Viele haben mich lange nicht gesehen und viele fragen, was denn los ist. Ich freue mich über dieses echte Interesse, aber trotzdem ist es mir in den letzten Wochen schwer gefallen, solche Fragen zu beantworten.

Manchmal frage ich mich selbst, was denn eigentlich mit mir los ist. Da stehst du wie der „Ochs vorm Berg“. Dinge, die dir immer Spaß gemacht haben, sind auf einmal öde. Aufgaben, die du früher mit links gemacht hast, wachsen plötzlich bis in den Himmel. Müdigkeit, Angst, Sorge, Aufschieberitis, aber auch körperliche Einschränkungen, wie Herzrasen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, bestimmen unvermittelt deinen Alltag.

Ich nenne das, das Ochs-vorm-Berg-Syndrom. Der offizielle Begriff der Mediziner lautet “Erschöpfungsdepression”. So steht es auf meinem “gelben Zettel”. Der Modebegriff dafür heutzutage heißt: Burnout („Ausgebranntsein“).

Ja, ich bin krank, auch wenn ich nichts gebrochen habe oder ähnliches. Ich habe eine Krankheit, bei der manche Leute sagen: “Reiß dich mal zusammen!” Manche sagen vielleicht sogar: “Der spinnt doch!” Mag sein. Meine Krankheit ist eine Krankheit der Seele, allerdings mit starken Auswirkungen auf den Körper. Psychosomatisch nennt man so etwas.

Viele wissen, dass ich mit „brennendem“ Herzen Pfarrer bin. Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben. Natürlich weiß ich, dass ich auch Fehler gemacht habe und ich habe sicher auch den einen oder anderen enttäuscht. Niemals aber geschah das mit Absicht! Sollten Sie zu diesen Menschen gehören, dann bitte ich aufrichtig um Entschuldigung.

Durch dieses innere Engagement und die dauernde Überlastung wurde es mir irgendwann einfach zu viel. Ich bin „ausgebrannt“ – so die deutsche Übersetzung von Burnout.

Typisch für Burnout ist, dass die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verschwimmen. Aber gerade das gehört ja offensichtlich zum Beruf eines Pfarrers unbedingt dazu.

Ich könnte kein Pfarrer sein, wenn ich das nur als Job sehen würde. Ich bin Pfarrer in Rennerod und deshalb lebe ich auch mit Ihnen und euch hier Rennerod! Das tue ich auch gerne! Es bleibt aber das Problem, dass ich sozusagen immer im Dienst bin. Das Leben im Pfarrhaus, so dicht an meiner Arbeit, trägt natürlich auch etwas dazu bei.

Was mir aber wohl vor allen Dingen den Rest gegeben hat, ist die Schlafapnoe, die im November 2010 festgestellt wurde. Schlafapnoe bedeutet, dass kein erholsamer Schlaf möglich ist, da während der Nacht immer wieder auch längere Atemaussetzer vorkommen. Ab Ende 2010 sollte diese Schlafapnoe bei mir therapiert werden, allerdings gab es damit Probleme. Um es kurz zu machen: diese Probleme führten dazu, dass ich die Nächte im Jahr 2011, in denen ich gut und durch geschlafen habe, an einer Hand abzählen kann.

Im Juni und Juli dieses Jahres war ich dann fünf Wochen in Reha in einer Klinik in Chemnitz. Diese Zeit hat mir sehr gut getan. Die körperlichen Symptome wurden behandelt und ich habe viel gelernt, wie ich in Zukunft gesünder mit meiner Situation umgehen kann. Allerdings ist es nicht einfach, das alles im Alltag umzusetzen. Mir selbst fehlt manchmal die Geduld mit mir. Aber es nützt nichts, es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es mir wieder wirklich gut geht.

Mir ist es sehr wichtig, mich ganz herzlich zu bedanken. Ich habe trotz und in der Krankheit enorm viel Grund zur Dankbarkeit!

Mein erster Dank gilt den Menschen, die mich begleiten: Vor allem meiner Familie – meiner Frau Beate, meinen Kindern Jana, Marc und Annika, meiner Mutter… – und meinen Freunden!

Aber ich danke auch den Ärzten und Therapeuten. Hier möchte ich vor allem – stellvertretend – meinen Hausarzt Friedbert Pusch und meine Psychologin in der Reha-Klinik Yvonne Kießig nennen.

Herzlichen Dank auch an alle, die mir Grüße und gute Wünsche ausrichten bzw. zukommen ließen. Leider ließ es meine Kraft nicht zu, allen zu antworten, aber die Grüße sind angekommen! Stellvertretend möchte ich hier besonders meinen katholischen Kollegen Achim Sahl nennen. Danke, lieber Achim, vor allem für eure Gebete!

Ganz wichtig ist mir auch, dass ich die Geschicke unserer Gemeinde in guten Händen weiß. Deshalb danke ich von ganzem Herzen dem Kirchenvorstand, namentlich dem Vorsitzenden Torsten Giehl, meinem lieben Kollegen Michael Zopf, unserem Gemeindepädagogen Ralf Priebe und der Seele unseres Gemeindebüros Heike Balser. Herzlichen Dank auch an alle Kollegen, die Vertretungen in Rennerod übernehmen.

Last but not least danke ich aufrichtig unserer ganzen Kirchengemeinde und den Menschen in Rennerod und der Umgebung. Ich empfinde es nicht als selbstverständlich, mit welcher Geduld und großem Verständnis hier bei uns auf dem Westerwald ein erkrankter Pfarrer getragen wird.

Herzlichen Dank Ihnen und euch allen!

Manchmal bringen dunkle Zeiten in unserem Leben uns in Glaubenszweifel. Das ist nur verständlich. Gerade deshalb bin ich so froh, dass ich – und das ist sicher nicht mein eigener Verdienst – in den letzten Wochen und Monaten, Gottes Liebe in besonderer Weise gespürt habe. Trotz allem Schwierigen konnte ich erleben, wie mein Gottvertrauen wuchs! Ich will auch weiterhin darauf vertrauen, dass der Herr mein Arzt ist.

Zum Schluss habe ich noch zwei Bitten an Sie und euch!

Ich glaube an die Kraft des Gebets. Deshalb bitte ich Sie und euch, für mich zu beten.

Und ich bitte Sie und euch um weiteres Verständnis und Geduld mit mir.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe