Ich bin so froh dass ich geboren bin! Ich weiß gar nicht, was ich die letzten 51 Jahre ohne mich gemacht hätte! (Danke Tina Godi für den Hinweis auf den Spruch)

Heute ist mein 51. Geburtstag

Es ist für mich wie der erste Geburtstag meines neuen Lebens. Ich fühle mich wie neugeboren, nachdem mein 50. im letzten Jahr einer der traurigsten Tage – mindestens aber der traurigste Geburtstag – in meinem Leben gewesen ist.
Über meine Erkrankung habe ich ja bereits mehrfach geschrieben, zum Beispiel hier oder hier. Als dann im Frühjahr letzten Jahres meine Frau sich nach 30jähriger Beziehung und kurz vor unserer Silberhochzeit von mir trennte, war ich am Boden zerstört. Ich hatte das Gefühl, alles sei am Ende. Es ging gar nichts mehr. Schließlich war ich fix und fertig mit der Welt, ging kaum noch aus dem Haus, hatte fast keine sozialen Kontakte mehr, wog beinahe 100kg, nahm ca. 10 verschiedene Medikamente jeden Tag, hatte kaum noch Bewegung und wollte mich am liebst einfach in Luft auflösen.

Und heute?

Ich arbeite wieder in meinem Beruf als Pfarrer. Ich nehme keine Medikamente mehr, habe 20kg abgenommen, laufe beinah jeden Tag einige Kilometer, bin so fit und gesund wie seit ewigen Zeiten nicht mehr. Ich habe Freunde – wenn auch einige weniger als früher – und gehe aus. Ich liebe meine Kinder. Ich habe eine neue Beziehung mit einer wunderbaren Frau. Ich höre wieder liebend gerne Musik. … Ich genieße das Leben!

Wie habe ich das geschafft?

Ganz wichtig: Meine Kinder haben mich niemals losgelassen – Danke, Jana, Marc und Annika!
Viele andere Menschen und viele Einflüsse könnte ich hier nennen, aber es kommt vor allem letztlich immer auf dich selbst an. Du musst dein Leben selbst leben. Alles andere ist Blödsinn. Es nützt alles nichts: Geh den nächsten Schritt, so klein der auch sein mag.
Das hört sich so einfach an, aber es ist natürlich ein ziemlicher Brocken, bis du dahin kommst, wenn du mal ganz unten bist. Ich bin überzeugt, dass es keinen anderen Weg gibt, als sich auf sich selbst zu besinnen.
Ein paar Hinweise möchte ich dir aber trotzdem noch dazu geben.

Was ich gelernt habe:

Nichts ist sicher! Okay, das klingt vielleicht sehr pessimistisch, ist aber nicht so gemeint. Wir nehmen viel zu viel als selbstverständlich hin in unserem Leben. Pass auf! Das ist der Anfang vom Ende! Achte auf dich, achte auf die Menschen um dich herum. Lebe heute, denn nichts ist sicher!

Freundschaften haben eine Grenze! Ja, das ist so. Ich dachte immer, echte Freunde halten alles aus und gehen mit dir durch dick und dünn. Sei Realist! Das ist eine wahnsinnige Überforderung von Freundschaft. Natürlich sind echte Freunde für dich da, aber sie können auch nicht alles aushalten. Besonders bei einer Trennung muss man sich wohl darauf einstellen, dass nicht alle Freundschaften das Ereignis überdauern. Schließ ab damit und geh weiter.

Es geht immer weiter! So banal es klingt, aber der Spruch ist wahr: „Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.“ Oder auch mit den Worten eines Fußball-Trainers: „Lebbe geht weida…“

Geh den nächsten Schritt! Bleib nicht stehen, verkriech dich nicht! Geh weiter, wie klein der nächste Schritt auch sein mag. Wie Andreas Bourani singt: „komm nicht auf Scherben zum stehn!“
Beispiel: Mit klitzekleinen Schritten habe ich es geschafft wieder fit zu werden. Zuerst nur wenige Minuten wie ein Spaziergang, nach einiger Zeit 15min Nordic Walking, dann 30min, inzwischen etliche Kilometer im Dauerlauf plus Fitnessstudio… Alles fängt klein an!

Entscheide dich! Es ist schon so, dass alles klein anfängt, aber davor steht die Entscheidung. Entscheide dich, den nächsten Schritt zu gehen. Entscheide dich, jetzt 5min vor die Tür zu gehen. Entscheide dich, wieder zu leben. Entscheide dich, auch wenn du Angst vor einem Fehler hast. Die Chancen sind größer, als die Risiken.

Akzeptiere! Meistens bekommt man gesagt: Du musst loslassen. Was für eine Binsenweisheit. Nützt so eigentlich gar nichts. Trotzdem ist es nicht ganz verkehrt. Ich glaube aber, dass der Ausdruck „Akzeptanz“ besser dafür ist. Akzeptiere, was du nicht ändern kannst. Akzeptiere dein Leben. Akzeptiere dich selbst mit allen Fehlern und Stärken. Akzeptiere die Schwierigkeiten und Probleme.
Akzeptiere vor allem auch deine Entscheidungen!
Es gibt einen schönen Spruch auf dem Westerwald dazu: „Hinnerm Pflug is geackert.“ Fertig! Ende!

Liebe dich selbst! Sei du selbst! Glaub an dich! Ja ich weiß, das ist gar nicht so leicht. Entscheide dich einfach dafür, dass du es lernen willst. Dann geh den nächsten winzig kleinen Schritt und akzeptiere was dir begegnet. Auch wenn es unmöglich erscheinen will, glaub mir, ich habe erlebt, dass es geht!

Wie geht es weiter?

Ich habe keine Ahnung! Was die Zukunft bringt ist ungewiss. Was heute ist, das weiß ich: Ich bin so froh dass ich geboren bin!

Ich geh‘, weiß nicht wohin.
Mich wundert, dass ich so fröhlich bin!

Aber ich habe Pläne, auch mit meinem Blog hier. Gerade der Punkt mit den Entscheidungen hat mich in der letzten Zeit sehr beschäftigt. Ich bin gerade dabei einen Artikel darüber zu schreiben. Das wird hier wohl das Nächste sein.
Außerdem wird bald ein Artikel von Bettina Dreiseitel, die einige Leser sicher kennen, auf meinem Blog erscheinen. Darauf freue ich mich schon sehr.

Ich freue mich auch, wenn du mich ein Stück Weges begleitest, zum Beispiel, indem du meinen Blog weiterhin mitliest. Wenn du regelmäßig informiert werden möchtest, was es Neues gibt, dann kannst du meinen Newsletter bestellen.

Danke, dass du bis hier hin gelesen hast. Ganz super wäre es, wenn du mir einen Kommentar unten schreibst. Danke schön!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe