Ausgebrannt

Wenn man „ausgebrannt“ ist, dann hat man „Burnout“ – So wird das heute etwas knapp, nicht ganz richtig und meist sogar mit einigen Vorbehalten gesagt. Schade eigentlich, denn Burnout betrifft immer noch sehr viele Menschen. Tatsächlich Betroffene leiden sehr darunter und sie leiden noch mehr, wenn ihre Mitmenschen sich lustig machen und kein Verständnis haben.

Vor fast sieben Jahren habe ich unter anderem aus genau diesem Grund diesen Artikel veröffentlicht unter der Überschrift „Das Ochs-vorm-Berg-Syndrom oder: was ist eigentlich mit mir los?“ Seitdem ist viel Zeit vergangen und auch bei mir hat sich so einiges verändert. Von „ausgebrannt“ kann keine Rede mehr sein. Ich fühle mich lebendiger denn je.

Also wird es Zeit diesen Beitrag zu überarbeiten. Das erst recht, weil ich gerade dabei bin, meinen Blog ganz neu zu gestalten und auch inhaltlich auszurichten. Vor einigen Jahren hatte ich den Ehrgeiz, Burnout zu einem Hauptthema des Blogs zu machen. Durch verschiedene Ereignisse ist es dazu bisher nicht gekommen. Jetzt habe ich mich dafür entschieden, das doch noch wahr zu machen.

Das Thema Burnout wird hier in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Vor allem möchte ich allen Betroffenen und ihren Angehörigen und Freunden aus meiner ganz speziellen Sicht helfen. Zum einen war ich persönlich betroffen und kann deshalb das Ausgebranntsein gut nachvollziehen. Zum anderen bin ich überzeugt, dass auch für Vermeidung und Überwindung von Burnout, die alten Weisheiten der Religion hilfreich sein können.

Wie war das bei mir?

Ich bin damals oft gefragt worden, was denn mit mir los sei. Ich habe mich zwar über dieses echte Interesse gefreut, aber trotzdem ist es mir in dieser Zeit schwer gefallen, solche Fragen zu beantworten.

Manchmal habe ich mich selbst gefragt, was denn eigentlich mit mir los ist. Da stehst du wie der „Ochs vorm Berg“. Dinge, die dir immer Spaß gemacht haben, sind auf einmal öde. Aufgaben, die du früher mit links gemacht hast, wachsen plötzlich bis in den Himmel. Müdigkeit, Angst, Sorge, Aufschieberitis, aber auch körperliche Einschränkungen, wie Herzrasen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, bestimmen unvermittelt deinen Alltag.

Ich nenne das, das Ochs-vorm-Berg-Syndrom. Der offizielle Begriff der Mediziner lautet “Erschöpfungsdepression”. So stand es damals es auf meinem “gelben Zettel”. Der Modebegriff dafür heutzutage heißt: Burnout („Ausgebranntsein“).

Ja, ich war richtig krank, auch wenn ich nichts gebrochen hatte oder ähnliches. Ich hatte eine Krankheit, bei der manche Leute sagen: “Reiß dich mal zusammen!” Manche sagen vielleicht sogar: “Der spinnt doch!” Mag sein. Meine Krankheit war eine Krankheit der Seele, allerdings mit starken Auswirkungen auf den Körper. Psychosomatisch nennt man so etwas.

Wie kommt es zum ausbrennen?

Ich war zu der Zeit noch mit „brennendem“ Herzen Pfarrer. Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben. Durch dieses innere Engagement und die dauernde Überlastung wurde es mir irgendwann einfach zu viel. Ich bin „ausgebrannt“ – so die deutsche Übersetzung von Burnout.

Typisch für Burnout ist, dass die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Aber gerade das gehört ja offensichtlich zum Beruf eines Pfarrers unbedingt dazu. Du kannst diesen Beruf nur engagiert ausüben, wenn du mit dem Herzen dabei bist. Was du sagst muss mit dem übereinstimmen, was du denkst und glaubst. Ich könnte kein Pfarrer sein, wenn ich das nur als Job sehen würde, und nicht voll und ganz hinter dem Glauben und auch der Kirche stehen würde.

Heute bin ich kein Pfarrer mehr. Das hat etwas damit zu tun, dass sich meine Einstellung, mein Glaube verändert hat. Außerdem war für mich einfach nach diesen schwierigen Jahren etwas Neues dran. Ich musste mich noch einmal verändern. Es hat aber auch etwas damit zu tun, dass mir das Risiko, wieder in diese Spirale reinzukommen und dann ausgebrannt zu sein, zu groß ist.

Weitere Ursachen

Natürlich hat die Psyche und auch die permanente Überlastung etwas damit zu tun, wenn ein Mensch ausbrennt. Das ist aber nicht alles. Bei vielen läuft ganz lange Zeit trotzdem alles gut. Wenn dann aber noch eine körperliche Ursache dazu kommt, dann bricht das ganze Kartenhaus zusammen.

Was mir in dieser Hinsicht wohl vor allen Dingen den Rest gab, war die Schlafapnoe, die im November 2010 festgestellt wurde. Schlafapnoe bedeutet, dass kein erholsamer Schlaf möglich ist, da während der Nacht immer wieder auch längere Atemaussetzer vorkommen. Ab Ende 2010 sollte diese Schlafapnoe bei mir therapiert werden, allerdings gab es damit Probleme. Um es kurz zu machen: diese Probleme führten dazu, dass ich die Nächte im Jahr 2011, in denen ich gut und durchgeschlafen habe, an einer Hand abzählen kann.

Die körperlichen Ursachen des Ausbrennens können sehr verschieden sein. Auch wenn es keine dramatischen Dinge sind, kann schon eine kleine Veränderung große Auswirkungen haben, wenn das Leben „auf Kante genäht“ ist. Ich meine damit, wenn man ständig am Rand der Erschöpfung arbeitet und lebt.

Der Weg hinaus

Es gibt viele Dinge, die helfen können, wenn man ausgebrannt ist. Für mich waren die folgenden Punkte die Wichtigsten:

  1. Menschen: In der ursprünglichen Fassung dieses Beitrags habe ich einige Menschen genannt, die mir geholfen haben. Es waren Familie, Freunde, die Mitarbeiter und Mitglieder der Kirchengemeinde und noch manche mehr. Ohne die Menschen, die dennoch zu dir stehen und sich von den oben genannten blöden Sprüchen nicht abschrecken lassen, wird es schwer.
  2. Leider gibt es aber auch andere Menschen. Eben zum Beispiel Leute mit dummen Sprüchen oder falsche Freunde, die dich einfach fallen lassen, wie eine heiße Kartoffel. Mir hat tatsächlich geholfen, mich von solchen Menschen zu trennen und den Kontakt abzubrechen. Diese Krankheit ist sozusagen auch eine Gelegenheit, zu erkennen, wer in deinem Leben wirklich wichtig ist und dich nicht im Stich lässt.
  3. Noch einmal Menschen: Die Fachleute – Ärzte, Psychotherapeuten, Trainer, Coaches. Im Jahr nach dem Ausbrennen war ich fünf Wochen in Reha in einer Klinik in Chemnitz. Diese Zeit hat mir sehr gutgetan. Die körperlichen Symptome wurden behandelt und ich habe viel gelernt, wie ich in Zukunft gesünder mit meiner Situation umgehen kann. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieser Klinik habe ich viel zu verdanken. Genauso auch meinem Hausarzt und Psychotherapeutin.
  4. Manchmal bringen dunkle Zeiten in unserem Leben uns auch in Glaubenszweifel. Es ist auch verständlich und normal, wenn sich auch der Glaube in solchen Zeiten verändert. Auch das war bei mir der Fall. Ich bin kritischer geworden und kann nicht mehr so „schlicht und einfach“ glauben. Andererseits habe ich auch gemerkt, wie hilfreich ein „bodenständiger“ Glaube sein kann. Ich hoffe, auf diesem Blog auch das noch genauer erläutern zu können.
  5. Zeit! Ich denke, es ist sehr wichtig, das zu betonen. Manchmal dauert es Jahre bis jemand ausgebrannt ist. Dann kann man nicht erwarten, nach ein paar Tagen wieder völlig hergestellt zu sein. Vor allem die persönlichen Voraussetzungen zu verändern, ist eine Sache, die Zeit und Geduld braucht. Wenn Du selbst ausgebrannt bist, dann tu Dir den Gefallen und hab Geduld mit Dir selbst.

Weiter gehen…

Es lohnt sich, immer weiter zu gehen. Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen! Mir geht es heute wieder gut und ich habe sehr viel gelernt aus dieser schwierigen Zeit. Es tut wirklich gut, nicht mehr wie ein Ochse vorm Berg zu stehen. Ich weiß nicht, ob ich bereits „auf der anderen Seite des Berges“ angekommen bin, aber auch die Aussicht vom Gipfel ist schon mal sehr schön!

Ich freue mich sehr über Kommentare und auch Mails. Ganz besonders möchte ich gerne wissen, ob Du konkrete Fragen hast, über die ich vielleicht einmal einen Beitrag auf dem Blog schreiben soll/könnte. Und wenn Dir mein Blog gefällt, dann empfiehl ihn doch auch in den sozialen Medien weiter. Gerne kannst Du auch meinen Newsletter bestellen, dann bleibst Du immer informiert, was sich hier tut.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe