Wochenspruch zum Sonntag Rogate

Der Wochenspruch zum Sonntag Rogate steht in Psalm 66, 20:
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.

Rogate heißt „Betet“

Der Name dieses Sonntags Rogate bedeutet auf Deutsch „Betet!“ Der Ursprung liegt in den Bitten für eine gute Ernte, nachdem in der Frühlingszeit die Saat ausgebracht wurde. Es ist sozusagen das „Gegenstück“ zu Erntedank. In diesen Zusammenhängen erkennt man auch noch einige Grundformen des Gebets: Bitten, Fürbitten, Dank und Lob.

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Information über die Wochensprüche

Willst Du mehr über die Wochensprüche des Kirchenjahres erfahren? Dann klicke hier: Wochenspruch.

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Alle Wochensprüche des Kirchenjahres

Alle Wochensprüche habe ich hier aufgeführt: Die Wochensprüche des Kirchenjahres.

Wir leben heute aber nicht mehr in einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft. In Zeiten der Digitalisierung und Individualisierung ist vielen Menschen – sogar Gläubigen – das Gebet nicht mehr selbstverständlich. Ich werde auch immer wieder gefragt, wie man überhaupt beten „soll“ oder noch grundsätzlicher, ob Gebet etwas „nützt“.

Meine allererste Antwort ist schlicht und einfach: weder „soll“ man beten, noch „nützt“ beten etwas. Vielleicht sind einige jetzt erst einmal erstaunt oder gar verärgert, aber lass es mich etwas genauer erklären.

Was ist eigentlich „Beten“?

Fast jeder Mensch betet! Sogar viele, die von sich selbst sagen, sie seien nicht gläubig. Auch wenn sie sagen würden, dass es nur so ein Spruch ist, ist es doch ein Stoßgebet, wenn jemand ausruft: „Mein Gott!“ oder „Oh, Gott!“ So einfach kann das sein.

Natürlich gibt es auch viel ausgeformtere Gebete, die viele Menschen auch auswendig können, wie zum Beispiel das Vaterunser. Gebete im Gottesdienst werden meist von Pfarrerinnen, Pfarrern oder anderen Mitarbeiter*innen gut vorbereitet und formuliert.

Es gibt Kindergebete, die häufig auch gereimt sind und die man einmal auswendig gelernt hat.

Auch Schweigen kann ein Gebet sein oder eine Kerze anzünden oder ein Lied singen.

Wer gläubig ist, denkt oder spricht auch freie Gebete in einer Form, die nicht vorgegeben ist. Man bespricht sozusagen mit Gott oder vor Gott alles, was einem gerade in den Sinn kommt.

Im Gebet gibt es Bitten, Fürbitten (also Bitten für andere), Dank und Lob.

Laut Wikipedia ist Beten „eine verbale oder nonverbale rituelle Zuwendung an transzendente Wesen (Götter, Gottheiten).“

Ich würde sogar noch etwas weiter gehen: Ist nicht alles Denken und Reden und vielleicht sogar Fühlen, dass uns in Verbindung mit etwas Größerem als unserem Selbst bringt, ein Gebet?

Wie beten?

Gerade Menschen, die zwar schon „irgendwie“ glauben, aber der Kirche und der christlichen Praxis eher fernstehen, fragen oft, wie man den beten „muss“. Es klingt dann etwas mit, als ob das Gebet etwas Kompliziertes ist, das man erst lernen muss. Vielleicht wirkt es auch irgendwie geheimnisvoll oder gar „komisch“, seltsam, altertümlich.

Manchmal wird gefragt: Muss es besonders schön sein? Muss es bestimmten Vorgaben folgen? Gibt es Voraussetzungen dafür, dass ein Mensch überhaupt beten darf – z.B. eine bestimmte Art des Glaubens?

Ach, ich hab keine Ahnung, was wir in der Kirche eigentlich in den letzten Jahrhunderten angestellt haben, dass die Sache mit dem Glauben und auch dem Gebet offensichtlich so kompliziert geworden ist. Da haben wir wohl irgendetwas falsch gemacht.

Nein, Beten ist ganz einfach. Es gibt zwar vielfältige Möglichkeiten und Hilfen, aber nichts davon ist ein „Muss“. Es gibt Körperhaltungen (knien, stehen, Hände falten, Hände erheben…). Man kann mit offenen oder geschlossenen Augen, laut oder leise beten. Vorformulierte Gebete können eine Hilfe sein, aber… ganz wichtig…

Es gibt keine Vorschriften! Es gibt keine Vorbedingungen!

Wenn Du beten willst, dann tu es einfach!

Ach ja, wenn Du nicht beten willst, dann brauchst Du es auch nicht zu tun. Ich gebe zu, dass es in meinem Leben (und das, obwohl ich Pfarrer bin) auch Zeiten gegeben hat, in denen ich wenig oder gar nicht gebetet habe. Deshalb bist Du kein „Ungläubiger“ und erst recht kein schlechterer Mensch! Vielleicht kommt ja irgendwann wieder eine Zeit, in der das Gebet Dir gut tut.

Beten ist Kommunikation

Jetzt möchte ich aber noch mal direkt auf den Wochenspruch kommen: In der Wikipedia heißt es auch: „Das Gebet unterscheidet sich durch seine persönliche und kommunikative Komponente von anderen religiösen Praktiken.“

Das ist etwas, das mir besonders wichtig ist und zwar auf zwei Ebenen:

  1. Wenn Du gläubig bist, dann verbindet beten Dich mit Gott.
  2. Beten – vor allem die Fürbitte – verbindet Dich auch mit anderen Menschen.
  3. Im Gebet kannst Du auch eine tiefere innere Verbindung mit Dir selbst finden.

Genau das kommt in dem Wochenspruch ja zum Ausdruck. Der Gott der Juden und der Christen ist ein Gott, der empfänglich ist für die Anrede durch die Gläubigen. Es geht um eine persönliche Beziehung, die dann auch symbolhaft für die Beziehungen zwischen Menschen steht.

Bitte nicht falsch verstehen: Beten ersetzt nicht den persönlichen Kontakt in der Begegnung, telefonieren, schreiben, chatten mit Familien, Freunden, Kollegen, aber es schafft eine tiefere Verbindung. Versuch es doch einfach einmal. Schicke den Menschen, die Dir am Herzen liegen im Gebet ein paar gute Gedanken!

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Dieser Beitrag steht im Abschnitt Wochenspruch.

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Was nützt beten?

Im Psalm 66 werden überstandene Gefahren des Volkes und auch besondere Situationen im Leben eines Einzelnen erinnert. Dies wird aber sozusagen vor Gott und den Menschen ausgesprochen. Damit werden diese Erlebnisse auch gleichzeitig interpretiert.

Der Beter bezieht Gott in sein Leben mit ein. Er findet einen Sinn in dem, was er erlebt hat. Damit vertieft er sein Leben. Er geht nicht einfach so über die Ereignisse hinweg. Er erinnert. Er findet Sinn. Er wird dankbar.

Na, wenn wenigstens das aus dem Beten wird, dann ist doch schon viel gewonnen. Selbst wenn ein Mensch nicht besonders gläubig ist und sich nicht sicher ist, wie und ob er beten soll.

Und was ist, wenn Gott wirklich da ist und zuhört und helfen will? Das wäre doch wunderbar, oder? Ob ein Gebet in dem Sinne wirklich wirksam ist, dass eine Bitte „erfüllt“ wird, das ist sicher nicht zu beweisen. Es ist für einen gläubigen Menschen höchstens im Nachhinein spürbar.

In dem Wochenspruch gibt es aber noch etwas, das mich direkt etwas gestört hat. Warum wird der Satz negativ gewendet? In Vers 19 dagegen wird es positiv ausgedrückt: „Aber Gott hat mich erhört und gemerkt auf mein Flehen.“ Natürlich ist es eine poetische Kunstform, sozusagen parallel zu formulieren – einmal positiv, einmal negativ. Doch scheint es mir noch ein klein wenig tiefer zu gehen. Dieser „Stachel“ der negativen Formulierung macht vielleicht darauf aufmerksam, dass es beim Beten eben nicht die einfache Gleichung gibt: beten = erfüllen. Letztlich ist es doch immer eine Sache des Glaubens.

Weiterdenken

Möchtest Du noch mehr dazu lesen? Dann findest Du hier auf meinem Blog folgende Möglichkeiten:

Predigt zu Rogate

Morgenandacht

Beitrag über Wochensprüche

Und hier sind weitere Links aus dem Netz, unter denen Du weitere Informationen findest. Es gibt auch in unserer digitalen Zeit einige interessante Möglichkeiten. Schau Dich doch einfach mal etwas um.

https://www.ekd.de/Beten-11158.htm

Themenseite zum Thema Beten auf ekd.de

http://www.evangelisch.de/rubriken/beten?kamp=menu

http://www.wie-kann-ich-beten.de/

Hier klicken um das Video auf Youtube zu schauen.

Seite, um gemeinsam online zu beten: http://gebet.evangelisch.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Gebet

Beten zum Schluss

Ich komme noch einmal zum Anfang zurück: Also, „soll“ ich nun beten? Nein, es gibt keinerlei Zwang dazu, aber wenn Du Beten als hilfreich erlebst, wenn es Dir hilft, Dein Leben in einem tieferen Zusammenhang zu bedenken, dann ist es doch wunderbar. Wenn Du an Gott glaubst, dann wird es Dir guttun, im Gedanken an Gott zu bitten, auch für andere, dankbar zu sein und Dich über Dein Leben mit allem, was dazu gehört, zu freuen.

Also „nützt“ beten etwas? Nein, es geht gar nicht darum, immer alles unter dem Gesichtspunkt der „Nützlichkeit“ zu sehen. Beten ist zuerst etwas, das guttut. Es kann Dir helfen, Dein Leben klarer und tiefer zu sehen und zu verstehen. Es ist ein kommunikatives Geschehen, dass Dich auch mit anderen Menschen und natürlich mit Gott gedanklich in Verbindung bringen kann. Beten kann Dein Leben reicher machen. Wenn das alles für Dich „nützlich“ ist, dann „nützt“ auch beten. Aber definitiv nicht in der einfachen Gleichung: Du betest und Gott macht es so. Das ist zu einfach.

Letztlich kommt es nur darauf an, was Du selbst für Erfahrungen damit machst. Versuch es doch einfach mal.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe