Kirche und die „neuesten Medien“

Im November hat sich die Synode der EKD mit dem Thema „Kommunikation des Evangeliums in der digitalen Gesellschaft“ beschäftigt. Aus diesem Anlass habe ich einmal eine kleine statistische, aber nicht repräsentative Auswertung gemacht.Auf der Website der EKHN sind alle Kirchengemeinden der Landeskirche aufgeführt. Ich habe nun schlicht und einfach gezählt, wie viele davon eine eigene Website verlinkt haben.

Die Synode sagte in ihrer Abschlusskundgebung:
„3. Kirche hat sich immer der jeweils neuesten Medien in der Verkündigung und in der Kommunikation bedient. Dies tut die evangelische Kirche weiterhin.“

Kirchengemeinden der EKHN im Netz

Aufgrund meiner Auswertung frage ich mich, ob das wirklich wahr ist!
In der EKHN gibt es 1150 Kirchengemeinden. Davon sind auf der landeskirchlichen Website 680 verlinkt. Das heißt, dass 470 nicht vertreten sind. Das sind immerhin 41%!
Ich persönlich finde das schier unglaublich!

Ich habe natürlich nicht jeden einzelnen Link angeklickt. Es kann sein, dass einzelne Kirchengemeinden zwar eine Website haben, diese aber bei der Landeskirche nicht verlinkt ist.
Ich habe einige Stichproben gemacht, die aber zeigten, dass tatsächlich sehr viele Gemeinden nicht online sind.
Wenn es Gemeinden mit Internetauftritt gibt, die ihn der Landeskirche nicht zur Verlinkung mitteilen, dann halte ich dies aber für fast so unprofessionell, als hätten sie gar keine Website.

Nicht überprüft habe ich, wie es um die Qualität der Webseiten der Kirchengemeinden gestellt ist. Bei einigen Stichproben habe ich zwar gesehen, dass viele Gemeinden sehr ansprechende und informative Internetpräsenzen erstellt haben, einige sind aber auf dem Stand der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts stehen geblieben.

Immerhin sind offensichtlich alle Dekanate online.

Propsteien der EKHN im Netz

Ein echtes Armutszeugnis aber ist die Bilanz der Propsteien (spiegelt sich hier die kirchenpolitische Bedeutungslosigkeit, in die die Propsteien nach und nach abdriften?)
Von sechs Propsteien sind zwei überhaupt nicht mit einem eigenen Auftritt online (Rhein-Main und Starkenburg).

Interessant ist die große Bandbreite der Qualität:
Top ist Rheinhessen mit allen Informationen, die man sich nur vorstellen kann. Übersichtlich präsentiert. Kaum dahinter Oberhessen. Etwas bescheidener im Mittelfeld liegt die Propstei Nord-Nassau. Das ist mir besonders aufgefallen, da die Seite vor wenigen Jahren noch sehr lebendig war. Jetzt wirkt sie leider etwas sehr “kirchenamtlich”, es gibt nur wenige Informationen, besonders der Bereich “Aktuell” ist deutlich abgespeckt. Schade eigentlich.

Abgeschlagen ist die Website der Propstei Süd-Nassau, die doch sehr rudimentär ausfällt.

Schließlich die Schlusslichter Rhein-Main und Starkenburg, die mit Abwesenheit glänzen. Man muss schon eine Suchmaschine zu Hilfe nehmen, dann findet man wenigstens ein paar Infos auf anderen Webseiten (vor allem bei der Landeskirche, www.ekhn.de). Trotzdem ist es mir unverständlich, dass es keinen eigenen Webauftritt gibt.

Problemanzeige

Vielleicht gibt es ja mal jemanden, der eine Untersuchung der kirchlichen Internet-Welt flächendeckend über die EKD und detaillierter versucht. Ich hoffe, dass ein Ergebnis einer solchen Untersuchung besser ausfallen würde. Allerdings fürchte ich, dass dies nicht der Fall ist!

Um es mit den Worten der Abschlusskundgebung der Synode zu sagen: möglicherweise hat sich die Kirche in der Vergangenheit immer der jeweils neusten Medien in der Verkündigung und in der Kommunikation bedient. Dass sie dies aber auch weiterhin tut, ist eine steile Behauptung, die nicht zu verifizieren ist.

Meiner Meinung nach ist das ein echtes Problem! Und dieses Problem wird in Zukunft nicht kleiner. Je länger wir als Kirche den Anschluss verpassen, um so schwieriger wird es. Das Schlimmste dabei ist, dass wir nicht nur technisch den Anschluss verpassen, sondern vor allem die Menschen verlieren!

Was meinst du dazu?

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe