Lutherbibel – Hintergründe, Geschichte

Die Entstehung der Lutherbibel beginnt mit einer spannenden Geschichte.

Auf dem Reichstag in Worms verteidigte Martin Luther seine neue reformatorische Lehre und wurde dafür geächtet und für vogelfrei erklärt. Das heißt, er schwebte in Lebensgefahr und hätte von jedem getötet werden können. Sein Landesherr Friedrich der Weise ließ ihn deshalb „entführen“ und auf die Wartburg in Sicherheit bringen.

Das waren dramatische Ereignisse, die aber dazu führten, dass Luther von Mai 1521 bis März 1522 viel Ruhe und Zeit hatte. In seiner „Lutherstube“ auf der Wartburg hat er so manchen inneren Kampf gehabt. Berühmt geworden ist die Szene, in der er mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben soll. Er war dazu verurteilt, sich zu verstecken und still zu halten. Für diesen Mann mit seinem Tatendrang sicher keine leichte Zeit.

Also hat er sich beschäftigt und begann das Neue Testament aus dem griechischen Text der Septuaginta zu übersetzen. In nur wenigen Wochen vollendete er diese Arbeit.

Ich den folgenden Jahren übersetzte er dann auch das Alte Testament. Immer wieder glich er seine Übersetzung mit seinem Freund und Mitarbeiter Philipp Melanchthon ab. Im Jahr 1534 erschien dann die gesamte Bibel mit Altem und Neuem Testament in deutscher Sprache.

Die Lutherbibel war die erste Übersetzung der ganzen Bibel auf Deutsch.

Das allein war schon eine „historische“ Tat. Bis dahin konnte das einfache Volk die Bibel nicht lesen. Nur gebildete (Kirchen-) Männer, die die alten Sprachen – vor allem Latein oder auch Hebräisch und Griechisch – gelernt hatten, konnten sie lesen und durften sie nach den Regeln der Kirche auslegen. Jetzt hatte grundsätzlich jeder Mensch die Möglichkeit, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Aber auch darüber hinaus ist diese Bibel nach Martin Luther sehr folgenreich geworden. Luther übersetzte in einer Sprache, die verständlich war für das Volk. Er nannte das: „Dem Volk aufs Maul schauen!“ So manche Bibelstelle ist in einer sehr deftigen und bildreichen Art übersetzt. Die Lutherbibel gilt bis heute als eine kommunikative Übersetzung, die vor allem für den Leser verständlich sein möchte, und als eine besonders sprachgewaltige und ästhetische Bibelübersetzung. Luther kam es darauf an, dass jeder Christ das Wort Gottes selbst lesen konnte.

Dadurch wurde die Bibel Martin Luthers prägend für die deutsche Sprache. Durch sie hat sich unser modernes Hochdeutsch ausgebildet.

Martin Luther selbst hat bis zu seinem Tod 1545 immer weiter an seiner Übersetzung gearbeitet. Immer wieder korrigierte und verbesserte er. Bis heute gehen diese Arbeiten weiter. Immer wieder wurde der Text überarbeitet. Dabei hat man immer versucht, die Sprachgestalt und die Vorstellungen Luthers beizubehalten. Allerdings wurden immer wieder unverständliche Worte und Ausdrücke aktualisiert und Korrekturen aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse gemacht.

Die letzte Aktualisierung (Revision) wurde 2017 vorgenommen. Auftraggeber war die Evangelische Kirche in Deutschland, der der Text der Bibel Martin Luthers „gehört“. Herausgegeben wird die neue Lutherbibel 2017 von der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart.

In dieser aktuellen Ausgabe wurden wissenschaftliche Forschungsergebnisse berücksichtigt und heute unverständlich gewordene Ausdrücke aktualisiert. Es wurde aber auch nach Möglichkeit der ursprüngliche Wortlaut Luthers wiederhergestellt, der bei früheren Überarbeitungen verändert wurde.

Zielgruppe

Martin Luther wollte wohl eine Übersetzung für alle machen, eine Bibel für das Volk. Seitdem sind aber 500 Jahre vergangen und heute haben verschiedene Menschen verschiedene Ansprüche.

Aufgrund ihrer Sprachgestaltung und des immer noch vorhandenen Anklangs an Luther ist die Bibel Martin Luthers eine eher anspruchsvolle Übersetzung. Manchmal wirkt sie etwas altertümlich. Allerdings ist sie auch ästhetisch wertvoll, zum Vorlesen gedacht, manchmal etwas deftig und manchmal einfach nur schön.

Mir ist bei der Lutherbibel besonders wichtig, dass viele Sätze sprichwörtlich geworden sind. Manche Texte kennen viele Menschen auswendig (nicht nur das Vaterunser…).

Die Lutherbibel ist immer noch die offizielle Version in der evangelischen Kirche, d.h. zum Gebrauch in Gottesdienst und Unterricht vorgesehen.

Aus diesen Gründen ist die Lutherbibel vor allem für Menschen, die sich in der evangelischen Kirche „zu Hause“ fühlen geeignet. Wer sich als evangelischer Christ intensiver mit der Bibel beschäftigen möchte, kommt um die Bibel Luthers kaum herum.

Wenn du eine Bibel als Geschenk aus Anlass einer Amtshandlung (Taufe, Konfirmation, Trauung…) in der evangelischen Kirche suchst, dann gibt es besonders gestaltete Ausgaben der Lutherbibel. Meiner Meinung nach, sollte es aber eben auf jeden Fall eine Lutherbibel sein.

Übersetzungsmethode

Luther übersetzte aus dem Hebräischen und Griechischen unter Verwendung der Vulgata (lateinische Übersetzung). Bei den Überarbeitungen wurden die aktuellen wissenschaftlichen Urtextausgaben berücksichtigt um Korrekturen vorzunehmen.

Die Deutsche Bibelgesellschaft schreib hierzu:

Philologische Übersetzung mit starkem kommunikativem Einschlag. Einerseits relativ wörtlich, oft sogar Wort für Wort; andererseits freie Wiedergabe des Sinnes in plastischem Deutsch an Stellen, auf die es Luther besonders ankam. https://www.die-bibel.de/bibeln/bibelkenntnis/wissen-bibeluebersetzung/deutsche-bibeluebersetzungen-im-vergleich/

Dieser Beitrag steht im Abschnitt Bibel kaufen, der zu dem Teil meines Blogs über Bibel gehört. Mit den Themen Kirche und Kirchenjahr bildet „Bibel“ den Bereich Spiritualität.

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Konfession

evangelisch

Besonderheiten

  • Neben dem sogenannten Alten Testament und dem Neuen Testament, gehören auch die Spätschriften des Alten Testaments, die sogenannten Apokryphen zur Lutherbibel. Die Apokryphen sind als Anhang zum AT gefasst. In katholischen Bibelausgaben sind sie im AT einsortiert.
  • Wichtige Bibelverse sind fett gedruckt. Das hilft beim Lesen und beim Finden der zentralen Aussagen der Heiligen Schrift.
  • Es gibt Fußnoten mit weiteren Informationen und Verweisstellen (Bibelstellen, die vergleichbaren Inhalt haben).
  • Im Anhang finden sich Sach- und Worterklärungen.
  • Zu manchen biblischen Büchern gibt es Inhaltsübersichten.

Bibliographische Angaben

Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung. Lutherbibel revidiert 2017, herausgegeben von der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2016; Ausgaben in verschiedenen Formaten und in zahlreichen Einbandvarianten mit und ohne Spätschriften.

Empfehlung

  • Für evangelische Christen ein Muss.
  • Besonders geeignet als Geschenk (für evangelische Christen) zu den kirchlichen Amtshandlungen (Konfirmation, Hochzeit…)
  • Wer sich intensiver mit der Bibel beschäftigen will und mehrere Bibelausgaben zur Hand haben will, der sollte darunter auf jeden Fall eine Lutherbibel haben.
  • Wenn du eine Lutherbibel kaufen willst, empfehle ich die aktuelle Revision: Lutherbibel 2017.

Ausgaben

Hier eine Auswahl aus den vielen verschiedenen Ausgaben der neuen Lutherbibel 2017 bei der Deutschen Bibelgesellschaft.

Links

Der Text der Lutherbibel ist auch online verfügbar:
https://www.die-bibel.de/bibeln/online-bibeln/lutherbibel-2017/bibeltext/

Ausführliche Informationen über die Entstehung und Hintergründe findest du auch hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Lutherbibel

Zur aktuellen Ausgabe der neuen Lutherbibel kannst du dich hier informieren:
https://www.ekd.de/Lutherbibel-2017-10854.htm

 

Hier habe ich einige grundsätzliche Informationen und Tipps zusammengestellt, wenn du eine Bibel kaufen möchtest:
https://uwe-hermann.net/leben/bibel-kaufen/

Suchst Du weitere Informationen? Hier findest Du alle meine Beiträge über die Bibel.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe