Wochenspruch Estomihi = Wochenspruch Aschermittwoch

Der Wochenspruch Estomihi ist zugleich der Wochenspruch Aschermittwoch und steht in Lukas 18,31:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn.

Sind wir Christen wirklich schadenfroh? Warum feiern wir Karneval und gedenken gleichzeitig an Jesu Leiden auf dem Weg zur Kreuzigung? Dieser Wochenspruch Estomihi ausgerechnet am letzten Sonntag vor der Fastenzeit – mitten in der Karnevals-Hoch-Zeit. Dann ist es auch noch der gleiche Wochenspruch für Aschermittwoch. Das passt dann vielleicht wieder besser, denn dann ist ja alles vorbei.

Ist das denn wirklich so seltsam? Haben wir das nicht alle schon mal erlebt, dass es Freud und Leid gleichzeitig gibt in unserem Leben? Leiden gehört zu unserem Leben und Freude gehört zu unserem Leben. Oft lässt sich das nicht so ganz klar trennen. Vielleicht ist es sogar der Normalzustand, dass beides gleichzeitig vorkommt.

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​Info Wochenspruch Estomihi und Wochenspruch Aschermittwoch

Der Vers aus Lukas 18,31 ist gleichzeitig der Wochenspruch Estomihi und der Wochenspruch Aschermittwoch. Er gehört zur sogenannten dritten und letzten Leidensankündigung Jesu. Die ersten beiden stehen in Lukas 9,22 und Lukas 9,44–45. Hier redet Jesus mit den Jüngern. Er nimmt sie beiseite und versucht ihnen etwas Wichtiges klarzumachen (deshalb: “Siehe!”). Das hört sich an, als ob er sie vorbereiten will, auf das was auf ihn, bzw. sie, zukommen wird.

Sie sind auf dem Weg nach Jerusalem zum Passahfest, wo Jesus schließlich verhaftet und gekreuzigt wird. Doch die Jünger verstehen kein Wort. Letztlich bleibt Jesus mit diesen “Ahnungen” allein. Erst später wird den Jüngern bewusst, was Jesus hier meinte.

Von Zahnschmerzen und Witzen

Heute war ich bei meiner Zahnärztin und es musste eine Plombe erneuert werden, weil ein Stück rausgebrochen war. Sie fragte, ob ich für diese Kleinigkeit eine Betäubungsspritze haben wolle. Ich antwortete: Es gibt kein Leben ohne Schmerz, weder körperlich, noch psychisch. Mit schmerzendem Kiefer fuhr ich nach der Behandlung nach Hause, hörte im Radio einen witzigen Vortrag und habe oft herzhaft gelacht.

Ich hoffe, dieses Beispiel war jetzt nicht zu banal. Ist es so banal, weil es so normal ist? Genau das ist meine Überzeugung: Das Leben ist fast nie schwarz oder weiß. Es ist meistens etwas dazwischen. Es gibt Freude neben Leid und es gibt Leid in der Freude.

Freud und Leid

Als Pfarrer habe ich oft erlebt, dass Angehörige von Gestorbenen, die lange gelitten haben und gepflegt werden mussten, eine große Erleichterung erlebten. Sie konnten das aber nicht zulassen, weil sie meinten, das sei nicht richtig; sie müssten doch trauern. Das taten sie auch durchaus. Sie waren traurig und der Abschied fiel ihnen schwer. Gleichzeitig wussten sie aber – oder spürten es vielmehr -, dass auch eine große Last von ihnen genommen wurde.

Allgemein habe ich bei Trauergesprächen oft gemerkt, dass es in der Erinnerung an des Leben des Gestorbenen auch fröhliche Geschichten gibt. Dann trauen sich die Angehörigen kaum, zu lachen. Aber das ist doch wunderbar, wenn auch in der Trauer fröhliche Erinnerungen hochkommen. So will man doch am liebsten in Erinnerung bleiben und einen geliebten Menschen in Erinnerung behalten.

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​In Jesus ist Gott da

Im weitern Text im Lukasevangelium geht es um die Passion, das Leiden, das Jesus bevorsteht, und schließlich seinen Tod am Kreuz. Doch auch die Auferstehung kommt in den Blick. Die Jünger verstehen zwar jetzt noch kein Wort, aber auch hier gibt es mitten im Leid, bzw. der Leidensankündigung, die Hoffnung: Es gibt noch mehr als Leid und Tod! Bei Gott ist kein Ding unmöglich!

Was haben wohl die Jünger gedacht, als Jesus nun zum dritten Mal sein Leiden und Sterben ankündigt. Es steht im Text, dass sie es nicht verstanden haben. Aber sie waren ja doch nicht dumm. Sie werden schon die Schwere des Anliegens Jesu verstanden oder gespürt haben. Sie haben nur den Sinn nicht erahnt. Das wurde ihnen erst später klar, dass das alles dem Plan folgte und uns zugut geschah.

Nicht immer ist uns im Leben klar, wie alles zusammenhängt. Oft genug fragen wir uns – vor allem in schweren Zeiten – “Warum?” Kann uns die Erfahrung, die in diesem Wochenspruch Estomihi, der gleichzeitig der Wochenspruch Aschermittwoch ist, Mut machen?

In Jesus, dem Menschensohn, der zugleich Gottessohn ist, kommt Gott selbst in unser Leben. Vor kurzem haben wir die Geschichte von der Hochzeit zu Kana gelesen, bei der Jesus ausgelassen mitgefeiert hat – denken wir daran, wenn wir fröhlich sind und zum Beispiel Karneval feiern. Heute hören wir vom Leiden und Sterben Jesu – denken wir daran, wenn es uns schwer wird im Leben. Gott ist in Freud und Leid an unserer Seite.

Links
Hier noch zwei Links zum Wochenspruch Estomihi und Wochenspruch Aschermittwoch zum Begriff “Menschensohn”:
https://de.wikipedia.org/wiki/Menschensohn
https://www.die-bibel.de/lightbox/basisbibel/sachwort/sachwort/anzeigen/details/menschensohn-2/#text-11189

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe