Dieser Beitrag „Definition von Glaube“ erscheint in der Reihe „An-ge-dacht“, in der ich täglich Gedanken zu einer Perikope des jeweiligen Sonntags schreibe. Weitere Informationen darüber und eine Übersicht aller bisher erschienenen Beiträge findest Du hier: An-ge-dacht.

Lesung III, Palmsonntag

Hebräer 11, 1–2(8–12.39–40); 12 ,1–3

11, 1 Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.
2 In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.

8 Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.
9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.
10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.
11 Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte.
12 Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählig ist.
39 Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt,
40 weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden.

12, 1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,
2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.
3 Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Den Text auf die-bibel.de lesen: hier klicken!

Definition von Glaube, Palmsonntag, Lesung III, Hebräer 11,1–2(8–12.39–40);12 ,1–3

Immer wieder wird Hebräer 11 als Definition von Glaube genannt. Es stimmt schon, dass es kaum einen ausführlicheren Text über den Glauben in der Bibel gibt, als hier. Und der Vers 1 wird immer und immer wieder dazu zitiert: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“

Eine persönliche Anmerkung: Ich veröffentliche diesen Text einen Tag zu spät, datiere ihn aber auf gestern, weil es die gestrige Lesung in meinem System ist. Warum tue ich das? Weil es mir gestern gesundheitlich nicht gut ging und ich es einfach nicht geschafft habe. Das gehört eben auch zu einem „normalen Leben“. Nicht alles schaffen, kommt vor. Deshalb wird dieser Beitrag auch heute nicht so ausführlich, aber ich möchte Dir doch ein paar Gedanken nachliefern.

Auch wenn Hebräer 11,1 oft als Definition des Glaubens benannt wird, bleibt er doch merkwürdig unbestimmt. Was ist denn das, auf das wir hoffen? Was ist denn das, was wir nicht sehen? Ich habe mal in anderen Übersetzungen nachgeschaut:

Zuversicht (Luther), Verwirklichung (Rev. Elberfelder), Feststehen (Einheitsübersetzung)
Nichtzweifeln (Luther), Überführtsein von Dingen (Rev. Elberfelder), Überzeugt sein von Dingen (Einheitsübersetzung), Überführtsein von Wirklichkeiten (Neue evangelistische Übersetzung)

Das sind alles Möglichkeiten, wie der griechische Text übersetzt werden kann. Ich finde, es lohnt sich, darüber mal nachzudenken.

Aber nirgendwo wird spezifiziert, was der Inhalt des Glaubens ist. Interessant ist, dass in dem Vers 3, der im Lesungstext ausgelassen wird, als erstes die Schöpfung genannt ist: „Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.“

Die geschaffene Welt ist die Grundlage des Lebens und zu erkennen, dass Gott der Schöpfer ist, ist die Grundlage des Glaubens. Im weiteren Verlauf des Kapitels werden immer neue Abschnitte eingeleitet mit „durch den Glauben“ und dann verschiedene Beispiele und Vorbilder genannt. Leider sind auch hier einige Abschnitte im Lesungstext ausgelassen. Es lohnt sich mal genauer reinzuschauen.

Was wird da alles genannt als Vorbild im Glauben: Vertrauen gegen den Schein (Abraham), Gott führt durchs Leben (Josef), Freiheit statt Sklaverei (Mose), Gerechtigkeit üben, wieder zu Kräften kommen, durch Leid zum erfüllten Leben. Und noch viel mehr kann von den Zeugen des Glaubens aufgeführt werden.

Schließlich führt das alles zu den Versen am Anfang von Kapitel 12: Jesus ist der Anfänger und Vollender des Glaubens am Kreuz. Darum schauen wir auf, erheben den Kopf, blicken nach vorn. In Jesus ist der Inhalt des Glaubens vollständig.

Es geht also wohl weniger um eine Definition von Glaube, als darum, den Glauben zu leben. Wo und wie drückt sich der Glaube bei mir aus? Dazu noch eine andere Übersetzung des zentralen Satzes von der Definition von Glaube in der Guten Nachricht Übersetzung:

„Glauben heißt Vertrauen, und im Vertrauen bezeugt sich die Wirklichkeit dessen, worauf wir hoffen. Das, was wir jetzt noch nicht sehen: im Vertrauen beweist es sich selbst.“

Ich habe auch eine Predigt zu diesem Lesungstext veröffentlicht: Predigt Palmsonntag Hebräer 11.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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