Wochenspruch Trinitatis

Der Wochenspruch für Trinitatis steht in Jesaja 6, 3: „Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.”

„Bit de Jeans i de Kerche“

Viele können sich das heute kaum vostellen: In meiner Jugendzeit bin ich mit etlichen Gleichaltrigen gerne und oft in die Kirche gegangen. Wir hatten einen sehr aktiven Jugendkreis in unserer Gemeinde, der von der landeskirchlichen Gemeinschaft geprägt war. Das heißt, wir waren „fromm“, wir glaubten an Jesus und versuchten diesen Glauben zu leben. In dieser Zeit gab es an einem Abend unter der Woche eine regelmäßige Bibelstunde. Oft besuchten wir auch mit einigen Jugendlichen diese Versammlung in der Kirche.

Besonders mochten wir einen Prediger, der Tacheles redete! Oft verfiel er ins Wäller Platt während er sprach und seine Predigten waren so lebensnah, dass es sogar uns Jugendlichen gefiel. Eines Abends in einer solchen Bibelstunde unseres Lieblingspredigers fielen wir aber beinahe vom Hocker (äh, vom Kirchenstuhl). Und das kam so:

Der Prediger begab sich auf die Kanzel und schrie (! ja in der Tat!):

„Heilig, heilig, heilig ist der Herr! Und iiiiiiiihr junge Leut kommt bit de Jeans i de Kerche!“

Und dabei zeigte er mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger auf uns. Wow! Das war ne Ansage! Ich wundere mich heute noch, dass wir nach dieser Predigt – die in diesem Stil voller Vorwürfe gegen die „heutige Jugend“ (vor dreißig Jahren) weiterging – überhaupt noch einmal in die Kirche gegangen sind.

Heilig, heilig, heilig

Was bedeutet denn dieses Heilig in dem Wochenspruch Trinitatis? Heißt das etwa, dass man nur im Anzug oder Sonntagskleid in die Kirche kommen darf? Oder hat das etwas mit „den Heiligen“ zu tun? Muss man etwa ganz besonders gläubig, ganz besonders gut, ganz besonders hilfsbereit … sein?

Mein Kollege Pfr. Jochen M. Heinecke schreibt tatsächlich auf seiner Website (leider ist die Website inzwischen nicht mehr erreichbar):

Das hebräische Wort bedeutet so etwas wie: besonders, nicht von dieser Welt, unterschieden von unseren begrenzten Vorstellungsmöglichkeiten. Besonders, besonders, besonders… damit ist eigentlich alles gesagt.

Allerdings meint er es etwas anders: Nicht wir müssen besonders sein, sondern Gott ist besonders. Er ist immer wieder anders, als wir es uns vorstellen. Vielleicht hat er ja sogar Freude daran, wenn junge Leute in der Jeans in die Kirche kommen. Naja, das ist ja heute nichts Außergewöhnliches mehr. Aber vielleicht hat Gott ja überhaupt Freude an uns Menschen. Ja, ich glaube, er freut sich an der Vielfalt und Buntheit unserer Welt und des Lebens. Und auf jeden Fall freut er sich daran, wenn Menschen freundlich miteinander umgehen und sich nicht über andere erheben und sie anschreien.

Du bist etwas Besonderes!

Ganz besonders freut er sich aber sicher daran, wenn wir unser Vertrauen in ihn setzen und seine Liebe zu uns geschehen lassen. Eine andere Bedeutung des hebräischen Wortes für heilig könnte man so übertragen: Heilig ist alles, was zu Gott gehört. Dadurch werden auch wir etwas Besonderes! Weil der dreieinige Gott, den wir am Sonntag Trinitatis feiern, besonders ist, ist auch jeder Einzelne von uns etwas Besonderes. Nein, du bist nichts Besonderes, weil du dich fein kleidest, weil du reich bist, weil du jeden Tag eine gute Tat tust, nicht einmal weil du besonders fromm bist!

Du bist etwas Besonderes, weil Gott dich liebt! Du bist etwas Besonderes, weil Jesus für dich da ist! Du bist etwas Besonderes, weil der Heilige Geist dich durch dein Leben begleitet!

Liebe Leserinnen und Leser, freut euch an diesem dreieinigen Gott, der euch liebt! – und kommt ruhig so wie ihr seid i de Kerch!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe