Dieser Beitrag „153 Fische“ erscheint in der Reihe „An-ge-dacht“, in der ich täglich Gedanken zu einer Perikope des jeweiligen Sonntags schreibe. Weitere Informationen darüber und eine Übersicht aller bisher erschienenen Beiträge findest Du hier: An-ge-dacht.

Lesung III, Quasimodogeniti

Johannes 21, 1-14

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:
2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.
3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.
4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.
5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.
6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.
7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See.
8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.
9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.
10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!
11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.
12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.
13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.
14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

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153 Fische, Quasimodogeniti, Lesung III, Johannes 21,1-14

Solche Bibeltexte liebe ich! Zuerst lese ich den Text und denke: Okay. Alles klar, nichts Überwältigendes. Kennt man ja. Doch dann bleibe ich erst mal bei „153 Fische“ hängen. Ich lese den Text nochmal und nochmal und steige tiefer ein und mit jedem Satz, ja beinahe mit jedem Wort tun sich ganz neue Welten auf. Der Text ist so vielschichtig, dass ich in dieser An-ge-dacht gar nicht weiß, wo ich anfangen und wie ich einen roten Faden behalten soll.

Petrus: Ich gehe fischen… Hört sich an wie: Hab ja sowieso nichts besseres zu tun… Könnte aber auch heißen: Wir haben jetzt lange genug auf Jesus gewartet. Ich hab keine Ahnung, was er von uns will. Aber wir brauchen jetzt mal was zwischen die Zähne. Also geht Petrus fischen.

Die anderen Jünger, die dabei sind, kommen mit. Zu siebt machen sie sich auf, fahren mit dem Boot auf den See und fangen – nichts. Das ist nicht nur enttäuschend; das ist nicht nur frustrierend; das ist lebensgefährlich, wenn sie nichts mehr zu essen haben. Es gibt keine 153 Fische, nicht mal einen fangen sie.

Dann kommt Jesus und plötzlich wird das Netz übervoll. Da kommt eine weitere Ebende des Textes in den Blick: Jesus sorgt für das leibliche Wohl der Jünger. Dieser Punkt ist mir sehr wichtig geworden, weil in den biblischen Texten meist nur nach „geistlichen“ Erkenntnisse gesucht wird. Es geht aber so oft auch um die körperlichen Bedürfnisse. Es ist doch wohltuend, dass Jesus das nicht vergisst.

Natürlich geht es dann noch tiefer in den Text hinein. Diese Sorge Jesu für die Jünger ist besonders wichtig, weil er, nachdem er auferstanden ist, nicht mehr täglich bei ihnen sein kann. Himmelfahrt steht bevor. Es könnte der Eindruck für die Jünger entstehen, Jesus lasse sie im Stich. Hier macht Jesus klar: Das kommt auf keinen Fall in Frage. Es wird der Heilige Geist kommen und ich werde immer an eurer Seite sein.

Am Anfang seines Wirkens hat Jesus die Jünger berufen und zu ihnen gesagt: Ich will euch zu Menschenfischern machen. Das ist noch eine Ebene tiefer im Lesungstext zum Sonntag Quasimodogeniti. Geht es bei dem Fischfang vielmehr um die Verkündigung des Evangeliums von Jesus? Es sollen doch Menschen von der Guten Botschaft hören und zum Glauben finden. Geht es bei dem Netz und der Zahl 153 Fische (die nicht wirklich geklärt werden kann) vielleicht auch um die Gemeinschaft der Gläubigen aus Juden und Heiden, von allen Enden der Erde?

Ich lese den Text zum wiederholten mal und es drängt sich mir noch eine andere Sicht auf: Schauen wir uns doch die Jünger mal genauer an. Zuerst: Warum sind es sieben Jünger? Wo sind die anderen? Warum sind die sieben am See Genezaret (=See von Tiberias) und nicht in Jerusalem? Jesus hatte ja den ersten am leeren Grab gesagt, dass er ihnen wieder in Galliläa begegnen will. Das ist diese Gegend.

Die Zahl sieben deutet möglicherweise darauf hin, dass in ihnen die Gesamtheit der entstehenden Gemeinde, Kirche gemeint ist. Jesus wendet sich hier an alle, die ihm nachfolgen. Sieben steht symbolisch für Vollständigkeit; drei steht für den Menschen (Körper, Seele, Geist) oder für Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) und vier für die geschaffene Welt (Norden, Süden, Osten, Westen) und die klassischen Elemente (Luft, Feuer, Wasser, Erde). Drei plus vier gleich sieben, also Vollständigkeit der erfahrbaren Welt.

Haben die Jünger hier auf Jesus gewartet? Waren sie hoffungsvoll oder enttäuscht. Es war ja immerhin ein wahres Auf und Ab der Gefühle: Jesus wird jubelnd in Jerusalem empfangen, dann die Gefangennahme und der Prozess mit der Todesstrafe. Dann die Nachricht von der Auferweckung. Dann wieder warten. Was sollten sie tun?

Jetzt auf einmal ist Jesus da, aber sie erkennen ihn nicht direkt. Auch hier gibt es unterschiedliche Reaktionen. Der eine ist schnell im Denken (Johannes); er erkennt Jesus als erstes. Der andere schnell im Handeln (Petrus); er springt ins Wasser um so schnell wie möglich zu Jesus zu kommen. Er will nicht warten, bis das Boot an Land gezogen, das Netz eingeholt, 153 Fische gesichert und alles fest verstaut ist. Nur schnell zu Jesus. Endlich ist er da.

Noch etwas fällt mir an den Jüngern auf: Warum trauen sie sich nicht, Jesus zu fragen, wer er ist? Das ist doch seltsam. Doch Johannes gibt ja die Antwort im Evangelium selbst: Die Jünger fragen nicht nach, denn sie haben Gewissheit. Sie wissen, dass Jesus da ist. Sie wissen, dass Jesus für sie sorgt. Sie wissen, dass Jesus sie sendet, sein Evangelium zu verkündigen. Diese Gewissheit dürfen auch wir haben.

Schließlich habe ich auch noch darauf geschaut, wie Jesus in diesem Text dargestellt wird. Es heißt, er offenbart sich den Jüngern, aber wie tut er das? Zuerst durch das Wort. Er spricht sie an mit der vertrauten Anrede „Kinder“. Dann durch ein Zeichen: Das Wunder der 153 Fische; die Sorge für das leibliche Wohl. Und schließlich durch ein gemeinsames Mahl.

Das gemeinsame Mahl war auch das Erkennungszeichen für die Emmausjünger. Sie erkannten Jesus am Brotbrechen. Das ist hier in diesem Text zwar nicht eindeutig auf das Abendmahl bezogen – schließlich geht es um Fische und Brot, nicht um Brot und Wein -, aber ich bin dennoch überzeugt, dass es mit der Abendmahlgemeinschaft zusammenhängt.

Jesus isst mit den Jüngern gemeinsam Brot und Fisch. Er ist auch gegenwärtig, wenn seine Gemeinde, Kirche zusammenkommt um Brot zu brechen und Wein zu trinken im gemeinsamen Abendmahl. Ein Symbol für die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander (Netz) und mit Gott.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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