Burnout Symptome erkennen ist schwierig

Welche Burnout Symptome gibt es eigentlich? Woran erkennt man Burnout? Wie unterscheidet sich Burnout von anderen Erkrankungen?

Burisch listet über 130 einzelne Symptome auf (Burisch, Das Burnout-Syndrom, Seite 25f). Daran erkennt man leicht, wie schwierig es ist diese Erkrankung eindeutig abzugrenzen. Es gibt keine eindeutigen Symptome. Letztlich ist die Diagnose auf das Gesamtbild angewiesen. Dazu ist es wichtig, dass die Abklärung in Absprache mit den beteiligten Ärzten (Hausarzt, Psychiater oder/und Psychologe) erfolgt.

„Burnout ist wie Pornographie – ich bin nicht sicher, ob ich es definieren kann, aber wenn ich es sehe, weiß ich, was es ist.Richard Bolles(zitiert bei Burisch, Das Burnout-Syndrom, Seite 15).

Achtung bei Burnout Anzeichen

Burnout entwickelt sich langsam, deshalb merkt es der Betroffene selbst nicht so einfach. Es stellt sich vielleicht ein unbestimmtes Gefühl ein, dass etwas nicht stimmt. Angehörige, Freunde oder Kollegen stellen möglicherweise Veränderungen im Verhalten oder Charakter fest. Aber leider ist der Weg ins Burnout meist schon weit fortgeschritten, bis die deutlichen Anzeichen des Burnouts nicht mehr zu übersehen sind.

Je früher Burnout erkannt wird, umso besser kann gegengesteuert werden. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig bei Anzeichen zum Arzt zu gehen und mit ihm/ihr darüber zu sprechen. Viele trauen sich das nicht. Oft hört man von anderen Menschen (oder auch von der eigenen inneren Stimme) Sätze wie:

„Das geht schon vorbei!“
„Reiß dich mal zusammen!“
„Stell dich nicht so an!“
„Wenn ich erst mal diese eine Aufgabe hinter mir habe, dann wird alles besser.“

„Die Symptome bauen sich langsam auf und bei jedem Menschen in unterschiedlicher Intensität, Geschwindigkeit und Verhältnismäßigkeit der einzelnen Erscheinungsformen. Dies macht es so schwierig die Krankheit zu erkennen – wenn die Diagnose gestellt wird, leidet der Patient bereits sehr und ist in seiner psychischen Verfassung und Belastbarkeit erheblich eingeschränkt. Dies wiederum verstärkt das Burnout noch: ein Teufelskreis.“ http://www.burn-out-erholung.com/burnout-symptome/

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​Beispiele für Burnout Symptome

Viele Symptome des Burnouts betreffen die Psyche. Meist beginnt Weg mit einem überhöhten Einsatz für die Arbeit, aber auch in anderen Zusammenhängen (Familie, Verein …). Die eigenen Bedürfnisse werden zurückgestellt, die Freizeit gibt keinen Ausgleich mehr, man kann nicht mehr abschalten.

Ständige Müdigkeit stellt sich ein, die bis zur chronischen Erschöpfung führen kann.

Die Arbeit macht keine Freude mehr, es kann zu Konflikten mit Kollegen, Chef, Familie kommen. Soziale Kontakte werden seltener und anstrengender empfunden. Kreativität geht verloren.

Schließlich kommt es zu depressiven Phasen, die sich zu einer „echten“ Depression auswachsen können.

Allerdings gibt es auch körperliche Auswirkungen und Symptome. Leider werden diese nicht immer mit Burnout in Verbindung gebracht. Wenn sich Schlafstörungen zeigen, Herzklopfen, Atembeschwerden, Rückenschmerzen (oder andere Arten von Schmerzen), Magen-Darm-Probleme oder auch vermehrter „Genussmittelkonsum“ (mehr Alkohol, Nikotin, Kaffee …), dann sollte man hellhörig werden.

Manchmal sind auch Ursache und Wirkung nicht eindeutig voneinander abzugrenzen. Dies habe ich selbst erlebt. Normalerweise werden Schlafstörungen als Symptom des Burnout-Syndroms angenommen. Bei mir war es aber genau umgekehrt. Es wurde ein Schlafapnoe festgestellt, die bereits körperlich und psychisch zu einer extrem hohen Belastung geführt hatte. Dadurch wurde die Belastbarkeit reduziert und der Teufelskreis zum Burnout drehte sich immer unaufhaltsamer.

Also auch bei körperlichen Erkrankungen immer darauf achten, wie sehr sich diese auf die alltägliche Leistungsfähigkeit auswirken.

Natürlich sollten vor einer endgültigen Diagnose von Burnout Alternativerkrankungen, die vergleichbare Symptome auslösen können, mit dem Arzt abgeklärt werden, wie zum Beispiel:

Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS), Fibromyalgie, Depression, Anpassungsstörungen, Alkoholmissbrauch, Angststörungen, Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankungen, Mangelsyndrome (z.B. Eisenmangel).

Übersicht der Burnout Symptome

Dies ist eine sehr umfassende Aufzählung von Burnout Symptomen. Es gibt kaum ein Symptom, das nicht auch im Zusammenhang mit Burnout beschrieben wird. Aus dieser Aufzählung lässt sich deshalb auch kaum eine Definition des Burnout-Syndroms ableiten.

Burisch selbst schreibt: „Der Sinn dieser Zusammenstellung ist ein erster, umfassender Überblick, der sowohl „Wald“ als auch „Bäume“ erkennen lässt.“ (a.a.O. Seite 25) Ich habe während meiner Therapiephase erlebt, dass offensichtlich auch einige Ärzte und Psychologen den „Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ können.

Wichtig ist, zu erkennen, dass nicht jeder Betroffene alle Symptome aufweist. Wenn du allerdings einige dieser Anzeichen bei dir entdeckst, die du früher nicht gehabt hast, dann ist es wohl an der Zeit einen Arzt oder Psychologen zu besuchen.

Burnout Symptome nach Burisch

Hier nun die Liste der Burnout Symptome aus Burisch, Matthias, Das Burnout-Syndrom. Theorie der inneren Erschöpfung, Springer-Verlag Berlin Heidelberg, New York, 4. Auflage 2010, S. 18f.

1. Warnsymptome der Anfangsphase

a) Überhöhter Energieeinsatz

  • Hyperaktivität
  • Freiwillige unbezahlte Mehrarbeit
  • Gefühl der Unentbehrlichkeit
  • Gefühl, nie Zeit zu haben
  • Verleugnung eigener Bedürfnisse
  • Verdrängung von Misserfolgen und Enttäuschungen
  • Beschränkung sozialer Kontakte auf Klienten

b) Erschöpfung

  • Nicht Abschalten können
  • Energiemangel
  • Unausgeschlafenheit
  • Erhöhte Unfallgefahr

2. Reduziertes Engagement

a) Für Klienten, Patienten etc.

  • Desillusionierung
  • Verlust positiver Gefühle gegenüber Klienten
  • Größere Distanz zu Klienten
  • Meidung von Kontakt mit Klienten und/oder Kollegen
  • Aufmerksamkeitsstörungen in der Interaktion mit Klienten
  • Verschiebung des Schwergewichts von Hilfe auf Beaufsichtigung
  • Schuldzuweisung für Probleme an Klienten
  • Höhere Akzeptanz von Kontrollmitteln wie Strafen oder Tranquilizern
  • Stereotypisierung von Klienten, Kunden, Schülern etc.
  • Betonung von Fachjargon
  • Dehumanisierung

b) Für andere allgemein

  • Unfähigkeit zu geben
  • Kälte
  • Verlust der Empathie
  • Verständnislosigkeit
  • Schwierigkeiten, anderen zuzuhören
  • Zynismus

c) Für die Arbeit

  • Verlust von Idealismus
  • Desillusionierung
  • Negative Einstellung zur Arbeit
  • Widerwillen und Überdruss
  • Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen
  • Ständiges Auf-die-Uhr-sehen
  • Fluchtphantasien
  • Tagträumen
  • Überziehen von Arbeitspausen
  • Verspäteter Arbeitsbeginn
  • Vorverlegter Arbeitsschluss
  • Fehlzeiten
  • Verlagerung des Schwergewichts auf die Freizeit, Aufblühen am Wochenende
  • Höheres Gewicht materieller Bedingungen für die Arbeitszufriedenheit

d) Erhöhte Ansprüche

  • Konzentration auf die eigenen Ansprüche
  • Gefühl mangelnder Anerkennung
  • Gefühl, ausgebeutet zu werden
  • Eifersucht
  • Familienprobleme
  • Konflikte mit den eigenen Kindern

