​Wochenspruch Reminiszere – Spannung

Der Wochenspruch Reminiszere steht in Römer 5,8:

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Es ist eine Spannung in dem Vers, die man sofort spürt, die aber nicht so offensichtlich ist. Auf der einen Seite steht deutlich die Liebe Gottes. Heute sind wir gewöhnt, davon zu reden. Wir Christen sowieso, aber auch Menschen, die nicht (so) gläubig sind, können einen schon mal darauf hinweisen.

Vor allem tun sie das, wenn die Rede auf die etwas weniger verständlichen Seiten des Glaubens kommt. Zum Beispiel bin ich in letzter Zeit auf die “Gottesfurcht” angesprochen wurden. Warum muss man Gott den fürchten, wenn er doch der “liebe Gott” ist? Oder wenn es um die Sünde geht, wie im Wochenspruch Reminiszere. Wenn Gott uns doch liebt, dann könnte er doch einfach so die Sünde vergeben. Warum muss er überhaupt so ein großes Ding darum machen?

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​Liebe und Tod?

Im Vers ist darüber hinaus auch noch die Rede davon, das Jesus Christus für uns sterben musste. Wie bitte? Warum? Weil Gott das so wollte? Schon das ist für moderne Menschen ziemlich schräg. Dass das aber auch noch ein Zeichen für Gottes Liebe zu uns Menschen sein soll, dass ist ja völlig abstrus.

Im Text rund um den Vers im Römerbrief zeigt Paulus, dass auch er das für ungeheuerlich hält. Er sagt, es sei ja schon außergewöhnlich, wenn ein Mensch sein Leben für einen anderen Menschen wagt, wenn der gut ist. Für “Gottlose” aber würde doch wohl niemand sein Leben aufs Spiel setzen.

Paulus sagt, dass Gott genau das gemacht hat. Für mich gibt es hier zwei grundsätzliche Aussagen, die ich für mich unterschiedlich bewerten würde. Wenn Paulus sagt, dass Jesus für uns Menschen sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, dann kann ich das schon als Zeichen für Liebe verstehen. Auf der anderen Seite, kann ich nicht verstehen, warum das überhaupt nötig war.

Liebe und Sünde?

Überhaupt ist das mit der Sünde ja so eine Sache. Dieses Wort hat heute keinen besonders guten Ruf. Es ist entweder “niedlich”, wenn es um zu viel Kuchen geht, oder altmodisch, wenn es um den moralischen Zeigefinger geht.

Trotzdem haben wir alle – zumindest, wenn es um andere Menschen geht – ein deutliches Gespür dafür, dass nicht alles in Ordnung ist. Wenn Manager ungerecht viel verdienen, Banker betrügerische Geschäfte machen, Politiker falsche Versprechungen geben, dann ist der Ruf nach Strafe (Sühne, Buße) für diese Verfehlungen (Sünden) groß.

Lassen wir uns mal auf diesen Gedanken ein, dann werden wir zugeben müssen, dass es auch in unserem Leben mehr gibt als “zu viel Kuchen”. Vielleicht ist es deshalb “nötig”, oder besser notwendig, auch die schwierigen Seiten der Beziehung zwischen Menschen und Gott nicht einfach auf sich beruhen zu lassen.

Liebe in Beziehung

Liebe ist Beziehung – das gilt auch für die Liebe Gottes zu uns. Wenn in einer Beziehung etwas schief läuft, dann muss man sich darum kümmern oder sie geht kaputt. Versuchen wir mal Sünde als Entfremdung von Gott, dem Nächsten und uns selbst zu betrachten. Dann wird vielleicht klarer, das Sünde eine Störung in einer Beziehung bedeutet. Siehe Denkschrift EKD für uns gestorben.

Alle Religionen versuchen, die Beziehung der Menschen mit Gott, mit einer “höheren Instanz” wieder herzustellen. Die christliche Religion ist aber die einzige, in der sich der Mensch nicht zu Gott “hocharbeiten” muss. Paulus objektiviert hier die Liebe Gottes in gewisser Weise. Gott mach sich auf den Weg “hinunter zu uns Menschen”.

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​Unendlich wertvoll

Gott heilt die Beziehung von sich aus. Da Gottes Liebe nicht am Wohlverhalten der Menschen festmacht, ist es nicht an subjektives Empfinden gebunden. Gott schenkt seine Liebe, weil der Mensch ihm wertvoll ist. Wir brauchen nichts dazu zu tun. Wir müssen nicht mal für unsere “Sünden büßen”, weil sie in Jesus Christus vergeben sind.

Das heißt nicht, dass die Sünde egal ist. Es bedeutet aber zweierlei: 1. Unser Wert hängt nicht davon ab, wie gut oder toll wir sind! Gott will die Beziehung zu uns wiederherstellen. Wenn wir das auch wollen, dann haben wir aber 2. ja ein Interesse daran, die Beziehung am Leben zu halten und Gott nicht zu verärgern… (sind wir damit vielleicht auf der Spur der Gottesfurcht? Geht es vielleicht mehr um Respekt? Darüber muss ich später mal einen Beitrag schreiben).

Klar ist jedenfalls: Dieser Wochenspruch Reminiszere sagt Dir klipp und klar: Gott liebt Dich ohne jede Voraussetzungen! Darauf kannst Du Dich verlassen!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe