Dieser Beitrag „Gott allen Trostes“ erscheint in der Reihe „An-ge-dacht“, in der ich täglich Gedanken zu einer Perikope des jeweiligen Sonntags schreibe. Weitere Informationen darüber und eine Übersicht aller bisher erschienenen Beiträge findest Du hier: An-ge-dacht.

Lesung IV, Lätare

2. Korinther 1, 3–7

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,
4 der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.
6 Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.
7 Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.

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Gott allen Trostes, Lätare, Lesung IV, 2. Korinther 1, 3–7

Der Gott allen Trostes – das ist doch ein wunderbarer Ausdruck! Ich liebe diese Beschreibung Gottes vor allem, wenn es mir nicht gut geht. In der Zeit meines Burnouts und anderen schwierigen Situationen, war mir das sehr wichtig. Auch heute in der Corona-Zeit gibt mir dieser Text ein warmes Gefühl.

Andererseits überlege ich immer mal wieder: Wie spüre ich denn den Trost Gottes. Wo erkenne ich denn den Gott allen Trostes? Ich glaube, das fragen sich viele Menschen, wenn sie denn überhaupt noch an Gott denken.

Im Perikopentext der Lesung IV zum Sonntag Lätare bezieht sich Paulus auf das Leiden in einem Sinn, den wohl nur die damaligen Christen in der Situation der Verfolgung als religiöse Minderheit verstehen konnten. Sie waren wegen ihres Glaubens angefeindet, verlacht und manchmal sogar echten Repressionen bis hin zu Gefängnis und Tod ausgesetzt.

Wenn es so um den Glauben geht, ist der Gott allen Trostes natürlich sehr wichtig. Dieser Glaube, der Ursache des Leids ist, ist zugleich Ursache des Trostes. Manche könnten dann vielleicht fragen, warum überhaupt noch an dem Glauben festhalten? Es gibt auch noch viel weitergehende Anfragen an den Glauben: Ist Glaube nicht eigentlich ein „Vertrösten“ und gar kein „Trösten“?

Der Gott allen Trostes als Vertröstung auf eine zukünftige, ewige Gerechtigkeit?

Ich fürchte, dass der Gott allen Trostes nur den Gläubigen wirklich zugänglich ist. Ich weiß selbst nicht so recht, wie ich das beschreiben und verdeutlichen kann, was es bedeutet, das zu glauben. Es ist eben nicht empirisch, wissenschaftlich oder in der Erfahrung beweisbar. Ich spüre es, aber ich kann nicht mit dem Finger drauf zeigen.

Wie könnte ich auch jemandem, der daran zweifelt, dass es diesen Trost von Gott im Glauben gibt, das verdenken? Ich bin mir ja selbst nicht immer absolut sicher. Es gibt ja auch für Gläubige Zweifel und Fragen – gerade, wenn man viel Leid erlebt, schwere Krankheit oder sich dem Tod gegenüber sieht.

Es gibt aber noch etwas sehr spezielles in dem Text, das mir doch mehr Mut gibt, über den Gott allen Trostes zu sprechen und ihn zu glauben: Im Text ist eine Art Dreiecksbeziehung zwischen Gott, mir und den anderen Christen beschrieben.

Paulus kreist ständig um diese Beziehung: Gott tröstet Paulus, das tröstet die Gemeinde, was wieder Paulus tröstet, weil Gott die Gemeinde in Korinth tröstet. Und so weiter und so fort. Der Gott allen Trostes zeigt sich also tatsächlich spürbar im gegenseitigen Trost zwischen uns Menschen.

Gott gibt mitten im Leid die Kraft andere zu trösten und dadurch wird auch für mich selbst der Trost spürbar.

Meine Frau und ich haben in den letzten Monaten die Schattenseiten der Corona-Pandemie etwas zu spüren bekommen. Meine Frau war zweimal innerhalb eines Vierteljahres an Corona erkrankt. Der Verlauf war zwar nicht so schlimm, aber die Sorgen, die Quarantäne und die Krankheitssymptome waren doch eine große Belastung. Dazu kam die Sorge um unsere Mütter, die nicht angesteckt werden durften. Die Sorge um Spätfolgen wegen einer anderen chronischen Erkrankung und so weiter.

Für mich ist es eine wunderbare Erfahrung, den Trost und Zuspruch von anderen Menschen, Kindern, Freunden, Verwandten zu spüren. Auch war es für mich schön, zu erleben, dass ich unseren Müttern und auch meiner Frau, Trost und Kraft geben konnte. Und ich bin überzeugt davon, dass ich die Kraft dafür durch den Gott allen Trostes bekommen habe.

Das ist nicht beweisbar, aber es ist glaubbar und spürbar. So steht auch für Paulus der Gott allen Trostes hinter unserem menschlichen Trost und hinter der Kraft und der Hoffnung, die wir durch den Glauben an ihn haben.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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