Beim heutigen Webmaster Friday geht es um Kommunikation. Bisher habe ich noch nie an dieser Aktion teilgenommen. Aber heute will ich es mal versuchen. Das Thema lautet: Sachlich, freundlich, lieb, aufdringlich – wie kommunizierst Du?

Kommunikation ist nicht immer einfach!

Samstagnachmittag, das Büro ist geschlossen, die Predigt ist geschrieben, endlich kann ich mal die Beine baumeln lassen. Riiiiiiiiing! Es klingelt an der Tür. Ich meine schon an der Art des Klingelns erkennen zu können, es ist jemand, der im Pfarramt betteln will. Die Hartnäckigsten und Nervendsten klingeln immer am Samstagnachmittag!
Ich will mal schön gemütlich mit ein paar Freunden bei unserem Lieblingsitaliener essen gehen. Wir betreten das Restaurant. Oh nein, an jedem Tisch scheinen Leute zu sitzen, die ich kenne. Schlimmer noch, die kennen mich alle. Was jetzt? Jeden begrüßen, an jedem Tisch etwas Smalltalk? Auf jeden Fall ein freundlicher Gruß in die Runde, so dass es auch ja alle sehen, sonst heißt es später: Der Pfarrer Hermann war aber unfreundlich.
Morgens auf der Straße, schon von weitem sehe ich einen „lieben Menschen“ auf mich zukommen und ich weiß sofort: die nächste Stunde ist gelaufen …
Ich öffne mein Facebook: bling! Da ist schon wieder eine Nachricht, die mich tief durchatmen lässt. Das nervt! „Halo Uwe, wei gets dier?“ (Orthographie ungefähr original!)
Zum gefühlt 25 tausendsten Mal klingelt das Telefon! Für mich ist das Telefon inzwischen viel schlimmer, als alle „Social Media“-Blings zusammen genommen!
Für die E-Mail-Kommunikation gibt es ja zum Glück inzwischen diverse zehn Gebote (zum Beispiel hier: Die zehn Gebote für den Umgang mit E-Mails. Ha ha, zehn Gebote für Mails – wie passend!

Gelingende Kommunikation ist was Feines!

Samstagnachmittag, es klingelt – und mein lieber Kollege steht vor der Tür!
Ich gehe schön gemütlich mit ein paar Freunden zu unserem Lieblingsitaliener – und wir haben ein tolles, offenes, ehrliches Gespräch!
Morgens auf der Straße – ein lieber Mensch kommt fröhlich winkend auf mich zu!
Ich öffne mein Facebook – und sehe eine Nachricht von jemandem, von dem ich schon ewig nichts mehr gehört habe!
Das Telefon klingelt – es ist der Anruf, auf den ich mich schon die ganze Zeit gefreut habe!
Eine Mail von einem Freund kommt rein – „Ey Aaler, dot worr richdich schie gestern Owend!“ (Für die Unkundigen: Hallo Alter (was unsere freundschaftliche Anrede ist), das war richtig schön gestern Abend.)

Oh Gott, Herr Pfarrer!

Darf ich als Pfarrer eigentlich nervigen Menschen zeigen, wie es mir mit ihnen geht? Muss ich nicht immer und zu allen freundlich sein? Im Beruf des Pfarrers gibt es auch eine manchmal schwierige Verschränkung von beruflich und privat. Das macht den „Job“ so spannend und interessant, aber manchmal auch so schwer. Natürlich versuche ich freundlich und nett zu sein, aber trotzdem will ich mir selbst treu bleiben. Schön ist, dass das letztlich auch von vielen Menschen aus unseren Gemeinden so gewünscht wird. Bei Predigten zum Beispiel merken die Zuhörer deutlich, ob ich selbst überzeugt bin von dem, was ich sage. Sie spüren, ob ich selbst betroffen bin, ob ich ehrlich bin, ob „ich das selbst bin“.
Man könnte das Ganze noch ausweiten. Als Pfarrer bin ich ja nicht nur Privatperson, sondern auch Repräsentant der Kirche. Hat das Einfluss auf meine Art zu kommunizieren? Wie soll Kirche überhaupt kommunizieren? Soll Kirche auch im Internet und in den sozialen Medien präsent sein? Wenn ja, wie kann das gelingen? Es gibt im aktuellen Deutschen Pfarrerblatt einen interessanten Artikel dazu, der auch online zu lesen ist: Kirche und Social Media.

Sachlich, freundlich, lieb, aufdringlich – wie kommunizierst Du?

So war die Frage des Webmaster Fridays. Also versuche ich mal auf diesem Hintergrund zu darzustellen, wie ich versuche zu kommunizieren. Ich weiß, dass mir das auch nicht immer gelingt. Ich kann zum Beispiel „wunderbar“ dozieren und schwätzen! Wenns sein muss „stundenlang“! Damit komme ich aber schon zu einem wichtigen Grundsatz, auch wenn ich selbst daran noch arbeiten muss:

Reden, Schreiben, Hören

Zuhören ist in der Kommunikation enorm wichtig. Gerade für die Kommunikation als Seelsorger! Als Seelsorger muss ich vor allen Dingen zuhören, alles Weitere, wie zum Beispiel Rat geben, Richtigkeiten (oder Dogmen) weitersagen und ähnliches hat dann zu schweigen. Wie sagt man doch so schön: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. In diesem Sinne will ich mir vornehmen, im Gespräch viel mehr zu schweigen, aber dafür offen und interessiert zuhören.
Beim Reden und Schreiben ist es natürlich viel schwieriger vorher zuzuhören. Aber in einem Kommunikationsprozess über Telefon, Mail oder Facebook gibt es da natürlich auch Hinweise. So kann schon die Art und Weise, wie jemand mich über Facebook anschreibt ein versteckter Hilferuf sein. Also ist mein nächster Grundsatz: Auch beim Reden und Schreiben will ich berücksichtigen, was ich vorher gehört habe oder schon weiß.
Noch ein intelligentes und wahres Sprichwort: Wie man in den Wald ruft, so schallt es einem entgegen. Das ist mein dritter Grundsatz! Natürlich kann man auch mal zornig in den Wald reinrufen, man darf sich nur nicht über die Reaktion wundern. Vielfach habe ich aber schon erlebt, dass selbst bei schwierigen Menschen oder auch bei Behörden etc. dieser Grundsatz so manche Tür weit geöffnet hat.
Mein vierter und wichtigster Grundsatz besteht aus einem einzigen Wort: Zuwendung! Das ist der Schlüssel zur Kommunikation, ob als Pfarrer, Freund, Kollege, Geschäftsmann/frau, Kunde oder … Wende ich mich offen und ehrlich meinem Gegenüber zu, dann kann auch mal deutlich gesagt werden, was Sache ist. Dann kann ich meine Meinung offen sagen und sie wird – nicht immer, aber oft – auch ankommen. Dann kann ich trösten, helfen und raten. Zuwendung ist das A und O.

Habt mit allen Menschen Frieden!

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Paulus aus Römer 12, 18: Ist es möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. „Habt mit allen Menschen Frieden“ hört sich fast so an, als ob ich doch mich selbst, meine Meinung unterdrücken müsste und immer allen alles Recht machen sollte. Ich meine, Paulus hat den Satz aber schon ganz richtig aufgebaut. Er macht nämlich eine kleine aber wichtige Einschränkung: soviel an euch liegt. Nicht immer ist es uns möglich jedem freundlich und liebevoll zu begegnen. Wir sind schließlich alle nur Menschen. Sollte also Kommunikation mal nicht gelingen, dann sag ich mir: Das kommt vor. Beginnen wir noch mal von vorn.

Lechajim – für das Leben!
Mit herzlichen Grüßen und bleiben Sie behütet!
Uwe Hermann, Pfr.