3. Emotionale Reaktionen; Schuldzuweisung

a) Depression

  • Schuldgefühle
  • Reduzierte Selbstachtung
  • Insuffizienzgefühle
  • Gedankenverlorenheit
  • Selbstmitleid
  • Humorlosigkeit
  • Unbestimmte Angst und Nervosität
  • Abrupte Stimmungsschwankungen
  • Verringerte emotionale Belastbarkeit
  • Bitterkeit
  • Abstumpfung, Gefühl von Abgestorbensein und Leere
  • Schwächegefühl
  • Neigung zum Weinen
  • Ruhelosigkeit
  • Gefühl des Festgefahrenseins
  • Hilflosigkeits-, Ohnmachtsgefühle
  • Pessimismus, Fatalismus
  • Apathie
  • Selbstmordgedanken

b) Aggression

  • Schuldzuweisung an andere oder „das System“
  • Vorwürfe an andere
  • Verleugnung der Eigenbeteiligung
  • Ungeduld
  • Launenhaftigkeit
  • Intoleranz
  • Kompromissunfähigkeit
  • Nörgeleien
  • Negativismus
  • Reizbarkeit
  • Ärger und Ressentiments
  • Defensive/paranoide Einstellungen
  • Misstrauen
  • Häufige Konflikte mit anderen

4. Abbau

a) der kognitiven Leistungsfähigkeit

  • Konzentrations- und Gedächtnisschwäche
  • Unfähigkeit zu komplexen Aufgaben
  • Ungenauigkeit
  • Desorganisation
  • Entscheidungsunfähigkeit
  • Unfähigkeit zu klaren Anweisungen

b) der Motivation

  • Verringerte Initiative
  • Verringerte Produktivität
  • Dienst nach Vorschrift

c) der Kreativität

  • Verringerte Phantasie
  • Verringerte Flexibilität

d) Entdifferenzierung

  • Rigides Schwarzweißdenken
  • Widerstand gegen Veränderungen aller Art

5. Verflachung

a) des emotionalen Lebens

  • Verflachung gefühlsmäßiger Reaktionen
  • Gleichgültigkeit

b) des sozialen Lebens

  • Weniger persönliche Anteilnahme an anderen oder exzessive Bindungen an einzelne
  • Meidung informeller Kontakte
  • Suche nach interessanteren Kontakten
  • Meidung von Gesprächen über die eigene Arbeit
  • Eigenbröteleien
  • Mit sich selbst beschäftigt sein
  • Einsamkeit

c) des geistigen Lebens

  • Aufgeben von Hobbys
  • Desinteresse
  • Langeweile

6. Psychosomatische Reaktionen

  • Schwächung der Immunreaktion
  • Schlafstörungen
  • Albträume
  • Sexuelle Probleme
  • Gerötetes Gesicht
  • Herzklopfen
  • Engegefühl in der Brust
  • Atembeschwerden
  • Beschleunigter Puls
  • Erhöhter Blutdruck
  • Muskelverspannungen
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Nervöse Tics
  • Verdauungsstörungen
  • Übelkeit
  • Magen-Darm-Geschwüre
  • Gewichtsveränderungen
  • Veränderte Essgewohnheiten
  • Mehr Alkohol/Kaffee/Tabak/andere Drogen

7. Verzweiflung

  • Negative Einstellung zum Leben
  • Hoffnungslosigkeit
  • Gefühl der Sinnlosigkeit
  • Selbstmordabsichten
  • Existentielle Verzweiflung

Diese Liste ist extrem lang und erschlägt einen fast. Trotzdem hilft sie, genauer hinzuschauen. Wenn Du aber einige der Burnout Symptome bei Dir erkennst und das Gefühl hast, es muss sich was ändern, dann such Dir Hilfe! Ich wünsche dir, dass du einen guten Therapeuten findest!

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​Burnout – die neue Volkserkrankung?

Obwohl es in den letzten Jahren einen regelrechten Hype um das Burnout-Syndrom gegeben hat und es anscheinend zur Volkskrankheit Nr. 1 wird, bin ich der Meinung:

Burnout wird nicht ernst genug genommen.

Man weiß immer noch viel zu wenig darüber – auch viele Ärzte! Es gibt außerdem gerade in der Selbsthilfeliteratur viel zu viel Halbwissen und Scharlatanerie! Es ist dringend nötig, ernsthaft über Burnout aufzuklären und auch die Forschung zu intensivieren. Hier sind andere Länder (z.B. Österreich, Holland) deutlich weiter als Deutschland.

Andererseits bin ich aber auch der Meinung:

Burnout wird zu ernst genommen.

Nicht alles, was heutzutage als Burnout bezeichnet wird, ist es auch! Häufig dient der Begriff einfach zur Verschleierung einer Depression. Es hört sich einfach besser an. Das Problem ist aber, dass dadurch die wirklich an Burnout erkrankten Menschen nicht mehr so ernst genommen werden, wie es nötig wäre. Echte Hilfe ist nur möglich, wenn die Diagnose klar ist.

Also: Lasst uns darauf achten, nicht alles als Burnout zu bezeichnen, aber ein echtes Burnout so ernst nehmen, wie es das Leiden der Betroffenen nötig macht!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe