Predigt Himmelfahrt Epheser 1,(15–20a)20b–23

Predigt Himmelfahrt Epheser 1,(15–20a)20b–23 von Pfr. Uwe Hermann, Perikopenreihe III, Thema: Himmelfahrt wie Science fiction. Gehalten im Gottesdienst am 13.05.2021 in Sechshelden.

Sonn-/Feiertag: Himmelfahrt

Perikopenreihe III

Predigttext Epheser 1,(15–20a)20b–23

20b Gott hat Christus von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel
21 über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.
22 Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles,
23 welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.​

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Predigt Himmelfahrt Epheser 1,(15–20a)20b–23

Liebe Gemeinde!

Ich mag Science fiction! Raumschiffe, die zu fremden Sternen fliegen, Aliens, die mal gefährlich, mal liebevoll und weise sind. Ganz besonders mag ich an Science fiction, dass die Autoren oder Filmemacher einfach so die Naturgesetze aufheben können.
Seltsam, wenn Jesus das in der Bibel macht – wir nennen das Wunder -, dann finden das unsere Zeitgenossen unwissenschaftlich und unglaubwürdig. George Lucas und Steven Spielberg dürfen das aber immer und immer wieder.
Zum Beispiel die Aufhebung der Schwerkraft! Da fliegen futuristische Autos ohne Räder ein paar Zentimeter über dem Boden. Am faszinierendsten ist es, wenn Menschen einfach so in die Höhe steigen – ohne Düsenantrieb oder Propeller auf dem Kopf.

Können wir uns die Himmelfahrt Jesu so etwa vorstellen? Zumindest hört es sich so in den Berichten bei Lukas an. Auch die Darstellungen in der christlichen Kunst der vergangenen Jahrhunderte scheinen eine Vorstellung von der Aufhebung der Schwerkraft durch Gott zu haben.
Für uns heute aber ist das wohl eher ein altbackenes unglaubliches Wunder oder eben Science fiction; jedenfalls nicht zu verstehen und kaum zu glauben.

Vielleicht geht aber auch gar nicht darum. Dem Paulus geht es im Epheserbrief jedenfalls nicht darum, wie das abgegangen ist mit der Himmelfahrt.
Er zeichnet ein ganz anderes Bild. Es geht um die Macht Gottes über die Welt. Daran gibt er Jesus Anteil. Es steht wirklich die Vorstellung dahinter, die wir aus den Zeiten von Königen und Kaisern haben. Der Kaiser – Gott – übergibt seinen Thron dem Sohn – Jesus. Damit geht auch die Macht auf ihn über.

Habt Ihr auch die Bilder aus dem Mittelalter von Jesus als dem Herrscher über den Wolken im Kopf? Man nennt das den Pantokrator – den Herrscher über alles. Da sitzt er in wallenden Kleidern mit einer Krone auf dem Kopf auf einem Thron. In einer Hand die Bibel, in der anderen die Weltkugel. Wie Zepter und Reichsapfel…

Sollen wir uns Jesus so vorstellen? Ist das das Bild, das Paulus uns zeichnen will? Der heutige Predigttext ist tatsächlich auch sprachlich so aufgebaut, dass es um einen Hymnus geht, ein Loblied auf den Kaiser, eine Verherrlichung des Herrschers der Welt.

So, jetzt sind wir wieder im Science fiction oder auch im Märchen oder im Fantasyfilm. Das ist gerade das, was wir heute nicht erleben. Ich brauche nur ein paar Fragen zu stellen:
Wo ist dieser allmächtige Herrscher in der Pandemie?
Warum macht er nicht Schluss mit Kriegen?
Wieso müssen immer noch Kinder verhungern?
Was tut dieser König gegen die Verbrechen und Korruption?

Wollt Ihr noch ein paar Fragen dazufügen?
Warum sind in letzter Zeit so viele Menschen hier in Sechshelden an Corona erkrankt und sogar gestorben?
Warum können wir nicht mehr unbeschwert Gottesdienst feiern?
Warum ist es manchmal so schwer mit anderen Christen oder Gemeinden auszukommen?

Da wäre ein Christus als König doch mal ganz angebracht. Den könnten wir doch gerade jetzt ganz gut gebrauchen. Wo bleibt er nur? Hören wir auf das Lied:
123,1-3 Jesus Christus herrscht als König

Warum gibt es nicht einfach mal einen großen Knall, der Himmel reißt auf und der große Chef im Himmel richtet alles wieder.
Sorry, aber auch auf die Gefahr hin, dass ich den einen oder die andere enttäuschen muss, so läuft das bei Gott und Jesus nicht.
Oder könnt Ihr Euch vorstellen, dass der Jesus Christus, der von Gott die Macht übertragen bekommen hat, plötzlich ein ganz anderer ist, als der Mensch Jesus aus Nazareth, der Gottes Liebe in die Welt getragen hat?

Nein, er bleibt derselbe. Auch der große Chef im Himmel ist der gleiche, der den Fischern Mut gemacht hat, nach einer enttäuschenden Fahrt zum Fischfang, noch einmal rauszufahren um dann den Fang ihres Lebens zu machen.

Er ist der Gleiche, der mit den sozial Benachteiligten, den Korrupten, den Andersgläubigen und den Ausgegrenzten an einem Tisch sitzt und isst und trinkt und feiert und ihnen so die Kraft gibt, ihr Leben wieder auf die Reihe zu bringen.

Er ist der Gleiche, der seinen Followern gesagt hat, dass diejenigen, die Frieden stiften Gottes Kinder sind, und dass diejenigen, die anderen helfen und Kranke besuchen und Hungernden etwas zu essen geben, seine Freunde sind.

Er ist der Gleiche, der seinen Feinden noch am Kreuz vergibt und seine Mutter und seinen besten Freund, die unter dem Kreuz stehen, tröstet und sie einander anvertraut, damit sie versorgt sind.

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Der große Chef im Himmel ist immer noch der, der gesagt und gelebt hat, dass die Liebe das Wichtigste ist. Deshalb endet der Predigttext mit der Fülle, die Gott uns Menschen schenken will.
Diese Fülle spüren wir schon heute im Glauben, aber als Nachfolger (Follower) Jesu, sind wir mit verantwortlich dafür, diese Fülle in die Welt zu tragen.

Wenn wir das tun, dann ist es wahrhaftig ein Wunder – oder wie in einem Science fiction…
Wenn Solidarität mit den Schwachen gerade in dieser Zeit wichtiger ist, als Querdenken,
wenn wir für andere da sind und uns aufeinander verlassen können,
wenn Alte und Kranke nicht alleine bleiben,
wenn wir füreinander beten und wieder miteinander beten können,
wenn wir Frieden untereinander halten und Schritte aufeinander zugehen,
wenn Kinder wieder Kinder sein dürfen und mit Freunden spielen, miteinander lernen und fröhlich sein können,
wenn Traurige getröstet werden und Fröhliche feiern können.
Wäre das nicht ein Wunder ganz ohne Aufhebung der Naturgesetze? Wäre das nicht ein wahres Wunder, das einer Herrschaft Jesu Christi gemäß wäre?

Amen.

Es gilt das gesprochene Wort.

Danke für die Anregungen: https://predigten.evangelisch.de/predigt/predigt-zu-epheser-120b-23-von-sven-keppler

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe