Bewusst machen?

„Bewusst machen“ klingt als Überschrift über diesen Beitrag vielleicht etwas seltsam. Ich habe aber schon seit langer Zeit vor, ein paar Gedanken dazu aufzuschreiben. Mir ist dieser kleine Ausspruch „bewusst machen“ sehr wichtig geworden.

Warum? Es gibt so viele Dinge im Leben, die unbewusst ablaufen, aber den Alltag stark beeinflussen. Dazu gehört natürlich auch sowas wie der Herzschlag und die Atmung. Das meine ich aber jetzt nicht. Mir geht es hier um Dinge, die ich beeinflussen, eventuell auch verändern könnte, wenn sie mir bewusst wären. Häufig wäre das auch eine Verbesserung meines Alltags, meiner Arbeit, meiner Gefühlslage.

Unbewusstes prägt das Leben

Häufig gibt es unbewusste Gründe für problematische Dinge. So manche Erlebnisse und Erfahrungen, die wir gemacht haben, beeinflussen uns in unserem aktuellen Leben. Vor einiger Zeit habe ich z.B. einen Beitrag über „sinnlose Gedanken“, Grübeln geschrieben. Woher kommen diese Gedanken, wie kann man damit umgehen? Der erste Schritt zu einer möglichen Lösung ist: „bewusst machen“, was da eigentlich vor sich geht.

Manchmal werden auch unsere Reaktionen auf Situationen unbewusst durch Vorerfahrungen gesteuert. So gibt es zum Beispiel manchmal heftige Reaktionen auf Situationen oder Aussagen – „Das hat meine Schwiegermutter immer gesagt. Das war so schlimm für mich. Ich kann das nicht mehr hören.“ Bewusst machen, dass das so ist, ist dann fast immer der erste Schritt zu einer Veränderung.

Auch gibt es Prägungen aus der Vergangenheit, die uns heute unbewusst beeinflussen. Leider wirken sich diese Erfahrungen häufig auch negativ aus. Z.B. „Glaubenssätze“ aus der Kindheit und Jugend bestimmen auch unser Verhalten im Erwachsenenleben. Vor einiger Zeit habe ich auch darüber einen Beitrag geschrieben: „Glaubenssätze – können Frauen logisch denken und dürfen echte Männer weinen?

Wenn ich über „bewusst machen“ nachdenke, dann fallen mir auch eine Menge Dinge ein, an denen wir oft achtlos vorbeileben. Zum Beispiel die berühmte „Blume am Wegesrand“ – denk mal darüber nach, was das für Dich sein kann. Vielleicht gehen wir auch unachtsam an Menschen vorbei, die uns viel zu geben hätten.

Unwissen kann auch mit Unbewusstem zusammenhängen. Manchmal hilft es zum Beispiel, zu erfahren, warum ein Kollege immer so mies drauf ist. Vielleicht hat das ja einen Grund, den man gut verstehen kann. Dann kann man sich das bewusst machen, wenn der Kollege einen wieder mal ohne ersichtlichen Grund anraunzt.

Sogar im Blick auf eine glücklichere Zukunft, ist es gut, sich bewusst zu machen, was eigentlich meine Ziele und Wünsche sind. Kann ich mein heutiges Handeln darauf ausrichten, dass sie in Erfüllung gehen? Eine gute Möglichkeit dafür ist es, eine Löffelliste zu führen.

Bewusst machen kann helfen…

Du siehst, es gibt ganz schön viel, was in unserem Leben abläuft, ohne, dass es uns bewusst wird. Ich möchte gerne in der nächsten Zeit versuchen, viel bewusster damit umzugehen. Ich versuche, mir immer mal wieder Zeit zu nehmen und darüber nachzudenken. Einmal innehalten und sich bewusst werden, was tatsächlich da ist und vor sich geht und in mir abläuft, das kann so manchen positiven Einfluss auf den Alltag haben.

Vergangenes verarbeiten

Erfahrungen, besonders negative, die wir in unserem Leben gemacht haben, können bleibenden Einfluss auf unser Verhalten und die Psyche in der Gegenwart haben. Oft ist uns der Zusammenhang gar nicht bewusst und deshalb können wir diese Auswirkungen auch nicht bearbeiten. „Bewusst machen“ ist deshalb der erste Schritt zur Veränderung.

Alltägliches Handeln und Denken positiv beeinflussen

Versuchen wir Zusammenhänge mit vergangen Erfahrungen, aber auch Hintergründe im aktuellen Verhalten – bei uns und bei anderen -, zu verstehen und uns klar zu machen, was das bedeutet, dann kann das sehr positive Auswirkungen haben. Vielleicht bleibt man einfach mal ganz ruhig in einer stressigen Situation, weil man weiß, da steckt was ganz anderes dahinter. Möglicherwiese können Gedankenkreise und Grübeleien gestoppt werden, weil klar wird, dass sie sich mit Dingen beschäftigen, die keinen echten Hintergrund haben. Sich bewusst zu machen, was hinter den Dingen steckt, kann große Veränderungen herbeiführen.

Achtsamkeit

Letztlich führt das alles auch zu dem Gedanken der „Achtsamkeit“. Ich weiß, das ist heute ein Modewort, aber trotzdem wird es dadurch ja nicht falsch. Viele meinen aber, Achtsamkeit würde nur „richtig gemacht“ mit Übungen und Meditation und so weiter und so fort. Das mag ja auch hilfreich sein, aber mir geht es um etwas viel einfacheres. Wenn wir einfach mehr darauf achten, was um uns herum und auch in uns geschieht, dann ist schon einiges geholfen.

Ich erwähne noch einmal die berühmte „Blume am Wegesrand“. Das mag etwas abgedroschen klingen, aber es ist so viel wert, wenn wir solche Blumen wahrnehmen. Das hilft auch gegen die vielzitierte „Beschleunigung unseres Lebens“.

Es ist einfach schön und tut vor allem gut:

  • einmal sich die Zeit zu nehmen, bewusst ein Buch zu lesen
  • Musik hören ohne etwas anderes nebenher zu erledigen
  • einem anderen Menschen mit ganzer Aufmerksamkeit zuhören ohne sich ablenken zu lassen
  • eine Tätigkeit ohne Multitasking ganz intensiv tun
  • den Sonnenuntergang in aller Ruhe mal wenigstens ein paar Minuten beobachten
  • (Dir fällt bestimmt noch eine ganze Menge mehr ein…)

Vielleicht sollten wir dieser ganz einfachen Art der Achtsamkeit viel mehr Raum geben in unserem Alltag.

Hier und heute leben

Das führt dann auch zum Leben in der Gegenwart. Wenn ich oben geschrieben habe, dass es wichtig ist, sich der Erlebnisse und Prägungen der Vergangenheit bewusst zu werden, dann habe ich damit nicht gemeint, dass wir nur noch in der Vergangenheit leben und denken. Es soll helfen, das Leben heute bewusst zu erleben. Auch die Achtsamkeit ist eine Hilfe zum „Da-sein“ im Alltag. Sich selbst spüren, beim anderen Menschen sein, Arbeit und Freizeit bewusst zu erleben – darin kann so viel Glück liegen.

Vertiefen

Letztlich hilft das zu einem Leben, dass nicht so oberflächlich geführt wird. Ich bin überzeugt davon, dass das auch einen engen Zusammenhang mit Religion hat. Das Leben, den Alltag, das Erleben und Denken und Fühlen zu vertiefen, das bringt mehr Glück und Zufriedenheit, als immer wieder mehr und weiter und schneller.

Manchmal kann es weh tun, sich Dinge bewusst zu machen. Meistens aber hilft es zu einem erfüllteren, tieferen Leben und macht den Alltag leichter und das Leben – auch das Zusammenleben mit anderen Menschen – schöner.

Dieses Erlebnis wünsche ich Dir von ganzem Herzen!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe