Bruttoinlandsglück, hääää?

Wer erinnert sich noch? „Ja, ja, ja jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern …“ Ja genau, das war Geier Sturzflug mit dem Lied Bruttosozialprodukt im Jahr 1983 (Habe ich hier schon mal gebloggt.)

So, und jetzt spielen wir den Spruch mal durch: „Wir steigern den Big Mac Index!“ Cool! Einigen wird jetzt das Wasser im Mund zusammenlaufen, andere werden denken: Der spinnt!
Richtig heißt es in dem Lied von Geier Sturzflug: „Wir steigern das Bruttosozialprodukt!“ Das wird bei einigen von euch sicher „klingeln“. Allerdings wird dieses Wort heute nicht mehr benutzt. Es heißt jetzt Bruttonationaleinkommen. Aber das ist mir jetzt zu kompliziert. Wer will kann hier nachlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Bruttonationaleinkommen
Jetzt versuchen wir es mal so: „Wir steigern das Bruttoinlandsglück!“ Also ich meine, das hört sich doch toll an, oder? Deshalb möchte ich diesem etwas ungewohnten Wort einmal genauer nachgehen. Und ich hoffe, ihr geht mit.

Bei uns spielt heute noch ein anderes Wort eine große Rolle, das Bruttoinlandsprodukt. Auch damit will ich mich ein wenig beschäftigen. Der interessanteste Wert – und auch der witzigste – ist aber sicher der Big Mac Index. Ja, auch das gibt es. Und in dem kleinen Königreich Bhutan im Himalaya gibt es das Bruttoinlandsglück (im Original: Gross National Happiness oder auch mit Bruttonationalglück übersetzt.) Dazu später mehr. Hier erst mal ein kleiner Überblick.

Bruttoinlandsprodukt und weitere Indizes

Das Bruttoinlandsprodukt ist den meisten wohl bekannt. Kaum einer aber weiß, wie es gemessen wird. Das ist eine hochkomplizierte Sache. Wie funktioniert das? Und warum gibt es noch so viele andere Methoden, mit denen Wissenschaftler versuchen den Wohlstand eines Volkes, eines Landes zu messen. Hier ein paar Infos dazu:

Happy Planet Index (HPI) Der HPI wird berechnet indem die erwarteten glücklichen Lebensjahre durch den Ressourcenverbrauch geteilt werden. Dadurch wird klar gemacht, dass reines Wirtschaftswachstum kein Selbstzweck ist, sondern dem Ziel dienen muss, dass Menschen ein möglichst langes und glückliches Leben führen können. Außerdem wird dieses Ziel an ökologisches Wirtschaften gebunden. Problematisch ist, dass Ziele wie politische Freiheit, Menschenrechte etc. nicht berücksichtigt werden. http://www.happyplanetindex.org/
Human Development Index (HDI) Der HDI wird vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen veröffentlicht. Er berücksichtigt außer der wirtschaftlichen Entwicklung auch Faktoren wie Bildung und Lebenserwartung. Daher ist dieser Index deutlich aussagekräftiger als die reinen wirtschaftlichen Werte, aber es fehlen wesentliche Werte, wie zum Beispiel die ökologische Entwicklung. http://hdr.undp.org/en/statistics/
Bruttoinlandsprodukt (BIP) Das BIP ist die am weitesten verbreitete Grundlage für politische Entscheidungen. Es misst den Wert aller Waren und Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft. Unberücksichtigt bleiben aber ökologische Aspekte, die Frage der Verteilung des Wohlstands, alle Arbeit, die unentgeltlich getan wird (Hausarbeit, Ehrenamt) usw. Schwierig ist auch, dass zum Beispiel große Unglücke und Naturkatastrophen das BIP steigen lassen, da ja wieder Waren und Dienstleistungen produziert werden müssen, um die Schäden zu beseitigen. http://de.wikipedia.org/wiki/Bruttoinlandsprodukt
Big Mac Index Die britische Wochenzeitschrift The Economist vergleicht seit 1986 die Preise für einen Big Mac in den verschiedenen Ländern. Der Big Mac ist weltweit verbreitet und kann daher als Vergleichsgröße verwendet werden. Der Big Mac Index ergibt daher eine sehr griffige Zahl, die durchaus aussagefähig sein kann. Allerdings ist diese Größe viel zu simpel und vernachlässigt wichtige Aspekte. Der Economist sagt selbst auf seiner Homepage: „OUR Big Mac index is a fun guide to whether currencies are at their “correct” level.“ http://www.economist.com/blogs/graphicdetail/2013/01/daily-chart-18 http://de.wikipedia.org/wiki/Big-Mac-Index

Eine tolle Übersicht gibt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung: hier klicken!

Soviel mal für heute. Im zweiten Teil, der in den nächsten Tagen erscheinen wird, geht es um die Frage, ob wir für unser Leben – genauso wie für die Politik und die Wirtschaft – eine andere Einstellung brauchen, als sie im Bruttoinlandsprodukt zum Ausdruck kommt. Keine Angst, so trocken, wie sich das anhört, wird es nicht. Im Gegenteil, ich finde die Beschäftigung mit diesem Thema sogar spannend.
Also dann, bis bald!

Hier gehts zum zweiten Teil! Hier gehts zum dritten Teil!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe