Wochenspruch 8. Sonntag nach Trinitatis

Der Wochenspruch für den 8. Sonntag nach Trinitatis steht in Epheser 5, 8b.9 und heißt:
Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.

Kirchensprache

Bevor ich mir diesen Spruch etwas genauer anschaue, muss ich mal was los werden. Seit ich nicht mehr im Pfarrdienst bin, wundere ich mich immer wieder über unsere „Sprache“ oder besser gesagt Ausdrucksweise als Christen und in der Kirche. Nein, ich mache mich nicht lustig darüber und verurteile es nicht! Wie sollte ich auch, habe ich doch immer wieder auch selbst so geredet.

Wie geht es Dir mit diesem Wochenspruch 8. Sonntag nach Trinitatis in dieser Hinsicht? Mir fallen gleich fünf Punkte auf:

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Information über die Wochensprüche

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Alle Wochensprüche des Kirchenjahres

Alle Wochensprüche habe ich hier aufgeführt: Die Wochensprüche des Kirchenjahres.

1. Wandelt

Das ist doch ziemlich altertümlich, oder? Glücklicherweise steht in moderneren Bibelübersetzungen an dieser Stelle „lebt“. Trotzdem ist diese Version immer noch die „offizielle“ Lesart dieses Bibelverses (auch in der Luther 2017). Leider gibt es auch noch ein Menge Christen, die so sprechen, wenn sie über ihren Glauben reden.

2. Kinder des Lichts

Das klingt doch etwas sehr esoterisch, fast wie eine Sekte. Okay, mag etwas übertrieben sein. Trotzdem hört es sich nicht „normal“ an.

3. Güte

Das ist zwar ein wunderschönes Wort, wenn man bedenkt, was damit ausgedrückt wird, aber wir verwenden es in unserer Alltagssprache kaum noch. Höchstens hört man mal jemanden ausrufen: „Du meine Güte!“

4. Gerechtigkeit

Gut, zugegeben, das ist ein Wort, das auch heute noch oft gebraucht, leider aber auch genügend missbraucht wird. Gerade in der Politik wird immer wieder über Gerechtigkeit gesprochen, doch was bedeutet das eigentlich? Auch in der Kirche und Theologie ist Gerechtigkeit ein wichtiger Begriff. Was aber theologisch damit gemeint ist, ist heute nur noch sehr schwer zu vermitteln.

5. Wahrheit

Auch dieses Wort ist nicht ungewöhnlich, aber ebenso oft missbraucht. Da möchte man doch glatt mit Pontius Pilatus fragen: Was ist Wahrheit? In religiösen Zusammenhängen hat die Frage nach Wahrheit auch immer eine besondere Note: Was ist der wahre Glaube? Wie steht es um die Toleranz, wenn ich selbst überzeugt bin, dass ich die Wahrheit gepachtet habe?

Thema des 8. Sonntags nach Trinitatis

Doch kommen wir jetzt mal zum Wochenspruch 8. Sonntag nach Trinitatis selbst. Dieser Sonntag hat, wie alle Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres ein „Thema“, das ja auch im Wochenspruch enthalten sein soll. Das Thema des 8. Sonntags nach Trinitatis heißt „Glaube im Alltag“.

Da frage ich mich doch, wie mit solchen sprachlichen Schwierigkeiten, wie oben beschrieben, eine Aussage für den Alltag gemacht werden soll. Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer wieder versuche, den biblischen Texten mit genauem Hinschauen auf die Spur zu kommen. Das möchte ich auch mit diesem Wochenspruch 8. Sonntag nach Trinitatis machen. Nur zäume ich das Pferd mal ausnahmsweise von hinten auf und beginne mit den drei letztgenannten Worten.

Was genau können wir uns denn unter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit vorstellen? Was bedeuten uns diese Worte im Alltag und was bedeuten sie im biblischen Zusammenhang?

Wahrheit

Wer will schon gerne belogen werden? Wie halten wir es denn selbst mit der Wahrheit? Eine Notlüge wird doch wohl noch erlaubt sein, oder? Viele glauben heute Politikern und den „Großkopferten“ sowieso nichts mehr. Auch im alltäglichen Leben wird es mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen. Wen interessiert schon, ob der Tratsch über den Kollegen wahr ist? Das Finanzamt will doch sowieso betrogen werden, warum also päpstlicher sein, als der Papst?

Offenheit und Ehrlichkeit im Umgang unter Menschen ist zwar etwas, was wir uns alle wünschen, aber das kann auch mal ganz schön schwer sein und auch manchmal unangenehm. Wenn unsere Schattenseiten zur Sprache kommen, dann werden wir ziemlich verletzlich. Möglicherweise ist das das schwierigste Vorhaben, dass uns dieser Wochenspruch 8. Sonntag nach Trinitatis empfiehlt: Nimm es ernst mit der Wahrheit. Nun ja, vielleicht gelingt das nicht immer, aber lass es uns mal versuchen.

Wie ist das mit der Wahrheit im Glauben? Wer hat denn nun die Wahrheit? Ich möchte ganz bewusst als Christ darauf verzichten, die Wahrheit – auch im religiösen Sinn – gepachtet zu haben. Die Bibel sagt uns nämlich, dass Jesus von sich sagt, dass er selbst die Wahrheit ist. Also kann ich sie nicht „haben“. Es ist ein Anspruch, den Gott hat, nicht ein Mensch, keine Kirche, kein Christ. Letztlich ist alles, was ich glauben kann nur eine „Hypothese“ (Wolfhart Pannenberg) und es ist das, was ich glaube und das kann ich keinem anderen vorschreiben! (Siehe auch: https://www.ekd.de/Wahrheit-15618.htm).

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Gerechtigkeit

Das ist ein großes Wort in der Gesellschaft und der Politik, aber was bedeutet es in meinem Alltag? Auch mit der Gerechtigkeit ist es meist so, dass wir vor allem wünschen, dass mit uns gerecht umgegangen wird. Wir wollen gerecht behandelt werden, gerechten Lohn für unsere Arbeit bekommen und gleichberechtigt – auf Augenhöhe – mit allen anderen sein. Wir haben ein feines Gespür dafür, wenn es im menschlichen Miteinander ungerecht zugeht. Beim Stichwort „ungerecht“ fällt uns wohl auch viel schneller etwas ein…

Ich habe mir vorgenommen, es auch einmal umgekehrt zu versuchen und die Menschen, denen ich täglich begegne, gerecht zu behandeln. Das heißt wohl auch, ihnen offen und ehrlich zuzuhören, damit ich verstehe, wie es ihnen geht und was ihnen wichtig ist. Dann fällt es mir hoffentlich rechtzeitig auf, wenn ich ungerecht werde. Auch Geduld gehört sicher dazu – wie bei der Güte auch Wohlwollen und Nachsicht. Eventuell kann es sogar sein, dass ich auf einen Vorteil verzichten muss, damit der andere nicht zu kurz kommt (das wäre ja ungerecht). Puh, dieses Vorhaben könnte schwierig sein.

Martin Luther hat uns gezeigt, dass auch das wieder mit dem Glauben in Verbindung steht. Er wäre nämlich fast an der „Gerechtigkeit Gottes“ verzweifelt. Er dachte, er müsste all das und noch viel mehr leisten, damit Gott ihn akzeptiert und liebt. Seine große reformatorische Erkenntnis war aber, dass Gott das gar nicht verlangt, sondern er selbst spricht uns Menschen gerecht. (Upps, wieder so eine Kirchensprache). Das heißt: Gott akzeptiert uns so, wie wir sind, auch mit unseren Fehlern und Schwächen.

Natürlich heißt das nicht, dass ich jetzt tun und lassen kann, was ich gerade will und das größte A-loch der Welt werden soll. Dazu kommt gleich noch ein Hinweis, wenn es um die Kinder des Lichts geht.

Güte

Nach Wikipedia ist Güte eine „freundliche, wohlwollende und nachsichtige Einstellung gegenüber Anderen“ (Wikipedia: Güte). Das klingt doch auch für das alltägliche Leben ziemlich gut. Zumindest finde ich es toll, wenn andere Menschen mir gegenüber in diesem Sinne gütig sind. Das lasse ich mir gerne gefallen.

Andererseits möchte ich auch gerne so gütig mit anderen Menschen, vor allem mit denen, die mir nahestehen, umgehen. Allerdings merke ich immer wieder, dass mir das nicht so selbstverständlich gelingt. Oft genug verliere ich die Geduld und bin gar nicht so freundlich. Wohlwollend sein ist auch nicht einfach, wenn man den Kürzeren zieht oder neidisch ist. Nachsichtig zu sein hat doch auch etwas damit zu tun, dass ich über die Fehler eines anderen hinwegsehe, und dass ich verzeihe, wenn jemand mir gegenüber nicht so gütig war. Hm, das ist alles schon nicht so einfach.

Was mir jetzt, nach diesen Überlegungen so einfällt, ist, dass die Welt aber doch ein wesentlich besserer Ort wäre, wenn wir alle so gütig miteinander umgingen. Wenn Du Dich fragst, was das an der großen weltpolitischen Lage und an der Klimakatastrophe ändern würde, dann kommt mir ein Satz in den Sinn:

„Ein bisschen Güte von Mensch zu Mensch ist besser als alle Liebe zur Menschheit.“ – Richard Dehmel, Die Menschenfreunde. 3. Akt / Christian (aus: Wikiquote: Güte).

Also lass uns doch einfach vornehmen, es mit der Güte im Alltag mal zu versuchen.

Vielleicht wird es schief gehen, vielleicht gelingt es aber auch immer mal wieder und vielleicht ja auch immer mehr. Aus Sicht des Glaubens ist jedenfalls klar, dass Gott immer und ohne Ausnahme mit uns Menschen gütig ist. Güte ist eines der Markenzeichen Gottes. Das im Hinterkopf, ist es auch nicht mehr so schlimm, wenn es uns nicht immer gelingt gütig zu sein, weil Gott ja auf jeden Fall mit uns nachsichtig ist – und vielleicht sind es ja auch unsere Mitmenschen.

Symbole

In diesem Wochenspruch 8. Sonntag nach Trinitatis gibt es für all das ein ganz starkes Symbol. Es ist die Rede (auch im weiteren Verlauf des Textes im Epheserbrief) vom Licht. Diese drei Worte – Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit – werden als Frucht des Lichts bezeichnet. Jetzt könnte man meinen: Also stehe ich als Christ auf der richtigen Seite, nämlich im Licht, und bin deshalb schon viel gütiger, gerechter und wahrhaftiger als alle anderen. Puh, neee, so läuft das nicht!

Auch hier sollten wir wieder genau hinschauen! Das eigentliche Licht ist Gott und kommt von Gott. Wir können als Menschen aber – wenn es gut läuft und wir dafür offen sind – durchscheinend für diese Licht von Gott sein. Das kannst Du Dir vorstellen, wie bei einem Kirchenfenster. Das Fenster wird nur dann bunt und „lebendig“ und sichtbar, wenn das Licht der Sonne hindurch scheint.

Das heißt aber auch, dass ich nicht selbst das Licht sein muss. Das kann sehr entlastend sein, wenn ich merke, wie finster es manchmal in mir ist. Aber wenn ich weiß, dass ich als Mensch akzeptiert werde, so wie ich bin, dann habe ich auch die Kraft, gegen die finsteren Abgründe des Menschseins anzugehen und zumindest hier und da etwas Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit zu verbreiten.

Meine Predigt zu diesem Text findest Du hier: Predigt Epheser 5, 8b-14.

Im Evangelientext für den 8. Sonntag nach Trinitatis redet Jesus neben dem Licht auch vom Salz. Wir sollen Salz der Erde sein. So, wie ein paar kleine Körnchen Salz die ganze Suppe schmackhaft machen können, so können ein paar gütige Worte, jemandem gerecht zu werden oder die Wahrheit zu sagen, schon genügen, die Welt ein ganzes Stück besser zu machen. Dazu noch einmal das Zitat von Richard Dehmel:

„Ein bisschen Güte von Mensch zu Mensch ist besser als alle Liebe zur Menschheit.“

Zünde doch mal eine Kerze an, schau in ihr schwaches Licht und denk darüber nach…

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe