Für jede Woche einen Bibelvers

Ein Wochenspruch ist ein Vers aus der Bibel, der einem bestimmten Sonntag im Kirchenjahr zugeordnet ist. Dieser Spruch spiegelt das „Thema“ des Sonntags wieder.
Oft werden die Wochensprüche mit den Losungen der Herrenhuter Brüdergemeine in Zusammenhang gebracht. Dies ist allerdings nicht richtig.

Entstehung

Entstanden sind die Wochensprüche in der Berneuchener Bewegung. Diese Bewegung entstand Anfang der 1920er Jahre in Deutschland, zunächst aus der kirchlichen Jugendbewegung, mit dem Ziel der Erneuerung der Kirche. Die erste Konferenz in Berneuchen, einem Rittergut in der Neumark, fand 1923 statt. Besonders die liturgische Erneuerung lag den Berneuchnern am Herzen. Wir würden vielleicht sagen, das Feiern von lebendigeren Gottesdiensten und die Begleitung des alltäglichen Lebens durch die Bibel, das Gebet, geistliche Lieder und Ähnliches.

Zu den Berneuchnern gehörte auch der Pfarrer und Professor Wilhem Stählin, der seit 1924 das Jahrbuch „Das Gottesjahr“ herausgab. In diesem Jahrbuch gab es zunächst „Sinnsprüche“, die zum Nachdenken und Meditieren anregen sollten. Seit 1927 hat Stählin dann diese Sinnsprüche durch Bibelworte für jede Woche ersetzt. Es ergaben sich im Lauf der Jahre noch so manche Veränderungen an der Ordnung dieser Wochensprüche.

So haben wir angefangen; aber in dem Maß als sich unsere sachliche Aufgabe verdichtete und zugleich das Kirchenjahr in unseren Gesichtskreis trat, entstanden jene „Wochensprüche”, die streng nach dem Gang des Kirchenjahres jede Woche mit einem biblischen Wort einleiteten. Seit 1928 standen sie im Wesentlichen fest, und die Veränderungen, die aus verschiedenen äußeren und inneren Rücksichten seither daran vorgenommen worden sind, sind geringfügig gegenüber dem Weg von den Anfängen bis dahin. Diese „Wochensprüche” haben eine ziemlich allgemeine Verbreitung in der evangelischen Kirche in Deutschland gefunden und sie stellen vielleicht die einzige bleibende Auswirkung der Arbeit am „Gottesjahr” dar, auch wenn die wenigsten, die sie gebrauchen, um den Ursprung wissen. Wilhelm Stählin

Pfarrer Rudolf Spieker brachte die so entstandene und recht verbreitete Ordnung der Wochensprüche 1936 dann als Buch heraus. 1939 wurden sie schließlich weitgehen in den evangelischen Landeskirchen Deutschland – vor allem lutherischer Prägung – anerkannt.

Nach dem Krieg kam es insgesamt zu einer Neuordnung der liturgischen Ordnungen (Agende) der evangelischen Kirche, die im Jahr 1955 weitgehend zum Abschluss gebracht wurde.
Zitat von Pfarrer Martin Gensch: Seitdem stehen die Wochensprüche und die Textangaben der „Lesung für das Jahr der Kirche“ in allen kirchlichen Kalendern, Sonntagsblättern und in den Losungsbüchlein der Brüdergemeine.
In den 1970er Jahren kam es noch einmal zu einer Überarbeitung der Wochensprüche im Rahmen der Neugestaltung der Perikopenordnung (Ordnung der Bibellesungen und Predigtexte im Kirchenjahr).

Pfarrer Martin Gensch macht auch darauf aufmerksam, dass es

schon lange vorher Wochensprüche gab. Der schon bei den Ausführungen zum Kirchenjahr erwähnte ev.-luth. Kirchenrat und Oberpfarrer Dr. Georg Christian Dieffenbach aus Schlitz im Großherzogtum Hessen erwähnt in seinen „Evangelischen Haus-Agenden“ von 1852 bis 1894 immer Wochensprüche für jeden Sonntag.

Interessantes

Die Wochensprüche in Gebärdensprache

Zu jedem Sonntag des Kirchenjahres

Alle Wochensprüche findet ihr hier: Liturgische Konferenz (PDF-Download!)

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe