Predigt Hebräer 4, 9-11: Ruhe

Predigt Hebräer 4, 9-11 von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am Totensonntag 2002 in der Evangelischen Kirche Rennerod und im Evangelischen Betsaal Rehe.

Sonn-/Feiertag: Totensonntag
Predigtreihe alt: VI

Ruhe in Frieden

Heute habe ich noch einmal eine Predigt für Dich. Es ist keine Abhandlung und kein Infotext zum Thema des Monats “Vergänglichkeit”. Vielmehr geht es um einen Text, der auf eine ganz besondere Art über den Tod redet.

Dieser Text war in der alten Perikopenordnung der Text der Lesereihe VI für den Totensonntag. Er wurde (leider) in der 2018 eingeführten neuen Perikopenordnung nur noch als Marginalie (Nebentext) außerhalb der Lesereihen für den Ewigkeitssonntag aufgenommen.

“Ruhe in Frieden” ist eine häufige Grabinschrift auf unseren Friedhöfen. Es ist die deutsche Übersetzung für das lateinische “requiescat in pace”. Bekannt aus Film und Fernsehen ist auch die Abkürzung R.i.P, die aber meist mit dem englischen “rest in peace” wiedergegeben wird.

Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit. Friedrich Schiller

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Predigttext Hebräer 4, 9-11

Es ist also noch eine Ruhe vorhanden für das Volk Gottes. Denn wer zu Gottes Ruhe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken so wie Gott von den seinen. So lasst uns nun bemüht sein, zu dieser Ruhe zu kommen, damit nicht jemand zu Fall komme durch den gleichen Ungehorsam.

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Predigt Hebräer 4, 9-11

Es ist eine Ruhe vorhanden

Liebe Gemeinde!

Ruhe, das ist ein Stichwort, bei dem wir uns normalerweise wohlfühlen. Ruhe können wir am Abend eines stressigen Tages gut gebrauchen. Ausruhen ist nicht nur im Urlaub angesagt. Nach dem lauten Treiben einer großen Feier oder bei ständigem Lärm wünschen wir uns Ruhe und Frieden.

Bei dem Satz “Ruhe in Frieden” aber, wird uns ganz anders zumute. Diesen Satz bringen wir alle automatisch mit dem Friedhof, mit Gräbern, mit Sterben und Tod in Verbindung.

Im Blick auf den Totensonntag finde ich es aber gut, sich mit dem Gedanken an den Tod zu beschäftigen. Was denke ich über den Tod? Hilft mir mein ganz persönlicher Glaube, damit umzugehen? Welche Vorstellungen habe ich? Bei solchen Gedanken ist mir die Vorstellung von der Ruhe immer sehr nahe gegangen.

Sich vorzustellen, ein Mensch, der gestorben ist, geht nicht ins Nichts, sondern ruht von einem erfüllten, arbeitssamen und im Idealfall glücklichen Leben aus. Er “ruht von seinen Werken”, wie es im Predigttext heißt. Für gläubige Menschen geht das ja noch weiter: Der Tote ruht im Frieden Gottes. Eigentlich ist das doch eine wunderbare Vorstellung.

Ruhe als Schöpfungsprinzip

Ich habe mir Gedanken gemacht, was das Wort Ruhe alles beinhaltet. Ich finde es in der Bibel nicht nur in diesen Versen aus dem Hebräerbrief. An einer ganz wichtigen und präsenten Stelle ist schon einmal die Rede von der Ruhe.

Gott ruht nach der Erschaffung der Welt am siebten Tag. Ruhe ist also ein Schöpfungsprinzip! Der Wechsel von Arbeit am Tag und Ruhe in der Nacht, genauso wie der Wechsel von sechs Tagen Arbeit und einem Tag Ruhe ist schon am Anfang der Bibel angelegt.

Das ist leider heute kaum noch zu merken. In der Gesellschaft, in der Arbeitswelt wird dieser Rhythmus immer weiter zugunsten des Gewinns aufgelöst. Kirchen und Gewerkschaften haben wohl schon zuviel Einfluss verloren um sich noch dagegen aufzulehnen. Letztlich sind wir doch selbst daran schuld: Wer will schon auf seine frischen Brötchen am Sonntagmorgen verzichten?

Neben dieser politischen und gesellschaftlichen Frage, ist mir auch wichtig, mir selbst Gedanken darüber zu mache, wie ich Feiertage und Sonntage nutze. Wie sieht das bei Dir aus?

Wo finde ich Ruhe?

Wofür brauchen wir Ruhe? Wir brauchen sie für uns selbst! Unser Körper und unser Geist brauchen Ruhezeiten zur Erholung. Wir brauchen Pausen, Schlaf und “nutzlose Aktivitäten”. Wenn wir alles auf Effizienz und Effektivität, auf “Schaffe, schaffe, Häusle baue” ausrichten, dann streiken Körper und Geist und die Seele wird krank.

Dieser Predigttext macht also auch klar, dass wir nicht nur das Recht haben, für uns selbst Ruhe zu finden. Es ist auch klar, dass wir das dringend brauchen und es in unserer Natur liegt.

Wir brauchen aber auch Ruhe und Auszeiten für die Begegnung mit anderen Menschen. Wir brauchen Zeit für die Familie und für Freunde, für den Verein und die Freizeitaktivitäten. Es liegt auch in der Schöpfung, dass wir Menschen Gemeinschaftwesen sind. Auch dafür brauchen wir Zeit und Ruhe.

Ruhe für und in Gott

Zur Besinnung auf Gott, auf Glauben und Spiritualität brauchen wir Ruhe. Ja, auch für die Besinnung auf Sterben und Tod müssen wir Gelegenheit haben. Das funktioniert nicht in Hektik und Stress. Wir benötigen Zeit und Ruhe für den Gedanken an unsere Vergänglichkeit, weil das wichtig ist um vorbereitet zu sein. Es hilft auch, das Leben tiefer und letztlich glücklicher zu leben. Siehe Beitrag über Vergänglichkeit.

Wie ist es bei Dir mit der Vorbereitung auf den eigenen Tod? Hast Du eine Patientenverfügung erstellt? Wissen Deine Angehörigen, was Dir im Blich auf Sterben und Tod wichtig ist? Wissen sie, welche Wünsche Du für die Bestattung hast? Weißt Du, was Du noch tun willst in Deinem Leben, was Dir wirklich wichtig ist? Für all diese Dinge brauchen wir Ruhe.

Manchmal werden wir gezwungen endlich einmal die Füße still zu halten und zur Ruhe zu kommen. Wenn wir krank oder durch einen Unfall “lahm gelegt” werden, dann müssen wir zur Ruhe kommen. Auch wenn ein Mensch in unserem näheren Umfeld stirbt, ist es als ob die Welt stehenbleibt. In Krankheit und Trauer brauchen wir Zeit – müssen wir zur Ruhe kommen.

Schließlich gibt es dann die letzte Ruhe: wenn es an den eigenen Tod geht. Da geht es nicht mehr anders. Da haben wir keine Wahl mehr. Aber was geschieht denn? Die Antwort des Glaubens ist in dem Predigttext festgehalten: Gottes Ruhe wartet auf uns.

Ich weiß nicht, ob Du das glauben kannst, aber ist es nicht ein wunderbares Symbol für den Tod ? In all dem Stress und der Hektik unserer Zeit – Es ist eine Ruhe vorhanden, mitten im Leben und auch im Tod. Wenn wir am Totensonntag auf die Freidhöfe gehen und uns an unsere Gestorbenen erinnern, dann denken wir daran: Sie ruhen im Frieden Gottes.

Amen.
Pfr. Uwe Hermann

Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 24.11.2002 in Rennerod und Rehe. Ich habe den Text für diese Veröffentlichung neu überarbeitet.

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Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen. Mahatma Gandhi

Links

Ich möchte Dich noch auf ein paar Links zum Thema hinweisen:

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau versendet regelmäßig eine sogenannte “Impulspost” an ihre Mitglieder. In den Wochen vor dem Totensonntag 2019 kam ein Brief mit dem Titel “und jetzt?”. Dazu gibt es eine Website, die ich Dir gerne empfehlen möchte: Aktion der EKHN “Trauer mit mir”.

Die Evangelische Kirche im Rheinland bietet schon seit längerer Zeit eine Website zum Thema Trauern an. Hier gibt es auch eine Möglichkeit Gedenkseiten für Gestorbene anzulegen: Trauernetz.

Schließlich habe ich noch eine interessante persönliche Website gefunden, die sich sehr offen, ehrlich und fast schön fröhlich mit dem Thema Tod beschäftigt: Totenhemd.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe