Wochenspruch 2. Advent: Lukas 21, 28

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Der Wochenspruch 2. Advent steht in einem Zusammenhang im Lukasevangelium, wo Jesus über das Ende der Welt über seine „Wiederkunft“ redet. Es geht um Untergang, Naturkatastrophen und die Ängste der Menschen. Ich könnte jetzt genau darüber schreiben. Viele besonders fromme Menschen meinen auch, das müsste unbedingt sein.

Ich bin da ganz anderer Meinung!

Im Advent jeden Jahres, in dem sich die Erde weiterdreht, geht es doch darum, wie wir als Christen leben. Es geht doch darum, dass der Glaube an Jesus uns heute (!) den Weg weist. Es geht doch darum, das Gott heute bei uns ankommt.

Deshalb rede ich jetzt darüber, was der Wochenspruch 2. Advent heute bedeuten kann und lass die „Endzeit“ einfach mal weg.

Seht auf und erhebt eure Häupter…

Was für ein toller Spruch!

Schau nach vorne, schau nach oben – nicht immer nur nach unten mit niedergeschlagenen Augen.

Heb den Kopf hoch – nicht immer nur nicken und buckeln.

Wie befreiend!

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend in der Kirche und Landeskirchlichen Gemeinschaft etwas ganz Anderes beigebracht bekommen. Nein, es wurde mir regelrecht eingetrichtert. Das ging eher so:

  • Sei immer schön demütig.
  • Geh immer den untersten Weg.
  • Nimm dich selbst nicht so wichtig.
  • Lass Anderen den Vortritt.

Liebe Leserin, lieber Leser, das kann krankmachen!

Jesus redet ganz anders. Er zeigt uns, wie wertvoll jeder einzelne von uns für Gott ist. Er sagt uns, dass Gott uns liebt. Deshalb können wir voller Selbstbewusstsein leben. Wir brauchen vor niemandem zu buckeln. Es gibt keinen Grund, sich für schlechter oder weniger Wert zu achten, als andere. Alle sind vor Gott gleich viel wert – nämlich unendlich wertvoll.

Deshalb können wir hoch erhobenen Hauptes durchs Leben gehen und die Augen offen nach vorne richten in Gottes Zukunft mit uns. Das hat nichts mit Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen zu tun. Es geht nicht um Überheblichkeit. Nein, wir sind nicht besser als andere, aber eben auch nicht schlechter.

Dieser nach vorne gerichtete Blick und der erhobene Kopf, lässt uns die Welt mit offenen Augen sehen. Wir sehen all das Gute und Schöne, das Gott uns schenkt. Aber wir haben auch einen Blick dafür, was in der Welt und in unserem Leben schiefgeht. Wir erkennen auch, wenn es anderen nicht gut geht und können auf sie zugehen, mit offenem Blick, offenem Herzen und offenen Händen.

So durchs Leben zu gehen und die Welt mit offenen Augen sehen, heißt für Christen aber immer auch: sie mit Gottes Augen sehen. Eben zu erkennen, wie wertvoll jedes einzelne Menschenleben für Gott ist – mein eigenes und das aller anderen 7,5 Milliarden Menschen.

Darum, schau nicht beschämt nach unten, sondern seht auf und erhebt eure Häupter!

…weil sich eure Erlösung naht

Erlösung ist ein altes Wort, dass heute fast nur noch in kirchlichen Zusammenhängen gebraucht wird. Was heißt das eigentlich?

Natürlich können wir gut biblisch sagen, dass Gott uns durch Jesus erlöst. Aber, sorry, damit sind wir ja immer noch nicht weiter. Was heißt das denn dann?

Schauen wir mal auf die konkrete Bedeutung. Das griechische Wort an dieser Stelle bezog sich ursprünglich auf die Freilassung eines Sklaven. Man könnte also auch sagen: … weil sich eure Befreiung naht.

Damit hat dieses Wort etwas zu tun, wo es heute manchmal noch gebraucht wird. Etwa, wenn wir sagen, er wurde von seinen Qualen erlöst oder der Tod war für sie eine Erlösung. Von Krankheit und Leid befreit zu werden, ist Erlösung.

Schade nur, wenn wir das nur auf den Tod beziehen. Das ist so furchtbar endgültig. Natürlich nicht falsch. Als Christen haben wir ja eine Hoffnung über den Tod hinaus und sehnen uns nach endgültiger Erlösung – Befreiung – durch Gott von allem Leid, Tränen und Tod.

Ich möchte aber noch einen Schritt weitergehen, oder besser gesagt, zurück. Zurück vom Tod, mitten in unser Leben.

Im Duden habe ich gelesen, dass Erlösung auch so viel heißt, wie Entlastung, Entschärfung, Entspannung, Erleichterung.

Wem fällt dabei nicht so manches mitten aus seinem Leben ein.

  • Entlastung von der riesigen Arbeitsbelastung, die einen fast erdrückt.
  • Entschärfung einer angespannten Situation zwischen zerstrittenen Menschen.
  • Entspannung, ja durchaus auch im Wortsinn, nach einem harten Arbeitstag.
  • Erleichterung, wenn eine schwierige Situation gemeistert wurde und alles gut gegangen ist.

Jeder und jede kann sicher diesen Faden immer noch weiterspinnen.

Wäre es nicht erlösend, befreiend, wenn Jesus genau diese Dinge auch gemeint hat, als er von der nahen Erlösung gesprochen hat. Erlösung für alle Ewigkeit, ja, aber auch Erlösung mitten im Leben.

Genau das ist es, was Gott für unser Leben will. Er will, dass es uns gut geht, dass wir das Leben genießen können. Wir dürfen Entlastung, Entspannung und Erleichterung erfahren, weil er an unserer Seite geht, uns liebt und für uns da ist. Er kommt zu uns, damit wir leben können. Das ist die Botschaft die der Wochenspruch 2. Advent uns vermittelt.

Und so schließt sich der Kreis: Weil unsere Befreiung nahe ist, können wir aufblicken und erhobenen Hauptes durchs Leben gehen – im Blick auf unser Glück, mit Blick für unseren Nächsten und im Blick auf Gottes wunderbare Zukunft.

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe