Predigt Apostelgeschichte 2, 41-47 von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am 7. Sonntag nach Trinitatis 2016

7. Sonntag nach Trinitatis

Predigtreihe 2

Predigttext: Apostelgeschichte 2, 41-47

Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen. Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen, und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nach dem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

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Predigt Apostelgeschichte 2, 41-47

Liebe Gemeinde!
Bei der Fußball-Europameisterschaft gab es am Donnerstag das Aus für Deutschland. Gut gespielt, aber Frankreich hat die Tore gemacht. So sehr ich es auch bedaure, aber der Schiedsrichter war nicht schuld!
Neben diesem Ereignis hat mich aber noch etwas Anderes bei der Europameisterschaft fasziniert. Es ist interessant, wie Mannschaften und Fans Gemeinschaft herstellen: Die Mannschaften bilden oft einen Kreis und stimmen sich gegenseitig ein. Die Nationalhymne wird gesungen. Es gibt Sprechgesänge. Eins ist typisch für diese EM: der isländische Schlachtruf, die Hände werden über dem Kopf zusammegeklatscht und ein Schrei ausgestoßen. Immer schneller, bis schließlich alle gemeinsam wild klatschen. Inzwischen machen das alle Fans und Mannschaften.
Es ist offensichtlich ansteckend. Das gibt ein ganz starkes Gemeinschaftsgefühl. Das wollen alle auch empfinden. Und es gelingt anscheinend.

Ich habe diese Beobachtung mit dem Predigttext zusammengebracht und mich gefragt, wie stellen wir Christen eigentlich Gemeinschaft her? Ich glaube, Sie würden es seltsam finden, wenn ich jetzt mit Ihnen gemeinsam den isländischen Schlachtruf hier in der Kirche machen würde. Naja, wäre vielleicht mal eine interessante Erfahrung. Wo erleben wir als ganz unterschiedliche Menschen die Gemeinschaft unseres Glaubens? Wo kann man ganz zentral unsere Gemeinschaft sehen?

Viele Christen wünschen sich mehr Gemeinschaft in der Kirchengemeinde. Häufig gibt es den Wunsch nach Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst, gemeinsame Unternehmungen, Freizeiten, mehr Gemeinschaft und Nähe im Gottesdienst. Das sind sicher gute Ideen und wir tun gut daran, die Wünsche ernst zu nehmen.

Wir sollten aber auch bedenken, dass nicht alle Menschen, die gerne in den Gottesdienst gehen, diese große Nähe möchten oder auch aus verschiedensten Gründen nicht aushalten können. Diese Gemeinschaft und Nähe in der Kirchengemeinde können nur Angebote sein, die man aber auch nicht wahrnehmen muss. Wir müssen wohl auch hierbei ernst nehmen, dass wir alle verschieden sind.

Auch im Predigttext aus der Apostelgeschichte werden verschiedene Dinge genannt, die ein gemeinsames Merkmal der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem waren. Dazu gehören der Glaube, das Gebet und das Teilen. Aber alle die unterschiedlichen Möglichkeiten, auch unsere modernen Ideen, sind nicht der wichtigste Punkt. Ganz zentral ist offensichtlich das Abendmahl. Mehrfach wird diese Feier, die damals immer auch ein gemeinsames Essen war, genannt. Heute ist Abendmahlsonntag, deshalb ist dieser Text als Predigttext vorgesehen.

Im Text heißt es: sie brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen. So haben die ersten Christen ihre Gemeinschaft gefeiert und daran haben sie die Menschen erkannt. Diese Gemeinschaft war ansteckend. Es war etwas Besonderes und viele Menschen schlossen sich der Gemeinde an.

Für die erste Gemeinde war das Abendmahl also ganz wichtig. Sie feierten es oft und regelmäßig. In dieser Feier kommen auch Glaube, Gebet und Teilen zusammen.
Zur Feier gehörte schon damals und auch heute bei uns in der Kirche das Gebet, die Bitte um Vergebung, das Lob Gottes und der Dank für Gottes Liebe zu uns. Das Teilen mit den Bedürftigen ist in der Liturgie heute leider nicht mehr ganz so offensichtlich Ein Rest ist noch erkennbar im Friedensgruß, wenn wir uns die Hand reichen und den Frieden Gottes zusprechen und in der Sammlung der Kollekte. In der urchristlichen Gemeinde war das Abendmahl aber noch verbunden mit einem gemeinsamen Essen. Jeder brachte mit, was er konnte und dann wurde geteilt – auch die Ärmsten bekamen das Gleiche, wie die Reichen.

Die Grundlage der Feier ist das letzte Abendmahl, das Jesus Christus mit seinen Jüngern vor der Kreuzigung gefeiert hat. Wir feiern in Erinnerung an ihn, es ist sein Gedächtnismahl. Dadurch sind wir auch mit ihm verbunden. Das Abendmahl bringt uns also nicht nur in die Gemeinschaft der Christen, sondern auch in Gemeinschaft mit Gott.

In Brot und Wein wird dieser Glaube nicht nur sichtbar, sondern auch spürbar. Wir können es sehen und schmecken, wie sehr Gott uns liebt. Deshalb sind Brot und Wein auch Symbole für die Gemeinschaft mit Gott und untereinander im Abendmahl. In diesen Symbolen steckt eine unglaubliche Kraft, die schon auf Jesus zurückgeht und in den letzten 2000 Jahren immer weitergetragen, gefeiert und bereichert wurde.

Diese Symbolik geht zurück darauf, dass Jesus mit seinen Jüngern und vielen anderen Menschen gemeinsam isst. Er nennt sich selbst das Brot des Lebens. Auch das Brot selbst beinhaltet das Symbol der Gemeinschaft, des Zusammenhalts: Brot wird gebacken aus Mehl, das aus vielen Körnern gemahlen wird, die dann zusammen das Brot bilden.

Jesus redet auch vom Weinstock und den Reben. Die Trauben bekommen ihre Nahrung durch die Verbindung mit dem Weinstock. Das ist ein Symbol für unsere Verbindung im Glauben zu Gott. Die Trauben wachsen aber nicht einzeln, sondern immer in Reben. Auch das symbolisiert die Gemeinschaft untereinander.

Ich bin immer mal wieder darauf angesprochen worden, es käme doch eigentlich nicht auf Brot und Wein an, sondern auf den Inhalt des Abendmahls. Eigentlich könne man doch das Abendmahl auch mit Cola und Chips feiern. Natürlich ist der Inhalt das Wichtigste. Aber die Symbole, die wir dabei benutzen, stehen doch mit dem Inhalt im Zusammenhang. Deshalb bin ich der Meinung, dass es eben nicht gleichgültig ist, auf welche Art wir die Gemeinschaft im Abendmahl feiern. Auch wenn man es natürlich – zumindest theoretisch – auch mit Cola und Chips machen könnte, solange man sich die Bedeutung im Verstand klarmacht. Das tiefere Empfinden aber, wird damit sicher nicht so einfach möglich gemacht.

Das Abendmahl ist also unter anderem, aber vor allem ein Gemeinschaftsmahl, das heißt zuerst: Gott will im Abendmahl Gemeinschaft mit uns haben. Er lädt uns als Gäste an seinen Tisch, so wie beim letzten Abendmahl Jesus mit seinen Jüngern zusammengesessen hat. Gott will Gemeinschaft mit uns haben, im Abendmahl können wir besonders die Nähe Gottes spüren, sehen und verstehen.

Noch ein Aspekt ist mir wichtig. Wenn Gott uns seine Gemeinschaft schenkt, dann erwartet er auch von uns, dass wir uns in die Gemeinschaft der Gemeinde hineinbegeben. Das hatte die erste christliche Gemeinde in Jerusalem offensichtlich verstanden. Ob es ihnen immer leichtgefallen ist, weiß ich nicht. Es fällt uns ja sicher auch nicht immer leicht, alle, die mit uns zur Gemeinde gehören und am Abendmahl teilnehmen, so anzunehmen, wie sie sind. Jeder hat doch seine Ecken und Kanten. Und ausgerechnet mit dem, der da beim Abendmahl neben einem steht will Gott Gemeinschaft haben, und erwartet obendrein noch von uns, dass wir ihn lieben und Brot und Wein mit ihm teilen? Das kann unter Umständen sehr schwer sein.

Ich habe mich jetzt auf den Aspekt der Gemeinschaft im Abendmahl konzentriert, weil es im Predigttext um den Zusammenhalt der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem geht. Natürlich gibt es noch ganz viel mehr über das Abendmahl zu sagen, aber das heben wir uns für ein andermal auf.

Heute ist mir vor allem wichtig, zu erkennen, dass das Abendmahl Gemeinschaft zum Ausdruck bringt und auch stiftet und stärkt. Gemeinschaft zwischen uns und Gott und eine ganz besondere Verbindung der Teilnehmer untereinander. Das ist auch eine Verpflichtung für uns heute, ganz besonders in der Ökumene mit katholischen und freikirchlichen Christen. Solange wir nicht zusammen selbstverständlich Abendmahl feiern können, solange gibt es keine echte Gemeinschaft der Christen. Auch für uns und unsere Gemeinde ist das eine Verpflichtung, dass sie mehr und mehr zu einem Ort wird, an dem wir fröhlich unseren Glauben gemeinsam leben und feiern können.
Amen.

Pfr. Uwe Hermann
Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 10.07.2016 in Manderbach.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe