimalismus. Sie haben meist an einem Punkt in ihrem Leben bemerkt, wie sehr das die Gesundheit und das Wohlbefinden stören kann. Häufig war es ein großer Einschnitt, wie zum Beispiel ein Burnout, eine andere Erkrankung oder eine sonstige schwierige Lebenssituation, die zum Nachdenken geführt hat.

Letztlich geht es beim Minimalismus allgemein vor allem darum, dass eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden soll. Siehe Wikipedia.

Buch Digitaler Minimalismus

Das ist auch das Motiv des digitalen Minimalismus, wobei hier der Schwerpunkt auf den “modernen Medien” liegt. Im Buch von Cal Newport geht es vor allem um die Sozialen Medien und das Smartphone. Ich möchte das Thema aber erweitern und auch sämtliche mit dem Internet und der Computernutzung zusammenhängenden Bereiche unter die Lupe nehmen.

In seinem Buch beschreibt Cal Newport zunächst die Situation, wie er sie erlebt und führt einige wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema an. Ein zentrales Stichwort dabei ist “Aufmerksamkeit”. Die wird uns nämlich durch die ständigen Benachrichtigungen am Handy, durch Werbung, Handyspiele und Streamingdienste gestohlen.

Sogar Nachrichten spielen eine Rolle. Ist Dir schon mal aufgefallen, dass wir mit Nachrichten nicht nur die “Neuigkeiten” in der Tagesschau und in Zeitungen bezeichnen, sondern auch die vielen kleine Wortschnipsel, die Facebook, Twitter und Co. rumschicken? Jedes Piep ist eine Nachricht – als ob jetzt die Welt unterginge – und braucht unsere sofortige Aufmerksamkeit.

Cal Newport wollte das nicht mehr einfach so hinnehmen und hat deshalb ein Selbstexperiment gestartet und dazu andere eingeladen. Es haben schließlich über 1000 Menschen mitgemacht und die Ergebnisse und Erlebnisse sind in das Buch eingeflossen.

Digitale Entrümpelung

Digitaler Minimalismus beginnt mit einer digitalen Entrümpelung. Das heißt, die Teilnehmer am Experiment haben konsequent 30 Tage lang auf alle Social Media und ähnliche Ablenkungen verzichtet. Nicht alle haben das ganz konsequent gemacht. Jeder und jede hat einen eigenen Weg gewählt, aber sie haben sich digital massiv eingeschränkt.

Anschließend ging es dann darum, einen bewussten Umgang mit den modernen Medien neu einzurichten. Das hat mir besonders gefallen. Cal Newport verteufelt die Errungenschaften der Technik nicht, lädt aber dazu ein, immer eine Frage zu stellen: “Dient diese Technologie unmittelbar einer Sache , die ich zutiefst schätze?” Deshalb war auch die Phase der Enthaltsamkeit wichtig, weil nur dadurch Platz geschaffen wurde, sich ehrlich darüber Gedanken zu machen.

Neues Leben mit digitalem Minimalismus

Im zweiten Teil des Buches geht es dann darum, wie wir auf eine gute und hilfreiche Art mit den neuen Medien leben können. Dazu gehört natürlich dieser bewusste Umgang damit. Noch viel wichtiger ist für den Autor aber, dass wir uns Alternativen zu den digitalen Ablenkungen überlegen und in unser Leben integrieren.

Das beginnt zum Beispiel mit dem Tipp: “Verbringen Sie Zeit allein”. Damit ist nicht gemeint, dass man sich vom sozialen Leben zurückzieht – das wäre ja auch ein Effekt der ungehemmten Nutzung digitaler Medien. Es geht vielmehr darum, sich auch seine eigenen Gedanken machen zu können. Nicht immer nur reagieren auf den neuesten Tweet. Nicht nur nachplappern, was der gerade angesagte Verschwörungstheoretiker auf Facebook postet. Selbst denken! Dafür braucht es Zeit mit den eigenen Gedanken – zum Beispiel bei einem ausgedehnten Spaziergang (ohne Handy).

Cal Newport gibt noch viele andere Tipps, aber einer hat mir persönlich ganz besonders gut gefallen: “Die Rückeroberung der Muße”. Es geht nicht um Faulheit, sondern darum, Freizeit wieder bewusst zu gestalten. Zum Beispiel etwas mit den Händen zu machen oder mit Familie und Freunden zu unternehmen.

Digitaler Minimalismus bedeutet also nicht, “das Digitale” zu verteufeln! Digitaler Minimalismus bedeutet, die neuen Medien nur zu nutzen für Dinge, die uns wirklich wichtig sind. Dazu helfen Regeln im Umgang mit Handy und Computer, die wir für uns selbst erstellen. Und digitaler Minimalismus bedeutet auch, das analoge Leben in vollen Zügen zu genießen.

Mein Plan

Das war jetzt nur ein ganz kleiner Einblick in das Buch “Digitaler Minimalismus” von Cal Newport. Ich werde bald eine ausführlichere Besprechung des Buches veröffentlichen. Außerdem habe ich mir selbst eine Menge Gedanken darüber gemacht und mir ein paar Dinge vogenommen. Auch darüber werde ich in den nächsten Wochen hier auf meinem Blog berichten.

Für mich ist “Aufmerksamkeit” der Schlüsselbegriff bei diesen Überlegungen. Nicht umsonst nennt man die Geschäftswelt rund um die neuen Medien “Aufmerksamkeits-Industrie”. Es geht bei all den Ablenkungen und “Nachrichten” immer darum, unsere Aufmerksamkeit zu bekommen.

Aufmerksamkeit hat für mich aber auch direkt etwas mit Spiritualität zu tun. Wenn ich meinen Glauben im Alltag leben möchte, dann brauche ich Aufmerksamkeit für Gott, meine Mitmenschen und auch für mich selbst und mein konkretes Leben. Wenn mir die Aufmerksamkeit ständig gestohlen wird, dann kann ich nicht mehr beten, nicht mehr in der Bibel lesen, mich meinem Nächsten nicht mehr wirklich ungeteilt zuwenden.

Deshalb ist dieses Thema „digitaler Minimalismus“ für mich sehr wichtig und ich habe mir vorgenommen, in nächster Zeit sehr aufmerksam (!) damit umzugehen. Ich habe schon damit begonnen, die Sozialen Medien nur noch sehr eingeschränkt zu benutzen. Twitter, Pinterest etc. benutze ich zur Zeit gar nicht mehr. Dabei muss ich zugeben, dass mir das auch nicht schwerfällt.

Etwas schwieriger ist für mich, Facebook nur noch ein oder zweimal in der Woche zu öffnen. Wobei die vielen dummen Verschwörungstheorien und die Nazi-Sprüche, die man in letzter Zeit dort immer öfter findet, es mir leichter machen.

Besonders schwer fällt es mir, die vielen interessanten Blogs und Nachrichten-Websites zu ignorieren, die ich bisher immer so gerne gelesen habe. Ich probiere gerade ein System aus, wie ich damit umgehen kann, bin mir aber noch nicht sicher, ob es funktioniert. Auch über diese Versuche werde ich demnächst einen eigenen Beitrag schreiben.

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Wo kommst Du ins Spiel?

Mich interessiert sehr, wie Du mit diesen Dingen umgehst. Deshalb möchte ich Dich bitten, mit mir in Verbindung zu treten. Dazu hast Du verschiedene Möglichkeiten. Wenn Du einfach nur weiterlesen möchtest, was ich zu berichten habe und welche Tipps ich für Dich habe, dann abonnierst Du am Besten mein Newsletter. (Ich weiß, dass wieder etwas, das Deine Aufmerksamkeit haben möchte, aber ich verspreche Dir, dass ich Dich nicht zuspammen werde!)

Gerne kannst Du mich auch persönlich erreichen. Am einfachsten geht das über eine Email an uwe@uwe-hermann.net. Du kannst natürlich auch unter diesem Beitrag einen Kommentar hinterlassen. Darüber freue ich mich sehr! Und bitte denk daran, dass ich in nächster Zeit über Social Media nicht mehr oder nur noch schwer erreichber bin. 🙂

Wie sieht es bei Dir aus? Möchtest Du mitmachen? Möchtest Du auch versuchen, die Aufmerksamkeit, die Dein Handy, die Sozialen Medien und die digitalen News von Dir fordern, etwas besser unter Kontrolle zu bringen? Schreib mir doch gerne Deine Meinung und wie Du damit umgehst!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

2 Kommentare

  1. Lieber Uwe,
    es tut gut, zu lesen, was Du schreibst. Herzlichen Dank, dass Du Dein Talent zum Schreiben einsetzt, um uns allen zu helfen, mit der Reizüberflutung fertig zu werden.
    Diese Reizüberflutung ist ein Instrument der Herrschenden. Die Gehirne werden vollgestopft mit Zeug ohne Wert.
    Wer selbst sein kostbares Leben für eigenes Empfinden, Denken und Tun nutzen will, kann jederzeit selbst bestimmen, was das Glück seines Lebens sein soll.
    Bleib so wie Du bist, Uwe, einen wunderschönen Tag wünscht Dir
    Dorothee

    Antworten
    • Liebe Dorothee,
      herzlichen Dank! Ich freue mich, wenn der Beitrag Dir gut getan hat.
      Alles Gute und Dir auch einen sonnigen Sonntag,
      Uwe

      Antworten

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Hier schreibt:

Uwe Hermann

Uwe Hermann
Digital-Pfarrer und Reli-Blogger

Zitat

Dankbarkeit zu fühlen und sie nicht auszudrücken, ist wie ein Geschenk zu verpacken und es nicht zu verschenken.

Adolphus Ward

Zu diesem Zitat passt folgender Beitrag: hier klicken!

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