Predigttext: Lukas 10, 38-42

Liebe Gemeinde!
Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe. Jesus schätzt den Dienst, den Martha tut.
Es ist gut, dass es Menschen gibt in unserer Gemeinde, unserer Kirche, die den alltäglichen Dienst tun, für den sie ihre Aufgaben übernommen haben.
Heute möchte ich mich aber auf Maria konzentrieren!
Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. Das sagt Jesus, über das was Maria tut.
Was haben wir zu tun, Liebe Gemeinde, wenn wir das tun wollen, was Jesus von uns erwartet?
Es gibt viel, was hierzu zu sagen wäre, aber ich möchte eine Sache besonders hervorheben: das hat zu tun mit zwei aktuellen Dingen, die wir in den letzten Tagen wahrscheinlich alle in den Nachrichten gesehen haben.
1. das Gedenken an den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz,
2. den Besuch unseres Bundespräsidenten in Israel.
Was haben wir als Christen zu tun?
Ich gebe zu, das ich mich in dieser Predigt ein wenig von dem Text, der als Predigttext vorgesehen ist, entferne. Aber es ist mir persönlich und als Pfarrer unserer Kirche ganz besonders wichtig.
Was haben wir als Christen zu tun?
Ich persönlich bin zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs geboren, das heißt, dass ich wie die meisten Menschen, die heute leben, keine persönliche Schuld an den Ereignissen im Dritten Reich habe. Ich bin, wie wahrscheinlich die meisten von ihnen, der Meinung, dass es nicht sein kann, dass wir als Deutsche uns permanent immer nur entschuldigen müssen, für das was vor über sechzig Jahren passiert ist.
Und dennoch haben wir eine besondere Verantwortung. Das was geschehen ist, darf nie wieder geschehen!
Ich bin ganz persönlich fest davon überzeugt, dass wir alle als Christen, egal ob wir politisch auf Seiten der SPD oder der CDU, der FDP oder der Grünen stehen, unserem Bundespräsidenten den Rücken stärken müssen! Ich habe in den Nachrichten gesehen und gehört, wie er sich in Israel verhalten hat und was er gesagt hat. Ich war zutiefst beeindruckt über die Art und Weise, wie er sich verhalten hat und was er in der Knesset, dem Parlament Israels, gesagt hat. Insbesondere glaube ich ihm seine persönliche Betroffenheit, die man besonders feststellen konnte, wenn man ihm in die Augen blickte. Beim Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem für die Opfer der Judenvernichtung der Nationalsozialisten standen ihm Tränen in Augen, ebenso bei einigen Passagen seiner Rede vor dem Parlament. Ich glaube, dass diese Bilder mehr zeigen als alle Worte, die er sagen könnte.
Am vergangenen Donnerstag habe ich im Fernsehen einen Film über das Verhalten von Christen in der letzten Kriegstagen gesehen. Vielleicht hat es mich besonders beeindruckt, weil viel von dem Schicksal von Pfarrern in dieser Zeit die Rede war. Ich muss zugeben, dass mir die Tränen in den Augen standen, als ich die Geschichten hörte, wie Pfarrer und andere Christen beider großen Kirchen in den letzten Kriegstagen alles versucht haben, um das Schicksal der Deutschen Städte und Dörfer, und vor allen Dingen der Menschen, erträglich zu machen. Viele, Hunderte, wurden Opfer der SS und anderer verblendeter Angehörige des Naziregimes.
Ist das alles nur Geschichte? Erinnern wir uns an den Auftritt der NPD vor nicht allzu langer Zeit im Parlament Sachsens! Ist das wirklich alles nur Geschichte?
Was haben wir als Christen zu tun?
Was geben wir unseren Kindern und Enkeln eigentlich mit? Was versuchen wir ihnen beizubringen? Geht es nur um handwerkliche Fähigkeiten, Wissen, Geld und Besitz? Oder haben wir als Christen nicht vielmehr die Aufgabe unseren Kindern und Enkeln etwas von unseren Glauben an diesem Jesus Christus weiterzugeben? Wie sieht es aus mit den Werten für die unsere Kirche und unser Glaube stehen?
Sollten wir uns nicht vielmehr darüber Gedanken machen?
Gehört nicht zu dem, was Jesus uns aufgetragen hat auch die Liebe zu den Feinden, die Liebe zu den Menschen, die uns nicht so nah stehen wie unsere eigenen Kinder und Angehörigen? Gehört nicht auch zu dem was Jesus uns aufgetragen hat, dass wir mutig und offenen uns zu dem bekennen? Gehört nicht auch zu dem, was Jesus uns aufgetragen hat, dass wir das unseren Kindern und Enkeln weitergeben?
Auf den ersten Blick scheint bei uns in Deutschland alles in Ordnung zu sein, was die Demokratie und das Verhältnis zu anderen Nationen und Staaten und Völkern betrifft. Aber heißt es nicht richtig: Wehret den Anfängen!
Wenn ich auf meine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen blickte, dann scheint es mit dringend nötig, dass wir den Anfängen wehren!
Ich glaube es ist jetzt so weit, Liebe Gemeinde! Vielleicht wenn ich mich etwas weit aus dem Fenster aus mit dieser Predigt, aber das ist mein Eindruck.
Was würde Jesus zu dem allen sagen? Haben wir uns das schon mal ernsthaft und ehrlich gefragt?
Eins aber ist not, sagt Jesus. Es ist heute not, dass wir in Wort und Tat konsequent das tun und sagen, was Jesus uns aufgetragen hat.
Amen!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe