Predigt 6. Sonntag nach Trinitatis Römer 6,3–8(.9–11)

Predigt 6. Sonntag nach Trinitatis Römer 6,3–8(.9–11) von Pfr. Uwe Hermann, Perikopenreihe IV, Thema: Leben in Freiheit aus der Taufe. Gehalten im Gottesdienst am 24.07.2022 in den Kirchen Neukirch und Rabenscheid.

Sonn-/Feiertag: 6. Sonntag nach Trinitatis

Perikopenreihe: IV

Predigttext Römer 6,3–8(.9–11)

3 Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?
4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, auf dass, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, so auch wir in einem neuen Leben wandeln.
5 Denn wenn wir mit ihm zusammengewachsen sind, ihm gleich geworden in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.
6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen.
7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.
8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden,

9 und wissen, dass Christus, von den Toten erweckt, hinfort nicht stirbt; der Tod wird hinfort nicht über ihn herrschen.
10 Denn was er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben ein für alle Mal; was er aber lebt, das lebt er Gott.
11 So auch ihr: Haltet euch für Menschen, die der Sünde gestorben sind und für Gott leben in Christus Jesus.

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Predigt 6. Sonntag nach Trinitatis Römer 6,3–8(.9–11)

Verbindung

Liebe Gemeinde,
Die meisten von uns haben heute Geburtstag: Heute ist Tauferinnerungssonntag. (Eventuell in die Gemeinde fragen: Wer weiß das Datum seiner Taufe?)

Wir sind heute eingeladen über die Taufe nachzudenken. Doch ist dieser Predigttext wirklich dazu geeignet? Wenn wir über Taufe reden – welche Worte fallen uns dabei ein? Wasser, Taufbecken, Feier, Glaube, Hoffnung, Liebe… Welche Worte findet Paulus in diesem Text über die Taufe? Sind Sünde und Tod Wörter, die wir mit dem Thema Taufe in Verbindung bringen würden?

Und doch sind dies wichtige Themen. In Markus 10,38 bezeichnet Jesus seinen Tod am Kreuz selbst als seine Taufe. Paulus sagt, dass unsere Taufe uns mit Jesus verbindet. Taufe ist viel mehr als ein Symbol. Es geschieht etwas, das wir äußerlich nicht erfassen können: Eine Verbindung zwischen Christus und den Gläubigen wird hergestellt.

Was Paulus hier über den Zusammenhang von Taufe und Tod und Sünde sagt, bedeutet, dass wir als Christen nicht nur ein Leben haben, sondern zwei. Das eine ist das natürliche Leben. Es beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Aber aus der Bibel erfahren wir: Ihr Christen habt noch ein anderes, ein geistliches Leben, ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Dieses Leben beginnt mit der Taufe.

Freiheit

Durch die Verbindung mit Jesu Kreuz sind wir der Sünde gestorben. Dieser Ausdruck ist vielen, die regelmäßig in der Bibel lesen und am Gottesdienst teilnehmen, sehr vertraut. Wenn wir uns das aber mal richtig überlegen, dann ist das alles doch sehr fremd. Sagt diesen Satz doch mal Leuten auf der Straße… Sie würden verständnislos den Kopf schütteln. Und mal ganz ehrlich: Verstehen wir das eigentlich selbst?

Schauen wir mal auf das Stichwort Sünde. Ich denke, es gibt zwei Möglichkeiten, wie heute Menschen daran denken. Entweder wird Sünde verharmlost – „Ein Stück Kuchen zu viel…“, „Heute sündigen wir mal etwas…“ Oder man sieht die christliche Rede von der Sünde als Versuch, alles Schöne zu verbieten. Leider haben wir Christen auch alles getan um diesen Eindruck zu erwecken: „Tu dies nicht, tu das nicht.“ „Gott sieht alles und straft dich für deine Sünden.“ Was ist im Laufe der Kirchengeschichte nicht alles verteufelt und zur Sünde erklärt worden.

Wenn wir uns den Predigttext noch einmal genauer anschauen, dann fällt auf, dass Paulus ganz anders von Sünde redet. Wer mit Christus in der Taufe verbunden ist, der ist frei von der Sünde! Frei von Sünde zu sein heißt also nicht zuerst Verbote und Gesetze und Unterdrückung und Lebensfeindlichkeit!

Frei von der Sünde

Frei von der Sünde heißt vor allem Freiheit! Es ist ein Grund sich zu freuen und zu feiern. Frei von Sünde zu sein bedeutet, neues Leben, Gemeinschaft mit Gott und untereinander, hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, Wunderbares vom Leben zu erwarten.

Es gibt eine Parallele zu dem Auszug des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Taufe mit Wasser ist gleich dem Durchzug durchs Rote Meer. Nicht sündigen ist Befreiung aus der Sklaverei und keine Unterdrückung.

Wir haben in 2000 Jahren das Gegenteil daraus gemacht. Du darfst dies nicht und das nicht. Das ist verboten. Du musst dafür aber dieses oder jenes unangenehme machen. Da ist wohl was schief gelaufen.

Lasst uns doch diesen Tag der Tauferinnerung als Gelegenheit nutzen, uns über das neue Leben aus der Taufe zu freuen. Feiern wir diesen Tag als unseren Taufgeburtstag. Seien wir froh über all das Wunderbare, das Gott uns in der Taufe geschenkt hat – hier in diesem Leben und in Ewigkeit.

Taufe

Taufe ist nicht nur ein Symbol. Wenn wir bedenken, was alles hinter diesem Konzept bei Paulus steht, dann wird klar, dass die Taufe einen Menschen zutiefst verändert. Es kommt nur darauf an, ob wir das auch annehmen. Achtung: Nicht als Verbote und Gebote, sondern als große Freiheit!

Zuspruch

Wenn wir als Kirche taufen oder uns als Christinnen und Christen an unsere eigene Taufe erinnern, dann geht es zuerst um die große Freiheit, die Gott uns in seiner Liebe geschenkt hat. Darin liegt ein Zuspruch, der unser Leben gut, frei und fröhlich macht.

Wir taufen kleine Kinder, weil wir sie damit der Liebe und Fürsorge Gottes anvertrauen. Darin kann man erkennen, dass die Taufe ein Geschenk ist, das wir uns nicht verdienen müssen durch ein gutes oder erfolgreiches Leben. Wir taufen Erwachsene, weil darin deutlich wird, dass die Taufe unsere ganze Hingabe an Gott erfordert. Sie ist keine Magie, die automatisch wirkt.

Anspruch

Es gibt auch einen Anspruch, den Gott an uns als Getaufte stellt. Er möchte, dass wir die Freiheit, die er uns schenkt auch annehmen und leben. Frei dazu, so zu leben, dass es für uns und die Menschen, mit denen wir zusammenleben gut ist. Dazu folgen wir dem, was Jesus lehrt.

Das zeigt uns, dass die Taufe nur der Anfang unseres Christenlebens ist. Es geht noch weiter. Um ein anderes Bild für die Taufe zu benutzen: die zweiten Geburt, [[Wiedergeburt]]: Nach der Taufe muss ein Christ noch wachsen, egal, ob er als Kind oder als Erwachsener getauft wird.

Ich denke, dass alles, was Jesus gelehrt hat zusammengefasst ist in dem [[Doppelgebot der Liebe]]: Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst. Was das heißt können wir auf vielfältige Art und Weise lernen:

  • Im Konfirmandenunterricht,
  • Durch Eltern und Paten getaufter Kinder,
  • In Gottesdienst und Bibelstunde,
  • Im Gespräch mit Mitchristen.
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Glauben leben

Vor allem aber kommt es darauf an, dass wir nicht nur hören und lernen, sondern das auch in unserem Leben umsetzen. Vielleicht wäre es gut einmal nicht so viel zu fragen: Was heißt das denn konkret? Das lässt sich sowieso nicht ein für alle mal und für jeden gleich festlegen. Einfach ausprobieren, das ist möglicherweise der bessere Weg. Darauf vertrauen, dass Gottes Heiliger Geist uns die Weisheit und Kraft gibt im Alltag die rechten Entscheidungen zu treffen.

Der erste Kirchenpräsident unserer Hessen-Nassauischen Kirche, Martin Niemöller, hat einmal gesagt, er habe versucht sein Leben mit folgender Frage zu führen: „Was würde Jesus dazu sagen?“ Ist das nicht genau die Einstellung, die dem Auftrag Jesu entsprich? Das heißt dann, aus der Taufe leben.

Wenn wir über den Zuspruch und den Anspruch Gottes nachdenken, dann gibt es noch etwas ganz Grundlegendes zu beachten. Bei Gott steht der Zuspruch immer vor dem Anspruch. Es geht nicht darum, dass wir zuerst dem Anspruch gehorchen und alles mögliche zu leisten haben, um uns damit die Liebe Gottes zu verdienen!

Die Freiheit, zu der uns Gott in der Taufe berufen hat, ist bedingungslos. Gottes Zuspruch, seine Liebe gilt uns ohne Voraussetzungen. Deshalb können wir uns auch immer darauf verlassen. Deshalb können wir auch immer wieder zu ihm zurückkehren, wenn mal etwas schief läuft.

Nur so herum wird ein Schuh daraus! Wir folgen dem Vorbild Jesu und dem Anspruch Gottes, weil wir um seine bedingungslose Liebe wissen. Das ist wahre Freiheit.

Unsere Taufe bringt uns kein Geld, keinen Wohlstand, keinen Versicherungsschutz. Aber sie lässt uns im Zweifel nicht verzweifeln, im Gefühl der Ohnmacht nicht ohnmächtig bleiben. Sie lässt uns in der Einsamkeit nicht allein sein und in einer ungewissen Zukunft nicht den Mut verlieren. Das ist sehr viel. Grund genug, Gott zu danken. Grund genug diesen Sonntag zu feiern im Gedenken an unsere Taufe und vielleicht auch in der Vorfreude für die, die noch nicht getauft sind.

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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