Trinitatis – ein Ideenfest

Die Trinität, also die Dreieinigkeit Gottes, ist das Thema des Sonntags Trinitatis, der daher auch seinen Namen hat. Trinitatis ist der Sonntag nach dem Pfingstfest und der Auftakt einer ganzen Reihe von bis zu 24 Sonntagen die jeweils den Namen „Sonntag nach Trinitatis“ tragen und durchnummeriert werden.

Der christliche Glaube an den dreieinen Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist – ist einmalig unter den Religionen der Welt. Deshalb macht es Sinn, sich zumindest einmal im Jahr mit dem Thema der Trinität zu beschäftigen. Trinitatis ist ein sogenanntes Ideenfest, weil es um die „Idee“, den Gedanken geht und das Fest nicht auf ein Ereignis zurückgeht. Die meisten Feste des Kirchenjahres beruhen auf einer biblischen Geschichte, wie Weihnachten (Geburt Jesu) oder Ostern (Auferstehung Jesu). An Trinitatis geht es aber um ein Thema des christlichen Glaubens.

Das Christentum gehört zu den drei monotheistischen Religionen der Welt – Judentum, Islam und Christentum. Diese drei Religionen glauben an einen einzigen Gott. Wie ist aber dann zu verstehen, dass wir Christen und Christinnen von der Trinität (gleichbedeutende Bezeichnungen sind Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit) sprechen? Ein Gott, keine drei Götter, aber Vater, Sohn und Heiliger Geist; wie kann das gehen?

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​Trinität – eine Idee?

Als Christen berufen wir uns für unseren Glauben auf die Heilige Schrift. Die Lehre von der Trinität ist allerdings in der Bibel nicht ausdrücklich genannt. Sie wird zwar hier und da angedeutet, aber nicht ausführlich erläutert.

  • Im Gespräch Jesu mit dem jüdischen Gelehrten Nikodemus in Johannes 3,1-21 wird die Trinität angedeutet. Jesus bezeichnet sich als Sohn Gottes, der von Gott gekommen ist und redet von der Kraft des Geistes, der wie der Wind weht wo er will.
  • Im Taufbefehl in Matthäus 28,19 wird die Taufformel in trinitarischer Weise genannt: Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
  • Paulus schließt seinen zweiten Brief an die Korinther mit den Worten (2. Korinther 13,13): Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!
  • Weitere Stellen, aus denen die Trinität gefolgert werden kann sind zum Beispiel: 1. Korinther 12,4–6 und Epheser 1,3–14.

Ausgehend von diesen biblischen Belegen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine rege Diskussion in der frühen Christenheit, wie genau das zu verstehen sei. Ich erspare Dir hier eine detaillierte Darstellung mit all den dafür nötigen Fachbegriffen wie: Hypostasen, Substanzen, Emmanation, Arianismus, Adoptianismus, Doketismus und viele andere mehr. Zur Entwicklung der Trinitätslehre nur ein paar Eckdaten:

Vermutlich war der Theologe Tertullian in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrunderts nach Christus der erste, der den Begriff Trinität benutzte (natürlich auf Latein: trinitas). In den ersten Jahrunderten gab es viel Streit um diesen Punkt:

  • Ist Jesus Gott oder Mensch oder beides und wie ist das zu verstehen?
  • Sind Jesus und der Heilige Geist dem Vater untergeordnet oder gleichrangig?
  • Ist der Heilige Geist Gott oder geschaffen?
  • Ist der Heilige Geist Jesus und dem Vater untergeordnet?
  • Wie genau ist das Verhältnis zwischen Vater, Sohn und Heiligem Geist zu verstehen?
  • Wie ist die Einheit Gottes sicherzustellen?

Schließlich kam es auf dem Konzil in Konstantinopel, im Jahr 381, zu einer Einigung, die heute noch von fast allen christlichen Kirchen anerkannt wird. In dem dort formulierten Nizäno-Konstantinopolitanischen Glaubensbekenntnis werden Vater, Sohn und Heiliger Geist als gleichrangig einander zugeordnet und die Einheit in der Dreiheit festgehalten. Da die Trinität Gottes nun wirklich nicht leicht – wenn überhaupt – zu verstehen ist, gab es aber auch danach immer wieder Streit um das genaue Verständnis und das ist bis heute so geblieben.

Trinitatis als Festtag am ersten Sonntag nach Pfingsten wurde erst 1334 von Johannes XXII. für die ganze Kirche verbindlich festgelegt. Auch die Evangelische Kirche der Reformation hat diesen Feiertag übernommen.

Gott ist (in) Beziehung

Wenn das alles so kompliziert ist und sich seit fast 2000 Jahren die Theologen darüber den Kopf zerbrechen, wie können wir dann heute überhaupt einen Zugang zur Trinitätslehre finden? Für mich persönlich gibt es vor allem drei Möglichkeiten, sich dem Thema zu nähern.

Der erste Zugang ist der Satz: Wir glauben an den einen Gott, der sich uns auf unterschiedliche Weise zu erkennen gibt. Der eine Gott ist für uns wie ein guter Vater, der seine Kinder liebt und für sie sorgt. Darum hat er die Welt erschaffen, auf der wir leben können – der Vater ist der Schöpfer und erhält seine Welt. Der eine Gott will aus Liebe eine Beziehung zu seinen Menschen. Deshalb ist er in dem Sohn, Jesus Christus, als Mensch in die Welt gekommen. Nicht als Gottmensch wie die griechischen Helden, sondern ganz konkret – geboren im Stall zu Bethlehem, lebte ein Leben mit Feiern und Leiden und starb den Tod eines Menschen. Der eine Gott will uns auch im Leben begleiten, auch heut noch. Das ist der Heilige Geist, der in uns ist, uns tröstet, auf guten Wegen führt und uns die Liebe Gottes spüren lässt.

Eine zweite Möglichkeit, ist ein Ausdruck von Kurt Marti, einem evangelischen Pfarrer und Dichter, der von einer „geselligen Gottheit“ redet. Das ist ein ungewöhnlicher Gedanke und vielleicht gerade deshalb dazu geeignet, unsere Vorstellung von Gott weniger abstrakt zu machen. Gott ist gesellig mit sich selbst als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Die Trinität ist Beziehung und Gemeinschaft in sich selbst. Weil Beziehung zum Wesen des einen Gottes gehört, will er auch in Beziehung zu uns Menschen stehen. Er liebt uns und will von uns geliebt werden. So könnte man auch sagen: Gott ist Liebe – in sich und mit uns.

„So abstrakt die Rede von einem dreifaltigen und doch einen Gott auch sein mag – ihr geht es um einen, ja um den zentralen Gedanken des christlichen Glaubens: Der Schöpfer des Himmels und der Erde, der unser Begreifen unendlich übersteigt, ist zugleich derjenige, der uns unendlich nahe gekommen ist in einem Menschen – und der uns auf geistliche Weise unendlich nahe bleibt.“ aus: Gottesdienstbuch unter Trinitatis.

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Unbegreiflicher Gott

Mit all dem, was ich jetzt beschrieben habe, können wir aber Gott dennoch nicht wirklich erfassen. Gott ist immer mehr als wir denken können – sonst wäre er nicht Gott. Die Trinität ist kaum logisch zu erklären. Viele Theologen und Theologinnen haben im Laufe der Jahrunderte noch einen ganz anderen Weg gefunden um dem Geheimnis der Trinität näher zu kommen. Sie meditierten über Gottes Dreieinigkeit. Vielleicht ist das meditierende Nachdenken über Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist ja auch für Dich eine Möglichkeit.

Eine weitere Art und Weise die Trinität zu beschreiben besteht nicht aus Worten, sondern in Bildern und mit Symbolen. Auch das haben Menschen zu allen Zeiten immer wieder versucht. Hier ein paar Beispiele:

Am bekanntesten ist wohl das Dreieck mit dem Auge in der Mitte. Das Auge ist ein Symbol für Gott und das Dreieck für die Trinität. In der östlichen Kirche, der Orthodoxie gibt es eine Tradition, in der eine dreifache Kerze, die sich in der Mitte überkreuzt, die Dreieinigkeit symbolisiert. Als Analogien für die Trinität gilt der Baum, der aus Wurzeln, dem Stamm und den Zweigen besteht, aber doch nur ein Baum ist. Auch der Mensch als Körper, Seele und Geist gilt als Vergleich.

Wie auch immer wir darüber denken, unser Wissen über Gott wird immer Stückwerk bleiben. Es ist eine Lebensaufgabe, immer wieder neu darüber nachzudenken und vor allem dem Wesen Gottes nachzuspüren. Dem Wesen Gottes, das Liebe ist.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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