​Kennst Du den ersten Satz der Bibel?

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ So lautet der erste Satz der Bibel. Die ersten drei Worte der Bibel: „Im Anfang schuf…“ klingen im hebräischen Originaltext der Bibel ein wenig wie Brigitte Bardot. Auf Hebräisch heißen sie: Breschit bara…

Konzentrieren wir uns auf die ersten vier Worte: „Im Anfang schuf Gott.“ Auf Hebräisch: Breschit bara Älohim. Es geht mir dabei nicht um die Frage, ob Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen hat oder ob es ein evolutionärer Prozess gewesen ist. Das Wichtigste ist, dass hinter allem in unserem Universum ein Sinn steht. Es war Gottes Wille, der alles entstehen ließ. Es war Gottes Liebe, die alles ins Leben rief, also auch die Menschen, also auch mich, also auch Dich. Das ist das unerschütterliche Fundament meines Lebens.

Das gilt auch in den dunklen Zeiten des Burnouts. Jedenfalls habe ich das damals so erlebt. Als ich erkrankte, war ich zwar kaum noch fähig zu beten, in einen Gottesdienst zu gehen oder mir Gedanken zu einem Bibelext zu machen, geschweige denn eine Predigt zu schreiben und zu halten. Ich war ja kaum noch fähig überhaupt zu glauben. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass es dennoch ein Fundament in meinem Leben gibt, dass auch in dieser Zeit nicht zerbrach.

Um sich immer wieder klarzumachen, dass Gott die Welt und uns Menschen in seiner Hand hält, lohnt sich hin und wieder ein Blick auf den ersten Satz der Bibel, also auf die gute Schöpfung Gottes. Es gibt so viel Schönes in dieser Welt. Die Natur hat so viele spannende, wundervolle, aber auch erstaunliche Dinge zu bieten. Da mag auch einiges dabei sein, was manche Menschen erschreckt und doch ist alles wunderbar geordnet.

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Die Geschichte von der Spinne

Als ich mitten im Burnout feststeckte, habe ich ein kleines Erlebnis mit einer Spinne gehabt. Nichts Besonderes, nichts Aufregendes, aber etwas, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Ich habe es damals aufgeschrieben, weil ich es auf meinem Blog veröffentlichen wollte. Leider hatte ich nie die Kraft dafür. Das möchte ich aber heute nachholen.

Ich habe eigentlich keine ausgeprägte Spinnenphobie. Eher meine ich, dass Spinnen faszinierende Geschöpfe Gottes sind. Wenn ich eine Spinne im Haus entdecke, dann fange ich sie ein und befördere sie an die frische Luft.

Trotzdem finde ich es etwas gruselig, dass ich den Eindruck habe, unsere deutschen Hausspinnen seien in den letzten Jahren immer größer geworden. Jedenfalls saß damals einige Tage lang eine solche „Riesenspinne“ vor meiner Bürotür.

Zuerst habe ich nur gedacht: Lass sie einfach in Ruhe (zu viel mehr hatte ich auch gar nicht die Kraft). Dann schaute ich mir diese Spinne noch einmal genauer an und dachte: Was guckst du mit deinen acht Augen? – Haben Spinnen eigentlich wirklich acht Augen? Natürlich blieb die Spinne einfach seelenruhig in ihrem Netz sitzen. Ich konnte keine sichtbare Bewegung feststellen. Stundenlang saß sie dort und schaute mit ihren vielen Augen in die Welt.

Spinnen Spinnen eigentlich?

Später habe ich mir Gedanken darüber gemacht, ob diese Spinne vielleicht „anders“ ist als andere. Vielleicht ist sie ja depressiv. Warum sonst sitzt sie stundenlang an einem Fleck? Diese Spinne spinnt nicht mal! Aber ein bisschen spinnert scheint sie schon zu sein. Zumindest von außen betrachtet könnte man das meinen. Selbstverständlich wartete sie eigentlich nur auf Beute.

Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, die Spinne gefangen zu nehmen. Nach einiger Zeit habe ich es dann doch geschafft, mich aufzuraffen: Glas drüber, fertig.

Von wegen: fertig. Was nun? Wenn man selbst etwas spinnert ist und an einer Erschöpfungsdepression leidet, dann ist das gar nicht so leicht, den selbstverständlichen nächsten Schritt zu tun. Auch wenn es nur darum ging, die Spinne mit dem Glas nach draußen zu bringen. Das war schon zu viel.

Zwei Tage bin ich immer wieder an der im Glas gefangenen Spinne vorbeigelaufen und habe gedacht: Irgendwann muss ich das Vieh mal nach draußen in die Freiheit entlassen. Töten kommt nicht in Frage! Sie ist immerhin eine gute Schöpfung Gottes – daran erinnerte mich der erste Satz der Bibel. Doch es fehlte mir einfach die Kraft.

Endlich! Nach über zwei Tagen habe ich mir gedacht: Dot orm Dejer (auf hochdeutsch: Das arme Tier), es wird noch verhungern. Das ist ja inhuman! Also habe ich doch noch die Kraft gefunden und der Spinne die Freiheit in unserem Pfarrgarten gegeben.

Das beste Mittel, glücklich zu werden, ist, wie eine Spinne aus sich heraus nach allen Seiten ein Netz aus Liebe zu spinnen und mit dessen klebrigen Fäden alles einzufangen, was des Weges kommt. Leo Tolstoi

Spinnen an Burnout Erkrankte eigentlich?

Vielleicht meinen manche, dass zumindest ich ein wenig spinnert gewesen bin. Dennoch erscheinen mir meine Gedanken von damals immer noch passend. Ging es mir doch damals genauso. Viele Menschen denken heute immer noch, dass sich psychisch Erkrankte doch nur etwas zusammenreißen sollten, dann würde es schon wieder gehen.

Manche meinen, Leute mit Depression oder Burnout sind doch etwas “spinnert” und sitzen einfach nur rum. Doch so einfach ist es nicht. Ich habe damals zwar nicht wie die Spinne auf Beute gewartet, aber ich konnte nicht mehr, als nur darauf warten, dass etwas besser wird. Ich hatte schlicht keine Kraft – nicht mal dazu, mich “zusammenzureißen.”

Für mich war damals der Gedanke eine große Hilfe, dass Gott seine Welt und seine Geschöpfe nicht loslässt. Es gibt einen grundlegenden Sinn in allem, auch wenn ich ihn gerade nicht erkennen kann. Wieder sagte mir der erste Satz der Bibel: Die Liebe des Schöpfers bleibt – zu der uns manchmal so unangenehmen Spinne genauso wie zu uns manchmal so spinnerten Menschen.

Das ist ein Fundament, das immer tragen kann. Es trägt in den guten und schönen Zeiten des Leben und es trägt auch noch, wenn das Leben durch ein finsteres Tal geht.

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Spinnen haben Geduld

Spinnen werden auch symbolhaft verschiedene Werte zugeschrieben. Natürlich gehört dazu viel Negatives, aber auch von einer positiven Seite kann man das sehen. Ich möchte mich auf drei Punkte konzentrieren, die mir für den Umgang mit Burnout und Depression interessant erscheinen.

1. Wir haben dem Wort “spinnen” ja eine eher negative übertragene Bedeutung gegeben. In diesem Sinne habe ich das Wort in diesem Beitrag mehrfach benutzt. Wenn ein Mensch “spinnt”, dann ist er nicht ganz normal. Im konkreten Sinn ist “spinnen” aber ein positives Wort. Die Netze, die von Spinnen gesponnen werden, gelten in Indien sogar als Sinnbild für die kosmische Ordnung. Damit wären wir ja auch in unserem christlichen Verständnis wieder bei der Schöpfung Gottes.

2. Außerdem gilt das Netz der Spinne als kunstvoll und kreativ. Nicht umsonst ist es in der Burnout-Therapie sehr hilfreich, wenn es dem Erkrankten gelingt, kreativ tätig zu werden. Kreativ heißt übrigens auf Deutsch übersetzt: schöpferisch. Ich finde, das ist ein tolles Wortspiel. Es lohnt sich, darüber mal nachzudenken.

3. Die Spinne ist ein Sinnbild für Geduld und Beharrlichkeit. Wie ich es damals selbst erlebt habe, sitzen Spinnen oft schier ewig reglos im Netz und warten auf Beute. Nur durch diese “Geduld” kommen sie schließlich zum Ziel. Wenn sich die Spinne zu früh bewegt oder ungeduldig würde, dann wäre die Beute gewarnt und würde wohl davonkommen. Auch ein Patient mit Burnout muss Geduld haben. Es dauert einfach seine Zeit, bis die Therapie Erfolg zeigt.

Wenn Du von Burnout oder anderen psychischen Erkrankungen betroffen bist, dann wünsche ich Dir, dass Du zumindest das Fundament nicht verlierst. Mit Kreativität und Geduld wirst Du wieder einen guten Weg finden. Ich kann heute rückblickend sagen: Es lohnt sich, nicht aufzugeben.

Denk immer daran, was der erste Satz der Bibel sagt: Breschit bara… Ja, im Anfang schuf Gott auch die Spinner – Entschuldigung, ich meine natürlich, die Spinnen.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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