Reformationstag 2018

Nummer 501! Die evangelische Kirche verzettelt sich an ihrem Geburtstag, dem 501. Reformationstag.

Vor 501 Jahren soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen– der Beginn der Reformation, die nicht nur die „kirchliche Landschaft“ verändert hat, sondern die ganze Geschichte der letzten fünf Jahrhunderte, zunächst in Europa und dann auch in der ganzen Welt – und damit die Welt bis heute mitgestaltet haben.

Der Reformationstag ist seit diesem Jahr ein neuer Feiertag in den norddeutschen Bundesländern: Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen. Ich sage ganz klar: Gut so. Es gibt gute Gründe dafür. Und doch gibt es für mich auch ein ganz großes…

…Aber!

Meine Frage ist, wie die Kirche damit umgeht?
Ich habe heute einen Teil eines Gottesdienstes am Radio gehört, ein Interview mit dem Kulturbeauftragen der EKD, die Nachrichten etc. Was die Vertreter meiner evangelischen Kirche zu sagen hatten ist so unendlich salbungsvoll. Alles so unglaublich richtig und wichtig. Alles so unglaublich wunderbar und mit einem Timbre in der Stimme vorgetragen, dass es… sorry… weh tut.

Wenn Du mich als Pfarrer gekannt hast… War ich auch so salbungsvoll? Wenn ja, dann tut es mir wahnsinnig leid. Ich kann das einfach nicht mehr hören und nicht mehr vertragen.

Hat nicht Martin Luther die Bibel übersetzt mit dem Motto: „Dem Volk aufs Maul schauen“?

Heute ist auch Halloween. Natürlich waren auch Kinder bei mir an der Tür: „Süßes oder Saures“… Wie oft höre ich von kirchlicher Seite, wie schlimm das alles ist. Natürlich verdeckt Halloween heute vielfach den Reformationstag. Natürlich ist Halloween total kommerzialisiert.

Aber!!!!!

Die Kinder an meiner Haustür waren einfach sie selbst. Sie haben offen und ehrlich kommuniziert. Sie haben gesagt, was sie wollten. Und das auf eine Art, die schlicht und einfach eindeutig war.

Können wir sowas als Kirche noch?

Ich bin zwar seit knapp einem Jahr nicht mehr als Pfarrer im aktiven Dienst, aber ich bin immer noch Kirchenmitglied und der evangelischen Kirche eng verbunden. Gerade deshalb macht es mich fuchsteufelswild, dass wir (ich sage bewusst „wir“) dem Volk offensichtlich nicht mehr aufs Maul schauen können.

Wir schmoren nur noch im eigenen Saft. Wir versuchen die Pfründe der letzten fünf Jahrhunderte – bzw. das, was noch davon übriggeblieben ist – zu bewahren. Krampfhaft. Und das macht alles nur noch schlimmer.

  • Können wir nicht einfach mal „normal“ sein?
  • Können wir nicht einfach mal akzeptieren, dass wir nur noch ein kleiner Teil der Gesellschaft sind?
  • Können wir nicht einfach mal wieder „dem Volk aufs Maul schauen“?
  • Können wir nicht einfach mal in der modernen, digitalen Zeit ankommen?

Ja, ich weiß, es ist eine große Frage, wie wir das schaffen können und was das konkret bedeutet. Auf diesem Blog versuche ich ein klitzekleines Stückchen dazu beizutragen. Vielleicht merkst Du auch, wie sehr ich selbst noch darum ringe. Vielleicht spürst Du, wie sehr ich auch selbst noch am Suchen bin.

Übrigens kommt mir die Kirche in dieser Hinsicht genauso vor, wie aktuell die SPD, deren Mitglied ich seit 35 Jahren bin. Was meinst Du? Setze ich auf die falschen Pferde, wenn ich immer noch an meiner Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche und der SPD festhalte? Bin ich vielleicht auch nur ein Dinosaurier in dieser modernen Zeit und werde – gemeinsam mit Kirche und SPD – beim endgültigen Einschlag des digitalen Kometen hinweggefegt?

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Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe