​Dankbarkeit für die Menschen

Heute geht es mir um die Dankbarkeit für die Menschen, die aktuell in meinem Leben eine Rolle spielen. Damit setze ich eine Artikelserie zu meinem Monatsthema “Dankbarkeit” fort, zu der mich das Erntedankfest angeregt hat.

Dankbarkeit ist mein Monatsthema im Oktober. Hier findest Du alle Beiträge der Serie:

1. Dankbarkeit als Lebenseinstellung
2. Dankbarkeit für den Glauben 1
3. Dankbarkeit für den Glauben 2
4. Dankbarkeit für die Menschen
5. Dankbarkeit für das Leben

Der Wochenspruch für den 18. Sonntag nach Trinitatis steht in 1. Johannes 4, 21: Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Mit dem Bruder in diesem Vers ist nicht ein Verwandtschaftsverhältnis gemeint, sondern der Mensch (ob Mann oder Frau oder Divers), der mir als Nächster begegnet. Das Thema dieses Sonntags ist also im weiteren Sinn die Nächstenliebe. Diese beginnt bei den Menschen, mit denen wir tagtäglich zusammenleben, aber sie endet dort nicht. Jeder Mensch, der uns direkt begegnet, ist ein Nächster. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, dass in unserer globalisierten und digitalisierten Welt, jeder Mensch ein Nächster ist.

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Stärke

Dieser Beitrag steht im Abschnitt Stärke.

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Seelsorge

Mit den Themen Schwächen und Persönlichkeit bildet Stärke den Bereich Seelsorge.

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Lebensweisheiten

Seelsorge gehört mit Burnout und Genießen zum Abschnitt Lebensweisheiten.

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Übersicht

Infos über alle Themen meines Blogs findest Du auf der Übersichtsseite.

Für wen bin ich dankbar?

Ich frage mich heute: Für welche Menschen bin ich dankbar? Im Beitrag der letzten Woche habe ich auch Menschen genannt, für die ich dankbar bin, aber im Blick darauf, was sie mir für meinen Glauben gegeben haben. Jetzt geht es mir um die Menschen, die heute in meinem Leben am wichtigsten sind.

Ich möchte Dich damit anregen, auch einmal darüber nachzudenken. Vielleicht meinst Du, das sei doch selbstverständlich, aber ich habe bemerkt, dass es einen großen Unterschied macht, das einmal ganz bewusst zu tun. Die wichtigsten Menschen in Deinem Leben sollten eben nicht “selbstverständlich” sein! Sie sind ganz besonders. Deshalb nimm Dir mal die Zeit darüber nachzudenken und frag Dich, warum Du für genau diese Menschen in Deinem Leben dankbar bist.

Familie

Die allermeisten Menschen sind dankbar für ihre Familie. So eindeutig das offensichtlich ist, so wichtig ist, sich das immer wieder klarzumachen. Diese Menschen sind nicht selbstverständlich, sondern ganz außergewöhnlich.

Es ist wunderbar, wenn wir einen Partner haben, den wir lieben und der uns liebt. Für mich ist das eines der schönsten Geschenke des Lebens (oder sollte ich besser sagen: Gottes?). Genauso empfinde ich meine drei Kinder als einmaliges Geschenk. Es ist so wundervoll, dass sie in mein Leben getreten sind und dazu gehören. Sie gehen inzwischen ihre eigenen Wege, aber sie sind in meinen Gedanken und in meinem Herzen immer da.

Wenn wir älter werden, dann spielen vielleicht die Eltern nicht mehr die erste Rolle im Leben, und doch ist es gut, wenn sie noch da sind. Wie viel haben wir unseren Eltern zu verdanken, auch wenn sie nicht immer alles richtig gemacht haben. Gerade, wenn sie in höherem Alter wieder mehr Zuwendung von uns benötigen, ist es hilfreich, sich zu erinnern und dankbar zu sein.

Lasst uns dankbar sein gegenüber Menschen, die uns glücklich machen. Sie sind die liebenswerten Gärtner, die unsere Seele zum Blühen bringen. Marcel Proust

Freunde

Natürlich gehören auch Freunde zu den wichtigsten Menschen im Leben. Heute ist es üblich geworden, jeden noch so entfernten Bekannten als Freund zu bezeichnen (siehe die vielen “Facebook-Freunde”…). Ich sehe das anders. Es ist tatsächlich ein unglaubliches Geschenk, wenn wir ein paar wirklich gute Freunde haben.

Diese echten Freunde sind in guten Zeiten an Deiner Seite, aber eben auch, wenn es mal nicht so gut geht. Sie feiern mit Dir und halten zu Dir. Gute Freunde sagen Dir auch, wenn Du etwas “Dummes” tust. Das stört die Freundschaft nicht. Es ist im Gegenteil ein Qualitätsmerkmal von Freundschaft.

In der Hektik des Alltags kann es passieren, dass die Freunde einfach so “mitlaufen”. Nicht immer haben wir genügend Zeit für regelmäßige Treffen oder Kontakte. Echte Freundschaft zeichnet aber gerade aus, dass sie das aushält. Trotzdem ist es wichtig, den roten Faden nicht abreißen zu lassen und Freundschaft zu pflegen.

Kollegen

Für die meisten von uns, die berufstätig sind, spielen Kollegen eine große Rolle im Leben. Manchmal verbringen wir mehr Zeit mit Ihnen, als mit Familie und Freunden. Leider ist es aber so, dass Kollegen auch eine Belastung sein können. Es kann Konkurrenz geben oder sogar Mobbing. Klatsch und Tratsch in der Firma können sich gegen Dich wenden. Das ist dann wirklich schwierig.

