Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind wohl der wichtigste Punkt bei einer Jugendfreizeit. Sie sind die Menschen, für die du das alles machst! Das darfst du nie vergessen. Dieser Artikel gibt einen knappen Überblick über einige Dinge, die du beachten solltest. Auf manches werde ich in weiteren Artikeln noch eingehen. Es ist aber schon viel gewonnen, wenn du und dein Team zumindest schon einmal auf diese Punkte aufmerksam werdet und sie im Hinterkopf behaltet.

Das ABC der Teilnehmer

Anzahl: Das ist wohl eine ganz zentrale Frage: Wie viele Jugendliche willst du mit in dein Camp nehmen? Die Antwort hängt von verschiedenen Voraussetzungen ab. Du brauchst eine entsprechende Unterkunft, eine entsprechende Anzahl von Mitarbeitern und natürlich auch genügend interessierte mögliche Teilnehmer. Fast alle weiteren Vorbereitungen basieren auf der Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Brüder und Schwestern: Manchmal melden sich Geschwister gleichzeitig zu einem Feriencamp an. Normalerweise ist das völlig unproblematisch. Meistens merkt man während der Freizeit kaum, dass sie Brüder oder Schwestern sind. Gibt es einen größeren Altersunterschied zwischen den Geschwistern, kümmert sich oft der ältere um den jüngeren. Manchmal aber gibt es auch Spannungen zwischen ihnen. Achte einfach auf die Anzeichen und reagiere nur wenn nötig.

Cliquen: Ebenso kann es sein, dass Anmeldungen von mehreren miteinander befreundeten Jugendlichen zugleich eingehen. Auch das muss kein Problem sein. Manchmal kann es aber sein, dass dieser Freundeskreis eine abgeschlossene Gruppe in der Gruppe aller Teilnehmer bildet. Das ist sicher nicht sehr vorteilhaft. Auch in dieser Frage genügt es meist, wenn du einfach etwas sensibel dafür bist.

Diät: Der eine oder die andere Teilnehmer/in braucht eventuell eine besondere Verpflegung. Kannst du das sicherstellen? Natürlich hast du auch die Möglichkeit, solche Anmeldungen abzulehnen, aber das ist nicht gut! Ein Ausschluss würde zumindest meinen Prinzipien widersprechen. Besser ist es, sich genau zu informieren, mit dem Betroffenen und den Eltern zu reden und dann entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Auf jeden Fall muss dein Team über diese Besonderheiten informiert sein.

Erlebnisreisen: Mach schon in der Werbung für deine Freizeit klar, worum es eigentlich geht. Schließlich ist es kein Jugendurlaub, mit Entspannung am Strand, Shopping-Touren und täglicher Disco. Du bereitest ein Outdoor-Zeltlager vor, mit sportlichen Aktivitäten, Bewegung in der Natur und gewissen Einschränkungen im Komfort – zumindest gehe ich davon aus, wenn du diese Zeilen liest. Das müssen deine Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorher wissen! Dann bekommst du auch nur die, die wirklich Spaß an solchen Beschäftigungen haben.

Familienfreizeit: Ganz andere Voraussetzungen hast du, wenn du eine Familienfreizeit vorbereiten möchtest. Mach dir einfach klar, was du willst. Ich schreibe auf dieser Website jedenfalls vor allem über aktive-Abenteuer-Jugend-Outdoor-Camps!

Gesundheit: Besonders achten musst du auf die gesundheitlichen Voraussetzungen, die deine Jugendlichen mitbringen. Es gibt keinen Grund, jemanden mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen auszuschließen (außer bei wirklich gefährlichen Krankheiten oder starken Behinderungen). Ganz wichtig sind aber eine gute Absprache mit den Eltern und eine Information des Teams. Eventuell müsst ihr dafür sorgen, dass der Betroffene seine Medikamente regelmäßig einnimmt. Möglicherweise wäre es gut, darüber von den Eltern eine schriftliche Anweisung und Einverständniserklärung zu haben.

Heimweh: Das wird es bei manchen während der Freizeit immer mal wieder geben. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es bei längeren Freizeiten (z.B. zwei Wochen) etwa um den neunten Tag herum eine regelrechte „Heimwehwelle“ gibt. Das kann durchaus auch ansteckend sein. Geht sensibel damit um. Manche Schwierigkeiten mit einzelnen Jugendlichen können im Heimweh ihren Grund haben. Behalte das im Gedächtnis.

Internet: Das Internet spielt eine immer wichtigere Rolle, auch bei solchen eher naturverbundenen Jugendfreizeiten. Zum einen gibt es große Chancen für dich über eine Veröffentlichung deiner Aktivitäten im Internet. Es gibt aber auch Gefahren. Die ständige Verbindung der Jugendlichen per Handy mit Zuhause und daheimgebliebenen Freunden kann die Gemeinschaft in der Freizeit stören. Das kann bis hin zum Mobbing innerhalb der Gruppe über Dritte in den Sozialen Medien gehen – haben wir schon alles erlebt. Auch hier gilt es, dass aufmerksam zu beobachten und zur Not auch direkt einzugreifen.

Jungs: Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, geschlechtsspezifische Freizeiten anzubieten. Also Freizeiten, bei denen nur Jungs oder nur Mädchen mitfahren. Diese Art Freizeit hat noch einmal ganz spezielle Bedingungen, über die du dir Gedanken machen musst. Aber auch bei gemischten Jugendfreizeiten gilt es, die Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen zu beachten. Stell dir nur mal einen zwölfjährigen Jungen neben einem sechzehnjährigen Mädchen vor. Auch bei Gleichaltrigen gibt es unterschiedliche Vorlieben, die du in der Programmplanung bedenken solltest.

Kinderfreizeit: Vgl. Familienfreizeit. Wenn deine Zielgruppe Kinder (unter zwölf Jahre) ist, dann sieht die ganze Planung anders aus. Das ist leider nicht mein Thema auf dieser Website!

Liebe: Ja, es gibt natürlich immer wieder auch Pärchen im Feriencamp. Entweder melden sie sich schon zusammen an oder es entwickelt sich eine Beziehung neu während der Freizeit. Natürlich kann das vollkommen unproblematisch, ja sogar schön, sein. Es kann aber auch zu Beziehungsdramen und Eifersuchtsszenen kommen. Wiederhole ich mich, wenn ich sage, dass du und dein Team darauf sensibel und feinfühlig je nach Situation reagieren solltet?

Mädchen: Siehe den Abschnitt „Jungs“.

Nikotin und Alkohol: Viele Erwachsene nehmen gar nicht bewusst wahr, welche Rolle Zigaretten und Alkohol oft für Jugendliche spielen. Gerade, wenn sie von Zuhause weg sind, kann das zu einem Problem werden. Hier geht es mal nicht nur um Aufmerksamkeit für diese Frage, sondern schlicht und einfach auch um die Beachtung von gesetzlichen Vorgaben! Du musst unbedingt und ohne „Wenn und Aber“ die Vorschriften des Jugendschutzes beachten! Wenn du ins Ausland fährst, informiere dich bitte auch über die dortigen Vorschriften.

Optimismus: Damit meine ich deinen Optimismus im Blick auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Trotz aller möglichen Probleme, die ich in diesem Artikel anspreche, gilt grundsätzlich: Die sind alle okay! Du glaubst gar nicht, wie sich eine solche Einstellung bei dir und deinem Team gegenüber den Jugendlichen auswirken kann. Zum einen wirst du deutlich entspannter auch die Probleme angehen können. Zum anderen werden die jungen Leute deine Autorität wesentlich leichter akzeptieren.

Pubertät: Auch das ist etwas ganz normales. Jugendliche pubertieren. Punkt! Das ist einfach so. Das kann die eine oder andere Auswirkung auf deine Freizeit haben. Stell dich einfach darauf ein, dann klappt das schon. Besonders intensiv können pubertätsbedingte Probleme bei Jugendfreizeiten mit einer großen Altersspanne sein (z.B. 12 bis 16 oder sogar 12 bis 18). Da hast du die komplette Bandbreite der Pubertät! Deshalb nenne ich diese Freizeiten die Königsdisziplin.

Qualität: Nein, es geht nicht um die Qualität der Jugendlichen. Es geht um die Qualität deiner Vorbereitungen und deines Programms. Alle Probleme und Schwierigkeiten sind zu meistern, wenn du und dein Team entsprechend eingestellt, informiert und vorbereitet seid. Das meine ich mit Qualität! Dann werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das auch merken und hochzufrieden wieder nach Hause zurück fahren.

Risiko: Ein Risiko ist immer dabei. Wenn du das ausschließen willst, dann lass die Finger von diesem Vorhaben. Wenn du aber bereit bist das Risiko einzugehen, dann wirst du in deinem Feriencamp die schönsten und prägendsten Erfahrungen machen. Ein Risiko eingehen, heißt aber nicht, blind zu sein. Deshalb bereite dich gut vor.

Schwierige Jugendliche: Oh, wie ich diesen Ausdruck hasse! Das wird dir häufig vorher so gesagt, manchmal von Eltern, manchmal von anderen. „Der ist nicht ganz einfach! Die kann ganz schön zickig sein!“ Hierzu gibt es aus meiner Sicht nur eins zu sagen, ganz schlicht und einfach: Schwierige Jugendliche gibt es nicht! Aus Prinzip nicht! Es kann Dinge geben, mit denen man umzugehen lernen muss. Der Mensch an sich aber ist immer wertvoll und einmalig.

Typen: Damit komme ich zu diesem Punkt. Es gibt schon „Typen“! Ja, das ist wahr. Manchmal ist jemand ein Außenseiter, manchmal ein Überflieger. Manche sind in sich gekehrt, manche extrovertiert. Mach dir einfach klar: Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin deines Jugendcamps ist einmalig. Keiner ist genauso, wie der andere. Und allesamt sind sie wertvoll.

Unterschiede: Okay, es kann ganz toll sein, wenn alle sich ähneln und die gleichen Interessen haben. Aber je unterschiedlicher deine Teilnehmer sind, umso mehr Spaß macht es, mit der Gruppe zu arbeiten. Freu dich darüber, wenn es sehr verschiedenen Typen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern in deiner Freizeit gibt!

Väter und Mütter: Die gibt es auch, damit musst du leben, haha. Ich werde auf jeden Fall noch einen besonderen Artikel über die Eltern schreiben. Auch bei den Eltern gibt es die unterschiedlichsten Typen. Das muss man einfach wissen, dann kannst du damit auch umgehen.

Wahrnehmung und Wertschätzung: Bei all dem gilt: Nimm jeden einzelnen deiner Jugendlichen als besonderen, einmaligen Menschen wahr und zeige ihm oder ihr deine Wertschätzung. Damit legst du ein gutes Fundament für deine Beziehung zu den Teilnehmern. Auf dieser Basis kannst du dann auch alle Schwierigkeiten gut bewältigen.

Xanthippe: Okay, ja, ich musste noch ein Wort mit X finden. Du kennst eine Xanthippe wohl eher unter der Bezeichnung „Zicke“. In jeder Freizeit gibt es die eine oder andere Zicke. Das gehört einfach dazu und ist wieder etwas, mit dem du einfach aufmerksam, aber ganz gelassen umgehen kannst. Seltsam, dass es dieses Wort nur in der weiblichen Form gibt. Tschuldigung, liebe Mädels, aber dafür kann ich nichts. Behalte einfach noch im Hinterkopf, dass es durchaus auch männliche Zicken geben kann.

Youngster: In jeder Freizeit ist eine/r der/die Jüngste. Oft haben diese Jugendlichen bei den Älteren einen Stein im Brett. Manchmal musst du dich aber auch besonders um die „Kleinen“ kümmern. Aber nicht nur das Alter spielt hierbei eine Rolle. Auch die sportlich besonders unbegabten können im übertragenen Sinne Youngster sein. Achte darauf, dass die „Kleinen“ und „Unbegabten“ nicht hinten runter fallen. Möglicherweise musst du im Programm besondere Einheiten planen mit einfacheren Ansprüchen für die Youngster.

Zielgruppe: Zum Schluss noch eines zusammenfassend: Wenn du all das bedacht hast, dann leg deine Zielgruppe fest. Willst du Jugendreisen ab 14, Jugendreisen ab 16, Kinderfreizeiten, Camps für Jungs oder/und Mädchen, Ferienlager mit dieser oder jener Sportart oder oder oder durchführen? Entscheide dich und dann fröhlich drauf los! Eine tolle Zeit liegt vor dir!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe