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Kirche digital – geht das?

Kirche digital – geht das?

Kirche digital

Kirche digital …, Digitalisierung und Kirche … – zwei Welten treffen aufeinander! So jedenfalls scheint es manchmal. Andererseits gibt es auch schon viele schöne Beispiele für gelungene Präsenz von Kirche und Christen im Netz.

Schon seit langer Zeit beschäftige ich mich mit dem Erscheinungsbild von Kirche und christlichem Glauben im Internet.

Ich halte Ausschau nach kirchlichen Webseiten – Seiten von Kirchengemeinden, kirchlichen Eirichtungen, Landeskirchen usw. (Schon vor einigen Jahren habe ich ein paar Seiten ausgewählt und vorgestellt: 10 Top-Kirchen-Websites.) Aber auch bei Facebook, Twitter und Co. suche ich nach „digitalem Glauben“. Ich lese einige Blogs von Pfarrerkollegen, Theologiestudierenden etc.

Ich selbst bin seit über 20 Jahren als „Kirchenmensch“ (Pfarrer) auch im Digitalen unterwegs, gestalte Webseiten von Kirchengemeinden, Vereinen, schreibe meinen Blog und gebe mich in sozialen Medien auch als Christ und Pfarrer zu erkennen.

Jetzt habe ich den Job als Pfarrer (zumindest im aktiven Dienst) an den Nagel gehängt. Ich möchte mich vollzeitlich mit „dem Digitalen“ beschäftigen. Natürlich interessiert mich dabei ganz besonders eben die Situation von Kirche und Glaube im Netz. Dazu möchte ich in nächster Zeit versuchen, mir einen etwas systematischeren Überblick darüber zu verschaffen. Gerne kannst Du dabei helfen, indem Du mir deine Meinung schreibst oder gelungene Beispiele aus dem Netz mitteilst (unten in den Kommentaren oder per Mail).

Will Kirche analog bleiben?

Ich setze noch einmal bei dem Eindruck der Fremdheit zwischen Kirche und Digitalem an. Häufig scheint es ja so, dass die Kirche (wer oder was ist das überhaupt in diesem Zusammenhang) dem Internet gegenüber vor allem kritisch und zurückhaltend gegenübersteht.

Als Beispiel für diese Beobachtung möchte ich hier einen vielbeachteten Artikel vom 24. März 2017 aus der „Zeit“ anführen. Damals schrieb Hannes Leitlein, Redakteur bei Christ&Welt über „Digitalisierung: Und wie wir wandern im finstern Digital“:

„Die evangelische Kirche scheint zu betäubt von Austrittszahlen und Sparmaßnahmen zu sein, um die Revolution, die um sie herum geschieht, zu bemerken und sich ihrer zu bedienen. Anstatt die neuen Möglichkeiten in ihren Dienst zu stellen, herrschen Berührungsängste, Unverständnis und Desinteresse.“

Im Jahr 2014 gab es eine EKD-Synode mit dem Schwerpunktthema „Kommunikation des Evangeliums in einer digitalisierten Gesellschaft“.

Was ist daraus geworden?

Noch einmal Leitlein: „Kein einziger Beschluss daraus wurde bisher umgesetzt. Ganz nach dem Motto: Schön, dass wir drüber geredet haben.“

Auch die Jugenddelegierten der EKD-Synode, die damals das Thema eingebracht hatten, stimmen dieser Einschätzung zu und schreiben, dass „seitdem nicht viel passiert ist.“

Eine zufällige Momentaufnahme

Ja, ich weiß, es ist nicht repräsentativ! Trotzdem möchte ich eine ganz kleine, schnelle Bestandsaufnahme des Kirchenkreises, in den ich vor kurzem gezogen bin, hier anführen.

Es gibt eine recht umfangreiche, informative und gut gemachte Webseite des Kirchenkreises selbst. Sie gibt unter anderem Auskunft über die Gemeinden und Pfarrämter im Kirchenkreis. Das ist gut! Laut dieser Info gibt es 64 Gemeinden in 20 Kirchspielen.

Gefunden habe ich davon sage und schreibe fünf mit eigenen Webseiten – in sehr unterschiedlicher Qualität (sorry, dass ich das so sagen muss).

Außerdem gibt es faszinierende Erfahrungen mit der Vorstellung der Gemeinden ohne eigene Webseite auf den Seiten des Kirchenkreises.

Es gibt offenbar die Funktion eines Kalenders, den jede Gemeinde gesondert mit ihren Terminen befüllen könnte. Zumeist allerdings findet sich gähnende Leere. Eine Gemeinde hält den Menüpunkt „Aktuelles aus dem Pfarramtsbereich“ vor. Das sieht dann so aus:

Kirhce digital leere aktuelle Seite

Nicht viel ansprechender ist auch die Einladung zum Adventsmarkt oder dem Weltgebetstag – wohlbemerkt für das Jahr 2016! Und mal ehrlich… ist der Hinweis wirklich einladend?

Kirche digital wann ist der Gottesdienst

Mein Eindruck ist, dass Kirche tatsächlich noch nicht im Web angekommen ist. Kirche digital geht jedenfalls anders…

Aber es gibt doch schon digitale Kirche…

Einerseits gibt es also diese Kritik an der Kirche, dass sie die Chancen der Digitalisierung nicht nutzt. Andererseits findet man aber auch gelungene Beispiele für Kirche digital bzw. digitalen Glauben. Max Melzer schreibt auf eine sehr persönliche Art darüber in dem Artikel „Von der Suche nach einem Zuhause“.

Er schreibt von einer „christlichen Netzgemeinde“, von einer Sehnsucht der „Digitalen“ (Christen, Kirchenmitglieder, die im Netz unterwegs sind) nach Verständnis in der Kirche und er beendet seinen Beitrag mit den emotionalen Worten:

„Diese vielbeschworene digitale Kirche, dieses Zuhause, nach dem wir uns sehnen – das gibt es längst. Und ich fühl mich verdammt wohl hier.“

Ich bin zwar kein „digital Native“, aber so lange und so intensiv „drin“, dass ich Max Melzer voll und ganz zustimme.

Wo also gibt es die gelungenen Webauftritte? Gibt es die lebendige christliche Netzgemeinde? Wie sieht ein digitales Zuhause für Kirchenmenschen aus? Kann Kirche in einer digitalen Welt funktionieren? Wie verändert sich Glaube (und Theologie) durch die Digitalität?

Es gibt so viele Fragen zu stellen, Entdeckungen zu machen und weiterzudenken… Viele Diskussionen finden sich unter #digitaleKirche (auch ein gutes Beispiel für Kirche digital, die es schon gibt).

Schneisen schlagen

Das Thema „Kirche digital“ ist sehr vielfältig und wird breit diskutiert – leider vor allem bei denen, die direkt damit zu tun haben. In diesem Beitrag kann ich nicht auf alle Ebenen eingehen. Es gibt auch schon viel Vorarbeit und es gibt Menschen, die sich hauptamtlich damit beschäftigen und sicher viel mehr wissen als ich. Trotzdem möchte ich in nächster Zeit einiges dazu veröffentlichen, was ich gefunden habe.

Jetzt möchte ich nur ein paar Schneisen in diesen unübersichtlichen digitalen Wald von Kirche im Netz schlagen, die mir ganz persönlich sehr wichtig sind.

  1. Ganz zentral ist für mich die Erkenntnis, dass es keinen Gegensatz von real und virtuell gibt. Die digitale Welt ist real und es findet echte Kommunikation statt. Für „Insider“ ist das ein alter Hut, aber in meinem Alltag und vor allem aufgrund meiner Erfahrungen im Pfarramt, weiß ich, dass noch sehr viele Kirchenmenschen der Meinung sind, dass die digitale Welt „nicht echt ist“.
  2. Nicht Kirche muss digital werden, sondern Christen, die sich im Netz bewegen, leben auch im Digitalen ihren Glauben. Die digitale Welt fördert so in einer gewissen Art das „Priestertum aller Getauften“ (auch dazu später mehr). Nicht mehr die Institution Kirche präsentiert sich im Web, sondern Menschen, die auch im Netz leben, bilden die Kirche. Auch im Digitalen gilt: Wo zwei oder drei…
  3. Es gibt nach meinem ganz vorläufigen Verständnis, verschiedene Ebenen, auf denen diese Fragen bedacht werden müssen:
  • Menschen, Christen im Netz (und zwar „Amtsträger und Laien“)
  • kirchliche Organisationen, Kirchengemeinden, Landeskirchen, kirchliche Einrichtungen
  • Inhalte, Bibel, Blogs, Apps, Verlautbarungen, Meinungsäußerungen zu Glaubensthemen, Theologie, Online-Gottesdienste etc.… Das heißt: Information über den Glauben, Gespräch über den Glauben, Leben des Glaubens…
  • Metaebene, also die Diskussion über digitale Kirche, theologische Fragen zu digitalen Medien, Digitalisierung etc.

Meine Beiträge zum Thema

Mir ist klar, dass das nicht vollständig und sehr vorläufig ist. Ich möchte mich in der nächsten Zeit weiter intensiv mit dem Thema beschäftigen. Ich werde regelmäßig weitere Artikel dazu veröffentlichen. Du findest diese Artikel unter meinem neuen Themenpunkt „Kirche digital“:

Theoradar

Theoradar zählt die Interaktionen in sozialen Medien, die Artikel der christlichen Blogosphäre erreichen. Für die Top-Artikel gibt es Charts.

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Da ich vielfältige Erfahrungen an der Schnittstelle Internet und Kirche habe, biete ich auch gerne Kirchengemeinden, kirchlichen Einrichtungen oder auch einzelnen Christen, die im Netz aktiv sein wollen, Beratung und Unterstützung bei der „Arbeit im Netz“ an. Ob es um die Erstellung einer Website geht, die Planung von Social-Media-Aktivitäten oder die Erstellung von Texten dafür – sprich mich doch einfach an: Uwe Hermann.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

PS: Ich werde versuchen, wirklich breit und vielfältig über Kirche digital zu berichten. Ich hoffe, dass ich damit auf Dein Interesse stoße. Wenn Du dazu etwas mitzuteilen hast, dann schick mir doch eine persönliche Nachricht. (Mail)

Über den Autor

Uwe Hermann

Dieser Blog wird geschrieben von Pfr. Uwe Hermann. "Ich schreibe über Themen, die für mich zu einem guten und sinnvollen Leben gehören, auf der Grundlage des christlichen Glaubens. Lechajim, ein jüdischer Trinkspruch, bedeutet "für das Leben" und drückt Hoffnung und Lebensfreude aus."

3 Kommentare

  1. De Benny

    Ein Problem dürfte dabei wohl sein, dass Kirchenleitung damit die Kontrolle weitgehend aus der Hand geben würde. Ob das gewollt ist?
    Schade eigentlich – das wäre doch sehr protestantisch…

    Sehe ich auch so: wäre protestantisch. Wie und ob die einzelnen Kirchenleitungen Kontrolle aus der Hand geben wollen… Ich frag mich halt, was sie verlieren könnten, bzw wozu die Kontrolle, die sie sonst haben, gut sein könnte. Man könnte es ja auch als Befreiung ansehen, wenn man nicht mehr überall den Deckel draufhalten muß.
    Transparenz, Darstellung dessen, was ist, und dann die Leute reden lassen. Es hat ja sowieso jeder seinen eigenen Standpunkt, den er hoffentlich auch zu vertreten bereit ist…

    In diese Richtung geht auch mein Gedanke aus dem Beitrag, dass es vor allem darauf ankommt, dass Menschen, die Christen sind, die zur Kirche gehören, ganz persönlich erkennbar im Netz unterwegs sind und auch über religiöse Themen kommunizieren.

    Das geschieht ja schon. Du bloggst, ich blogge und viele viele andere (Nichttheologen) tun das auch, mit lesenswerten Beiträgen, ganz ohne Segen der Kirchenleitungen. Hier verpasst die „Verwaltung“ tatsächlich eine Entwicklung. Man könnte zurüsten, Impulse aufnehmen, unterstützen.
    Ich habe beispielsweise immer wieder Diskussionen online gehabt über die Finanzierung von kirchlichen KiTas. Wenn da einfach mal konkrete Zahlen im Netz stünden (und nicht nur das, was man marketingmäßig rausgibt, gemittelt über alles und ja recht schwammig), wär das Argumentieren für Kirchennahe einfacher. Da hätte dann vielleicht auch die PR Abteilung was von, so als Beispiel.
    Und, Thema Kontrolle, man könnte als Verwaltung sich immer noch von Einzelnen distanzieren, wenn sie Dinge falsch darstellen o. Ä. Sicher wär hin und wieder auch mal mit nem Shitstorm zu rechnen, aber die gibt es so auch.

    Interessant ist der Gedanke, dass Kirche für solche Kommunikation die Plattform zur Verfügung stellen könnte.

    Man muß ja nicht gleich sein eigenes Facebook aufsetzen, wobei: Mit diaspora*, Friendica, Hubzilla, Tent, Libertree,GNU.social etc gäbe es Alternativen, die auch für Datenschutzenthusiasten Schwellen senken. Ich vermute, in den Kreisen würde das mehrheitlich positive Überraschung hervorrufen.
    Aber ne Internetseite ist ein erster Schritt, Verfügbarmachung von Informationen (auch Finanzen, aber wieso nicht auch mal eine Online Form von Glaubenskurs?) ein zweiter. Die Ermöglichung eines Dialogs im eigenen Umfeld – ob auf der eigenen Homepage, in nem eigenen Forum, bei Twitter, Facebook, Friendica – mit persönlichen Standorten der Institutionsvertreter statt Broschürenbla – das wär was.
    Wo kann man sich denn mit „Kirche“ online auseinandersetzen? Also jetzt als Institution. Ein wenig ist das ja wie Dialogverweigerung. Sicher nicht böswillig und nicht überall, aber so könnte es wahrgenommen werden.

    Liebe Grüße
    De Benny

    PS: Ist das so gewollt, daß Dein Blog keine Mails verschickt bei neuen Kommentaren, oder läuft bei mir was nicht?

    Antworten
  2. De Benny

    Ich lass mal nen Gedanken hier, der sich mir in letzter Zeit aufdrängt:
    Es hat mich schon immer ein wenig irritiert, daß Internet-Bemühungen soweit ich das wahrgenommen hab (vielleicht seh ich da auch nur meine ehemalige Landeskirche) vor allem im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit angesiedelt ist und war.
    Und so kommt das dann auch rüber: PR, immer wieder Texte, Bilder und manhmal sogar – modern, modern – Videos, die zeigen sollen, wie toll Kirche ist etc.
    Sicher, muß es geben, hat es immer gegeben, hat auch seine Berechtigung.
    Aber ist Kirche nicht mehr als der Landeskirchenrat? Ist die Botschaft der Kirche nicht mehr als das, was der Kirchenpräsident und die Kirchenräte sagen?
    Was ich relativ bewußt vermisste, war (tiefergehende) Erklärung des Glaubens. Nenn es Katechese oder Mission.
    Sicher, im evangelischen Bereich schwierig, weil da ist ja keiner autoritativ, da kann ja keiner Vorgaben machen in Glaubensdingen. Aber man kann doch seine ganz persönliche Überzeugung kund tun und Gespräche anstoßen…
    Überhaupt ist Kirche doch vor allem auch Kommunikation – Miteinander – Gemeinschaft: Community!
    Kirchliche Online-Arbeit erscheint mir häufig zu sehr an analogen Medien der Öffentlichkeitsarbeit orientiert: Die PR Abteilung im LKR befüttert die verschiedenen Kanäle und wenn es gut läuft, kommt auch mal ein Gespräch in Gang, dann aber oft gebunden an irgendwelche Einzelthemen. Darstellungen im Zusammenhang werden ja nicht gegeben.

    Vielleicht sollten die Institutionen vom LKR bis zur Gemeinde da eher die Infrastruktur zur Verfügung stellen, Anstöße geben, Recherche möglich machen (alle reden vom transparenten Staat, wieso nicht transparente Kirche, dann machen die Gemeindeglieder die Öffentlichkeitsarbeit – weil sie bei kritischen Anfragen argumentieren können, weil sie nachschlagen können, was läuft – oder sie können es nicht und können sich dran machen, die Dinge zu verbessern).

    Soweit erst mal mit meinen Gedanken.

    Antworten
    • Uwe Hermann

      Hallo De Benny,
      herzlichen Dank für deine Überlegungen. Ich stimme dir zu. Ein großes Problem vor allem von seiten kirchenleitender Stellen sehe ich darin, dass „das Netz“ einfach nicht verstanden wird. Es wird linear als Verlängerung von gedrucken Veröffentlichungen gesehen. Daraus entstehen dann Texte, die wie ein bischöflicher Hirtenbrief wirken.
      Besonders wichtig finde ich deinen Hinweis auf die Gemeinschaft. In diese Richtung geht auch mein Gedanke aus dem Beitrag, dass es vor allem darauf ankommt, dass Menschen, die Christen sind, die zur Kirche gehören, ganz persönlich erkennbar im Netz unterwegs sind und auch über religiöse Themen kommunizieren.
      Interessant ist der Gedanke, dass Kirche für solche Kommunikation die Plattform zur Verfügung stellen könnte. Ein Problem dürfte dabei wohl sein, dass Kirchenleitung damit die Kontrolle weitgehend aus der Hand geben würde. Ob das gewollt ist?
      Schade eigentlich – das wäre doch sehr protestantisch…
      Liebe Grüße
      Uwe

      Antworten

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