Können Frauen logisch denken und dürfen echte Männer weinen?

Glaubenssätze? Diese Sätze hast du bestimmt schon mal gehört: Frauen können einfach nicht logisch denken. Echte Männer weinen nicht.

Du denkst jetzt vielleicht: Ja klar! Das sind ja nur Vorurteile!

Bist du dir da ganz sicher?

Wie viele Frauen gibt es, die tatsächlich der Meinung sind, Männer würden vernünftigere und logischere Entscheidungen treffen?

Wie viele Männer gibt es, die tatsächlich glauben, sie müssten sich ihre Tränen verkneifen?

Ist das wirklich so oder können Frauen doch logisch denken und dürfen echte Männer doch weinen?

Glaubenssätze – was ist das?

Solche Sätze nennen die Psychologen „Glaubenssätze“.

Glaubenssätze kennst du wahrscheinlich im Sinne von „Dogmen“. Das sind Sätze, die man als Christ zu glauben hat. Schon das ist schwierig. Glauben lässt sich doch nicht befehlen, oder? Außerdem, wer setzt das fest, was zu glauben ist? Letztlich könnte das doch eigentlich nur Gott selbst. Aber so eindeutig hat er das ja nicht gemacht.

Die katholische Kirche hat den Papst, der das für sie regeln kann (einfach gesagt). Bei der evangelischen Kirche haben viele den Eindruck, in der Beziehung wird gar nichts geregelt.

Naja, wie dem auch sei. Hier geht es nicht um Dogmen, sondern um Glaubensregeln, die ein Mensch im Laufe seines Lebens gelernt hat. In der Psychologie sind Glaubenssätze Lebensregeln, die ein Mensch sich durch Erziehung oder Erfahrung angeeignet hat. Oft sind diese „Regeln“ problematisch (negative Glaubenssätze). Manchmal können sie aber auch hilfreich sein (positive Glaubenssätze).

Die Rede von Glaubenssätzen hat in der Psychologie ihren Ursprung in der sogenannten neuro-linguistischen Programmierung und vor allem in der modellhaften Vorstellung des „Inneren Kindes

Inzwischen gehört das zum methodischen Instrumentarium beinahe jedes Psychologen und Lebensberaters und Seelsorgers.

Jetzt aber genug Theorie!

Beispiele für negative Glaubenssätze:

Ich habe hier mal ein paar negative Glaubenssätze zusammengestellt. Es gibt im Internet haufenweise Artikel dazu, deshalb will ich in dieser Liste nicht allzu sehr ausschweifen. Markus Cerenak hat schon vor längerer Zeit darüber geschrieben und eine ganze Menge solcher Sätze gesammelt: http://www.markuscerenak.com/ein-paar-limitierende-glaubenssatze.html
Damit du dir konkreter vorstellen kannst, worum es geht, trotzdem ein paar Beispiele:

  • Ich bin nicht schön.
  • Ich mach auch gar nichts richtig.
  • Im Leben braucht man Ellenbogen.
  • Ich schaffe das sowieso nicht.
  • Das Leben ist kein Ponyhof.
  • Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.
  • Du bekommst im Leben nichts geschenkt.
  • Schaffe, schaffe, Häusle baue.
  • Ohne Fleiß kein Preis.
  • Ich werde vom Pech verfolgt.
  • Frauen können nicht logisch denken.
  • Ich darf meine Gefühle nicht zeigen.
  • Echte Männer weinen nicht.
  • Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

„Biblische Glaubenssätze“

Nein, ich springe jetzt nicht zu den Dogmen. Es geht hier immer noch um Glaubenssätze im psychologischen Sinn. Auf meinem Zeit-zu-leben-Blog geht es aber immer um die christliche Sicht auf die Themen. Gerade im Zusammenhang mit dem Thema Glaubenssätze scheint es mir wichtig, einiges „gerade zu biegen“. Bei gläubigen Menschen spielen nämlich oft – bewusst oder unbewusst – problematische Auslegung biblischer Texte eine große Rolle. So mancher Satz der Bibel, aus dem Zusammenhang isoliert, wurde vielfach in einer extremen Art und Weise interpretiert.

Ich gehe mal ein paar Beispiele durch, mit denen ich selbst auch Erfahrungen gemacht habe.

Leistungsbereitschaft

Bibelvers: Kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Epheser 5, 16

Dieser Vers ist nicht so bekannt, aber er hat – zusammen mit einigen anderen Auslegungen biblischer Texte – eine beinahe verheerende Wirkung entfaltet. Die Zeit in der wir leben wird grundsätzlich als „böse“ Zeit betrachtet. Damit wird die Welt, die Lebenszeit, die wir auf der Erde verbringen, gegenüber der Ewigkeit bei Gott, abgewertet. Die Leistung (man könnte auch sagen „gute Werke“), die wir in diesem Leben vollbringen, ist dann die Voraussetzung für ein ewiges Leben bei Gott, auf das es eigentlich ankommt. Puh, wer das wirklich ernst nimmt, der tut alles, wirklich alles um volle Leistung zu bringen.

Fleiß

Bibelvers: Geh hin zur Ameise, du Fauler, sieh an ihr Tun und lerne von ihr! Sprüche 6, 6

Kennst du das: die fleißige Ameise? Ja, das kommt tatsächlich aus der Bibel. Für sich betrachtet und in einer ganz speziellen Art des Verständnisses folgt daraus der Schluss: Faulheit ist Sünde. Wer Gott gefallen will, muss fleißig sein.

Hilfsbereitschaft

Bibelvers: Jesus sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst. Lukas 10, 27

Daher kommt das Stichwort Nächstenliebe. Es hat sich tief im gesellschaftlichen Bewusstsein der Christen festgesetzt, dass man für den Nächsten – wer immer das auch sein mag – da sein muss.
Genauso wie Fleiß ist auch Hilfsbereitschaft an und für sich ja nichts Schlechtes. Es kommt halt immer darauf an, wie extrem man das umsetzt.

Vorbildlich sein

Bibelvers: Dich selbst aber mache zum Vorbild guter Werke… Titus 2, 7

Als Christ musst du immer vorbildlich handeln. Keiner soll dir nachsagen können, dass du irgendetwas falsch gemacht hast. Im Extremfall wird dann auch noch gesagt: Wenn du das nicht schaffst, ist Gott enttäuscht. Auch hier wird wieder eine im Grunde positive Einstellung verdreht. Natürlich ist es gut, wenn du ein Vorbild für andere sein kannst, aber du wirst es nicht immer und überall sein können und erst recht hängt davon nicht dein „ewiges Heil“ ab!

Alles ist möglich

Bibelvers: Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. Markus 9, 23

Ich habe früher diesen Vers immer sehr gemocht. Das ist doch eine wunderbare Vorstellung. Der Glaube macht alles möglich! Klar, grundsätzlich ist das ja auch so, sonst wäre Gott nicht Gott, wenn er nicht alles möglich machen könnte. Wenn ich das aber ins Extrem verfolge, dann bringt es mich ganz schön auf die schiefe Bahn. Was ist, wenn ein schwer kranker Mensch – trotz aller Gebete und allem Glauben – nicht wieder gesund wird? Dann bleibt in dieser Anschauung nur noch der Gedanke, dass Gott oder mein Glaube versagt hat.

Harmoniebedürfnis

Bibelvers: Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Römer 12, 17–18

Immer nur lächeln, alles über sich ergehen lassen, sich nicht wehren, Friede, Freude, Eierkuchen! Oh, wie ich das hasse! Entschuldige bitte, aber das musste mal gesagt werden. Hat Paulus das wirklich so gemeint? Oder kann es sein, dass wir wieder einmal nicht genau genug gelesen haben? Da gibt es diese vier kleinen Worte in dem Vers, die anscheinend komplett vergessen wurden: “Soviel an euch liegt”. Darüber sollten wir wohl noch mal neu nachdenken.

Demut

Bibelvers: In Demut achte einer den andern höher als sich selbst. Philipper 2, 3

Das ist ähnlich, wie beim Harmoniebedürfnis. Immer schön demütig sein, immer den „untersten Weg“ gehen! Natürlich ist es nicht verkehrt, andere Menschen hoch zu achten, aber gibt es nicht immer auch eine Grenze?

Versteh’ mich jetzt nicht falsch! Ich sage nicht, das die Bibelverse verkehrt sind. Es ist die Interpretation über Jahrhunderte, die den Sinn verdreht hat. Diese Verse sind nur negative Glaubenssätze, wenn sie in dieser bestimmten Art und Weise verstanden werden. Dieser Artikel ist jetzt schon so lang, dass ich auf die Bedeutung der Verse selbst nicht weiter eingehen kann.
Wichtig ist mir vor allem, dass du dir darüber Gedanken machst, wenn du merkst, dass du auch solche “biblischen” Glaubenssätze in dir hast.

Wie gehst du damit um?

Auch über den Umgang mit negativen Glaubenssätzen gibt es viele Informationen im Internet. Ich habe mal zwei Artikel für dich rausgesucht, die ich für sehr hilfreich halte.

Der erste Artikel hat zwei Teile:
http://www.zeitzuleben.de/2316-glaubenssatze-nur-weil-sie-etwas-glauben-muss-es-nicht-auch-wahr-sein/
Auf der zweiten Seite dieses Artikels gibt es fünf Tipps, wie du mit deinen Glaubenssätzen umgehen kannst. Das will ich hier nicht einfach nur wiederholen, deshalb schau einfach mal hier nach:
http://www.zeitzuleben.de/2316-glaubenssatze-nur-weil-sie-etwas-glauben-muss-es-nicht-auch-wahr-sein/2/

Wie du in 10 einfachen Schritte deine negativen Glaubenssätze überwindest
http://www.benediktahlfeld.com/blog/evelyn-wenzel

Zwei Dinge sind mir persönlich ganz besonders wichtig, deshalb möchte ich diese beiden Punkte noch etwas ausführlicher beschreiben.

Zuallererst ist es einmal wichtig, dass du dir über deine eigenen Glaubenssätze klar wirst. Es lohnt sich auf jeden Fall, die eigenen Glaubensregeln mal genauer anzuschauen.

Wenn es problematische Sätze sind, wie in den Beispielen oben, dann ist es wichtig, sie bewusst wahrzunehmen und dagegen vorzugehen. Mach dir klar, woher sie kommen!

Denk darüber nach, was deine Glaubenssätze mit dir machen? Wo behindern sie dich in deiner persönlichen Entwicklung? Ziehen sie dich seelisch runter?

Sicher möchtest du nicht, dass das so bleibt. Also tu dann den zweiten Schritt.

Positive Glaubenssätze

Der zweite Punkt ist mindestens genauso wichtig. Du wirst wahrscheinlich nicht gegen deine negativen Glaubenssätze ankommen, wenn du sie nicht durch positive Glaubenssätze ersetzt. Das geht am besten, wenn du dir klar machst, dass der negative Glaubenssatz einfach nicht wahr ist.

Nimm einen dieser Glaubenssätze und frag dich, ob es Gegenbeispiele gibt? Überleg dir, wodurch du diesen Satz ersetzen kannst?

Ich habe hier mal zwei Beispiele in Form einer Tabelle aufgeschrieben.

Beispiel 1:
Glaubenssatz:Ich bin nicht schön.
Woher kommt der Satz?Meine Tante hat immer gesagt, du bist zu dick.
Gibt es Gegenbeispiele?Dein Partner liebt dich, so wie du bist! Andere machen dir Komplimente!
Positive Wendung:Ich entspreche zwar vielleicht nicht ganz dem aktuellen Schönheitsideal, aber es gibt Menschen, die mich so lieben, wie ich bin.
Beispiel 2:
Glaubenssatz:Ohne Fleiß kein Preis!
Woher kommt der Satz?Meine Lehrer und mein Arbeitgeber haben immer volle Leistung gefordert.
Gibt es Gegenbeispiele?Ich habe in manchen Schularbeiten eine gute Note geschrieben, obwohl ich nicht viel dafür gelernt habe. Als ich einmal drei Wochen krank war, ging es an meiner Arbeitsstelle trotzdem weiter.
Positive Wendung:Ich will fleißig sein, weil es mir Spaß macht gute Leistung zu bringen, aber ich darf mich auch mal ausruhen und muss nicht alles perfekt machen.

Glaubenssätze können toll sein!

Übrigens ist es nicht nur hilfreich, sich mit den negativen Glaubenssätzen auseinander zu setzen und sie zu bearbeiten. Wenn du dir neue, positive Glaubenssätze schaffst, dann hast du davon noch einen ganz entscheidenden Vorteil! Es gibt nämlich ein unvergleichlich gutes Gefühl, wenn du in Übereinstimmung mit deinen Glaubenssätzen lebst!
Versuch es doch einfach mal.

Achja, da war ja noch was!
Selbstverständlich können Frauen logisch denken!
Natürlich dürfen echte Männer weinen!

Ich habe eine Vorlage für die Tabelle gemacht. Die Datei „Glaubenssätze Vorlage.pdf“ kannst du dir kostenlos downloaden, wenn du dich für meinen Newsletter anmeldest. Dann bekommst du außerdem noch kostenlos mein E-Book „Beruf, Familie, Ehrenamt – und wo bleibst du?“ Trag dich einfach in das Formular unten ein. Wenn du schon angemeldet bist, dann findest du den Download unter dem Link, den ich dir in der Bestätigungsmail geschickt habe. Solltest du ihn nicht mehr finden, dann schicke ich ihn dir gerne noch einmal zu.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe