​Wochenspruch Nikolaustag

Der Wochenspruch Nikolaustag steht in Matthäus 5,7:

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Barmherzig sein, Barmherzigkeit – das sind Worte aus der „Kirchensprache“, die heute im Alltag nur selten benutzt werden. Hin und wieder hört man vielleicht: „Jetzt sei doch mal etwas barmherzig!“, wenn jemand allzu hart auftritt. Am meisten wird wohl noch das Gegenteil benutzt: „Der ist aber unbarmherzig!“

Am Nikolaustag beschäftigt sich der Wochenspruch mit der Barmherzigkeit und das Thema dieses Tages ist: Nikolaus als Vorbild der Barmherzigkeit. Also denken wir mal über Barmherzigkeit und den Zusammenhang mit den Seligpreisungen Jesu nach, zu denen der Spruch gehört.

:
Bibel im Kirchenjahr

Dieser Beitrag steht im Themenbereich Bibel im Kirchenjahr.

>
Kirchenjahr
F
Spiritualität

Kirchenjahr gehört mit Kirche und Bibel zum Bereich Spiritualität.

R
Übersicht

Infos über alle Themen meines Blogs findest Du auf der Übersichtsseite.

​Der Heilige Nikolaus

Ein Mann hatte drei Töchter, aber er war sehr arm. Er konnte nicht für seine Töchter sorgen und wollte sie deshalb schweren Herzens in ein Freudenhaus schicken, damit sie ihren Lebensunterhalt selbst verdienen konnten. Davon hörte der Heilige Nikolaus.

In der Nacht nahm er drei Säckchen, füllte sie mit Gold und warf sie durch ein Fenster in das Haus des armen Mannes. Durch diese Barmherzigkeit Nikolaus‘ konnten die Töchter zuhause bei ihrem Vater bleiben und alle waren versorgt

Diese und ähnliche Legenden werden vom Heiligen Nikolaus erzählt. Meist hilft er armen Menschen, notleidenden und immer wieder auch den Kindern. Im Duden habe ich gelesen, dass barmherzig zusammenhängt mit armherzig. Damit ist die herzliche Zuwendung zu den Armen gemeint. Nikolaus ist also tatsächlich barmherzig.

Wir Evangelischen haben es nicht so mit den Heiligen. Wir verehren sie nicht und rufen sie nicht an. Trotzdem sind sie auch in der evangelischen Kirche wichtig. Im Augsburger Bekenntnis heißt es (Artikel 21):

„Vom Heiligendienst wird von den unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist.“

Die Heiligen sind als Vorbilder im Glauben. Martin Luther war der Meinung, dass wir die Geschichten der Heiligen lesen sollen, um ihnen nachzueifern und im Glauben zu leben.

Der Heilige Nikolaus ist ein Vorbild der Barmherzigkeit für uns.

Wochenspruch Nikolaustag: Barmherzigkeit

Mir sind vier Aspekte bei der Barmherzigkeit wichtig:

1. Sich im Herzen anrühren lassen

In barmherzig steckt das Wort Herz. Das ist kein Zufall. Barmherzig zu sein bedeutet, sich im Herzen anrühren zu lassen. Hat nicht auch das Gegenteil unbarmherzig etwas mit Hartherzigkeit zu tun? Wie kann ich barmherzig sein wollen, aber mein Herz vor dem Leid und der Not eines anderen Menschen verschließen.

Die Voraussetzung für Barmherzigkeit ist die Aufmerksamkeit für das, was mir begegnet. Dazu muss ich mich innerlich öffnen.

Während ich das schreibe schnurrt eine Katze auf meinem Schoß. Gilt diese Aufmerksamkeit nicht für alles um mich herum? Rührt mich das Schicksal eines Menschen? Lasse ich mich anrühren, wenn Tiere gequält werden? Trifft es mich im Herzen, wenn unser Planet zerstört wird?

2. Sich dem Nächsten zuwenden

Wenn ich tatsächlich im Innersten angerührt werde, dann drängt es mich, zu handeln. Barmherzigkeit ist also einerseits eine innere Angelegenheit, aber sie will auch praktisch werden, anpacken. Das Herz sagt der Hand: Sei barmherzig.

Deshalb führt die Aufmerksamkeit für Leid und Not zum Handeln. Ich sage es mal mit den Worten Jesu, aber Du kannst gerne weitere Punkte hinzufügen. Wenn es Dein Herz berührt, dann wirst Du wissen, was zu tun ist.

„Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben…

3. Nachsichtig sein

So weit, so gut. Das ist alles noch selbstverständlich, zumindest, wenn Du ein wenig Ahnung vom christlichen Glauben hast. Allerdings steckt in barmherzig noch etwas anderes, das vielleicht nicht so leicht zu erkennen ist: Die Frage nach dem Umgang mit Schuld und Vergebung.

Wie das? Wenn wir sagen: „Sei doch mal etwas barmherziger!“, dann meinen wir damit doch, dass jemand nachsichtig sein soll. Er soll nicht so hart sein und auch mal „alle Fünfe gerade sein lassen“. Barmherzig bedeutet in diesem Sinne auch: gnädig sein.

Ist jemand Dir schief gekommen, hat Dir etwas angetan, hat sich also schuldig gemacht, dann kannst Du in Dein Herz schauen, Dich anrühren lassen und Barmherzigkeit üben. Das heißt, Du kannst ihm vergeben.

4. Gott ist barmherzig

In der Bibel heißt es, dass Gott barmherzig ist. Diese Aussage erscheint Menschen, die im christlichen Glauben groß geworden sind, selbstverständlich. Sie birgt aber dennoch einige Punkte, die wir über Gott nicht so einfach denken.

Alle die eben genannten drei Aspekte der Barmherzigkeit gelten auch für Gott und das sind wir nicht alles gewöhnt. Das die Barmherzigkeit Gottes bedeutet, dass er nachsichtig mit uns ist und uns Schuld vergibt, das ist vielleicht noch nachvollziehbar, auch wenn heute nicht mehr gerne über Schuld und Buße und Vergebung geredet wird.

Gott will, dass allen Menschen geholfen wird, ist für Christen auch logisch. Damit ist auch klar, dass wir es Gott nachmachen sollen. Hier beginnt aber schon ein kleines Problem: Wollen wir das auch in unserem Alltag so leben? Schränken wir das nicht oft genug ein? Einem Freund geht es schlecht – wir sind barmherzig. Ein Flüchtling sucht eine Wohnung – nicht bei uns. Sorry, aber es gilt immer noch: Gott will allen barmherzig sein!

Noch unüblicher ist, davon zu reden, dass Gott sich im Herzen anrühren lässt. Vielfach wird Gott doch eher als weit weg und immer gleich empfunden. Er ist allmächtig und allwissend, aber nachsichtig, aufmerksam, ja empfindsam? Als ob Gott sich von unserem Schicksal beeinflussen ließe?

Ja, auch das gehört zu unserem christlichen Glauben! Deshalb wurde Gott Mensch! Wir sind ihm nicht egal und unser Ergehen rührt ihn im Herzen an.

Das könnte Dich auch interessieren:

​Wochenspruch Nikolaustag: Seligpreisungen

Der Wochenspruch Nikolaustag ist ein Vers aus den Seligpreisungen. Im Matthäus-Evangelium beginnt die Bergpredigt Jesu mit acht ähnlich aufgebauten Sätzen. Sie beginnen alle mit „selig sind“ – oft auch übersetzt mit „glücklich sind“.

Ich finde es sehr interessant, dass es zwei verschiedene Ansätze gibt, diese Verse zu interpretieren. Einerseits gibt es Theologen, die der Meinung sind, es gehe vor allem um die Aufforderung, die in den Seligpreisungen enthalten sind: Wenn du Barmherzigkeit erfahren willst, dann sei selbst barmherzig!

Andere sagen, wichtig sei die Ermunterung, die Jesus den Menschen geben will. Die Seligpreisungen wären dann vor allem Trost für die Benachteiligten: Wenn Du immer wieder den Kürzeren ziehst, weil du barmherzig und nachsichtig bist, dann kannst du dich darauf verlassen, dass du selbst Barmherzigkeit erfahren wirst.

Wir nennen diese beiden Pole der Interpretation Anspruch und Zuspruch. Warum sollte das ein Widerspruch sein? Ich bin vielmehr davon überzeugt, dass beides in den Seligpreisungen steckt.

Weichen wir also dem Anspruch nicht zu schnell aus: Sei barmherzig! Aber hören wir auch den Zuspruch: Dann wird es dir selbst gut gehen!

Lass uns aus dem Wochenspruch Nikolaustag beides hören und folgen wir gemeinsam dem Heiligen Nikolaus als Vorbild der Barmherzigkeit!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe