Dieser Beitrag „Verschwendung“ erscheint in der Reihe „An-ge-dacht“, in der ich täglich Gedanken zu einer Perikope des jeweiligen Sonntags schreibe. Weitere Informationen darüber und eine Übersicht aller bisher erschienenen Beiträge findest Du hier: An-ge-dacht.

Lesung II, Palmsonntag

Markus 14,(1–2)3–9

1 Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der Ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List ergreifen und töten könnten.
2 Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.
4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls?
5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.
6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.
7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit.
8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.
9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

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Verschwendung, Palmsonntag, Lesung II, Markus 14,(1–2)3–9

Luxus, Verschwendung – und das bei Jesus. Das kann doch wohl nicht wahr sein. Dann auch noch Jesu Freude, die Jünger: Man sollte meinen, das wäre eine moderne Einstellung, immer nur nach dem Geld zu schauen. Die Jünger machen es aber genauso. Sie sehen nur auf den finanziellen Nutzen.

Irgendwie habe ich den Eindruck, ich selbst sehe mich in dieser Geschichte zwischen allen Stühlen. Diese Verschwendung des teuren Öls für keinen nachhaltigen Zweck; das kann ich nicht wirklich gutheißen. Andererseits ist mir die Einstellung der Jünger auch zu kapitalistisch; man kann doch nicht alles nach einem Geldwert beurteilen.

Es gibt noch einen kleinen Nebenaspekt in dieser Geschichte, der für die damalige Zeit wirklich außergewöhnlich war. Vielleicht fällt uns das heute in der Coronazeit ganz besonders auf. Die Szene spielt im Haus eines Aussätzigen. Hatte Jesus denn gar keine Angst, sich anzustecken? War das nicht verantwortungslos? Außerdem waren Aussätzige aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Mit so jemandem hatte man schlicht keinen Umgang.

Natürlich verstehe ich die theologische Aussage all dessen. Die Salbung Jesu durch die Frau bezieht Jesus auf seinen bevorstehenden Tod, der für die anderen noch überhaupt nicht im Blick ist. Die Frau hat damit also Anteil an der Geschichte des Heils Gottes in Jesus.

Die Frage der Armut rückt auch in den Blick. Die Fürsorge für Bedürftige ist den Jüngern selbstverständlich aufgetragen. Daran ändert auch nichts, dass Jesus hier diese Verschwendung gutheißt.

Damit ist auch die Frage nach dem Umgang mit Geld und Reichtum gestellt. Rechtfertig Jesus hier die Verschwendung und den Luxus der Superreichen? Nein, darum geht es nicht. Margot Käßmann hat es in einer Andacht so ausgedrückt: Es geht um eine Freiheit, die sich nicht durch Geld und Erfolg definiert. https://chrismon.evangelisch.de/das-wort/freiheit-laesst-sich-nicht-nach-einem-kosten-nutzen-kalkuel-ermessen-entscheidend-ist-ein-v

Dass Jesus Gemeinschaft mit den Aussätzigen und anderen gesellschaftlichen Randgruppen pflegt hat auch programmatischen Charakter. Jesus nimmt alle mit hinein in die Gemeinschaft Gottes. Keiner muss außen stehenbleiben. Auch das ist ein Vorbild für seine Nachfolger.

Das alles hört sich ja gut und richtig an und ist uns Christen und Christinnen durchaus bekannt. Trotzdem bleibt mir die Geschichte von der Verschwendung des Salböls merkwürdig fremd. Was soll ich nun tun als jemand, der diesem Jesus nachfolgen möchte? Verkaufe ich alles, was ich habe und gebe es den Armen? Oder ist es okay, auch die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen?

Vor wenigen Tagen habe ich einen Beitrag gelesen, in dem es um genau diese Frage ging. Der Autor Eduard Fassel fragt, ob es nicht sinnvoll wäre, eine „abgestufte“ Form von Nachfolge zu entwickeln. Das sei zwar nicht optimal, aber besser, als wenn wir vor dem ungheuer hohen Anspruch, den Jesus stellt, resignieren und dann die Nachfolge ganz aufgeben. Der Beitrag ist lesens- und bedenkenswert: https://integrales-christsein.blog/2021/03/27/warum-christliche-ideale-verwassert-werden/

Ich kann diese Frage auch für mich selbst nicht endgültig lösen. Trotzdem bleiben auch aus dieser Geschichte von der „Verschwendung“ des Salböls einige Punkte, die ich als Aufgabe an mich selbst sehen möchte:

  1. Schließe Außenseiter nicht aus. Begegne jedem als einem von Gott geliebten Menschen.
  2. Betrachte Geld und Wohlstand nicht als Selbstzweck. Gib großzügig und ohne Berechnung.
  3. Genieße das Leben, das Dir Gott gegeben hat, trotz allem, was es schwierig macht.
  4. Denke immer wieder neu darüber nach, wie Nachfolge Jesu im Leben aussehen kann.

Vielleicht ist das ja auch für Dich eine Möglichkeit, Dein Leben auf Gott und den Nächsten auszurichten und Dich selbst dabei nicht zu vergessen. Bleiben wir uns dennoch bewusst, dass wir nie alles perfekt und immer wieder auch Fehler machen können.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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