Kollegen können aber auch hilfreich sein, möglicherweise sogar zu Freunden werden. Für mich gibt es ein paar (Pfarr-)Kollegen, die ich sehr mag und mit denen auch der Kontakt bestehen geblieben ist, nachdem ich nicht mehr als Pfarrer gearbeitet habe.

Ganz besonders wichtig sind mir diese Kollegen in der Kirche auch, weil sie mir zeigen, dass ich Kirche nicht aufgeben will, obwohl so manches in der Kirche nicht gut läuft. Solange es solche Menschen in der Kirche gibt, die sich engagieren und für die Menschen arbeiten, kann es gut gehen in der Kirche.

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Andere

Neben diesen Menschen, die uns sehr oder doch relativ nahe stehen – die in diesem Sinne wirklich “Nächste” sind – haben wir auch zahlreiche Bekannte, die für unser aktuelles Leben wichtig sein können. Sogar Fremde können Lichtblicke ins Leben bringen.

Ich hatte zum Beispiel vor kurzem einen tollen Kontakt mit einer Sachbearbeiterin auf einem Amt. Sie war so hilfsbereit und hat mir geduldig alles erklärt, was ich wissen musste. Das gibt es tatsächlich! Ich bin sogar davon überzeugt, dass das die Regel ist und es vor allem darauf ankommt, “wie man in den Wald hineinruft”…

Es gibt auch…

  • … Ein Lächeln an der Supermarktkasse
  • … Einen freundlichen Autofahrer, der Dir die Vorfahrt lässt
  • … Einen Nachbarn, der die Post reinholt, wenn wir im Urlaub sind
  • … Ein Mensch, der der Mutter mit Kinderwagen die Tür aufhält
  • … So viele freundliche und nette Menschen.

Für mich gehören zu den Menschen, für die ich dankbar bin auch ganz Fremde, die sich engagieren um unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ich zähle auch die vielen Kinder und Jugendlichen dazu, die sich bei Fridays for Future engagieren. Sie machen uns darauf aufmerksam, dass wir eine Verantwortung für nachfolgende Generationen haben.

Ich könnte so viele Menschen nennen – Feuerwehrleute, Naturschützer, Ehrenamtliche in Vereinen… Sie alle bringen mit ihrem Engagement ein ein wenig Nächstenliebe und Hoffnung in unsere Welt.

Dankbarkeit zu fühlen und sie nicht auszudrücken, ist wie ein Geschenk zu verpacken und es nicht zu verschenken. Adolphus Ward

Wir brauchen Menschen um uns

Damit bin ich schon bei der Frage, warum wir eigentlich Menschen um uns brauchen. Warum brauchen wir unsere Nächsten – im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch die “fernen Nächsten”?

Wir brauchen sie, weil sie einfach da sind, wenn sie gebraucht werden. Ja, ich möchte es einmal umgekehrt betrachten. Unsere Nächsten brauchen nicht nur uns, damit wir für sie da sind. Auch wir brauchen unsere Nächsten. Wir Menschen sind Wesen, die Gemeinschaft brauchen. Wir brauchen einander und deshalb ist es gut, wenn da Menschen um uns sind.

Ich bin dankbar für die Menschen in meinem Leben, weil sie mich auf meinem Lebensweg begleiten. Sie sind an meiner Seite in schwierigen Zeiten, sie helfen, packen mit an, richten mich wieder auf. Wir sind aber auch zusammen und feiern die Feste, wie sie fallen, und das Leben, weil es schön ist.

Wir brauchen die Menschen um uns, weil wir voneinander lernen können, uns gegenseitig auf Fehler aufmerksam machen und so zusammen zu besseren Menschen werden können. Die Annahme und Akzeptanz, die wir in Partnerschaft, Familie und unter Freunden erfahren ist eine Grundlage für ein gutes und zufriedenes Leben. Wissenschaftler meinen sogar, dass es das Leben verlängern kann.

Schließlich brauchen wir Menschen um uns, weil uns das Glauben, Hoffnung und Liebe bringt.

  • Glaube – Weil Gutes in der Welt ist, solange es solche Menschen gibt.
  • Hoffnung – Weil unser Leben und diese Welt eine Zukunft hat, wenn solche Menschen da sind.
  • Liebe – Weil alle es dringend brauchen, geliebt, angenommen und wertgeschätzt zu werden.

Was können wir für unsere Nächsten tun?

Nein, ich möchte mich jetzt nicht auf die “klassische” Nächstenliebe beziehen. Natürlich heißt Nächstenliebe auch, anderen zu helfen und für sie da zu sein. Ich meine aber jetzt vielmehr, wie wir den Menschen, die in unserem Leben wichtig sind, unsere Dankbarkeit zeigen können. Hier nur ein paar wenige Gedanken:

Das Schlichteste, wenn auch nicht immer das Einfachste ist Danke zu sagen! Darüber hinaus sollten wir auch mal darüber nachdenken, wie wir die Dankbarkeit zeigen können. Das kann natürlich die rote Rose für den Partner sein oder ein “Zuschuss” für die Kinder, aber vielleicht gibt es noch mehr Möglichkeiten, die nicht so selbstverständlich und offensichtlich sind.

Am wichtigsten finde ich, dass wir uns immer wieder einmal die Zeit nehmen, darüber nachzudenken, welche Menschen für uns wichtig sind und wie wir ihnen unsere Dankbarkeit zeigen können. Dir fällt dann bestimmt noch viel mehr ein! Nimm Dir doch einfach mal diese Zeit!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe