Predigt Offenbarung 21, 1-7

Predigt Offenbarung 21, 1-7 von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am Totensonntag 2016

Totensonntag

Predigtreihe 2

Predigttext: Offenbarung 21, 1-7

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind gewiss und wahrhaftig. Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende. Ich will dem Dürstenden aus der Quelle des Wassers des Lebens geben umsonst. Wer überwindet, wird dies erben, und ich werde ihm Gott sein, und er wird mir Sohn sein.

Predigttext bei die-bibel.de

Predigt Offenbarung 21, 1-7

Liebe Gemeinde!

Viele von Ihnen sind heute hier, weil sie einen lieben Menschen im vergangenen Kirchenjahr verloren haben. Wir nennen diesen Sonntag Totensonntag. Weil wir dieser gestorbenen Menschen gedenken, uns an sie erinnern. Wir suchen Trost in der Gemeinschaft, im Gebet. Möge Gott selbst uns trösten.

Wahrscheinlich sind auch viele hier, die noch anderes Leid in ihrem Leben spüren. Kranke, Einsame, Verlassene, Sorgenvolle…

Ich hoffe, wir alle sind hier, weil wir nach Trost und Hoffnung suchen. Deshalb nennen wir diesen Sonntag auch Ewigkeitssonntag, weil er unseren Blick nach vorne richten will, über unseren Alltag und die alltäglichen Sorgen und Nöte hinaus.

Im Predigttext sagt Gott: Ich mache alles neu.

Ist das zu glauben? Mitten im Leid scheint uns das doch schier unmöglich. Manchmal scheint es doch keinen Ausweg aus der Trauer und den Schmerzen und den Tränen zu geben. Wie kann da alles neu werden? Kann es einen neuen Anfang geben? Wie kann es im Leben weitergehen?

Liebe Gemeinde,

darf ich Ihnen mal etwas von mir selbst und meinen Erfahrungen erzählen?

Als ich gerade 20 Jahre alt war, starb mein Vater sehr plötzlich. Ich war tieftraurig, aber ich bin erzogen, wie es in meiner Generation noch weithin üblich war: Ein Indianer kennt keinen Schmerz und Jungs, Männer weinen nicht.

Ich war stark, besonders um meiner Mutter willen, ich habe alles geregelt, war stark während der Beerdigung…

Aber dann, als beim Trauerkaffee nach der Beisetzung mein damals bester Freund endlich in den Raum kam, hat er mich in die Arme genommen und ich habe hemmungslos geweint.

  • Ein Freund mitten im Leid
  • Trost angesichts des Todes

Jahre später fiel dieser Freund durch einen grausamen Unfall in ein Wachkoma, aus dem er bis heute nicht erwacht ist. In dieser Zeit wurde mein Sohn geboren. Als kleines Baby habe ich ihn meinem Freund, der anscheinend nichts wahrnahm, auf den Schoß gesetzt. Und plötzlich strahlten seine Augen.

  • Neues Leben mitten in Krankheit
  • Freude mitten im Leid

Als mich im letzten Jahr meine Frau verließ und ich in das tiefste Loch meines Lebens fiel, waren mein Sohn und meine beiden Töchter wie Anker in der stürmischen See. Ohne sie wäre es wohl dunkel geblieben für mich. Heute kann ich wieder leben und lieben und lachen und hoffen und diesen Gottesdienst mit Ihnen feiern.

  • Ein neuer Anfang mitten im Ende
  • Auferstehung mitten im Leben

Es ist wie ein roter Faden, der sich durch das Leben zieht. Im Alltag kaum zu erkennen, im Leid und angesichts der Trauer schier unmöglich wahrzunehmen. Erst in der Rückschau auf lange Jahre ansatzweise, vielleicht nur an einem Zipfelchen zu erfassen.

Ich kann aufgrund meiner eigenen Erfahrungen Ihnen heute keine großartigen Versprechungen machen. Ich kann nicht groß auftrumpfen mit Aussagen, wie ein gewaltiger Glaubensheld. Ich kann nur ganz vorsichtig versuchen mit Ihnen dieses kleine Ende des roten Fadens aufzunehmen, vielleicht mit ganz vielen Zweifeln und mit ganz kleiner Hoffnung und einem Glauben so klein und schwach wie ein Senfkorn, aber immerhin mit der Sehnsucht nach Leben und nach Gottes Nähe.

Ich wünsche Ihnen allen diese Erfahrungen:

Da sind Menschen, die Ihnen nahe sind und beistehen, die trösten und in den Arm nehmen und verstehen.

Da sind Situationen, in denen Leid und Tod mitten im Leben uns treffen, aber es kann auch gegen den Anschein weitergehen und Neues entstehen.

Da sind Situationen, in denen Leben und Freude mitten in unser Leid treffen und uns neuen Mut und neue Hoffnung geben.

Es bleibt uns immer, in Freud und Leid, diese tiefe Sehnsucht nach Leben und Ganzsein und Hoffnung und Zukunft – und Gott.

Ist es nicht wunderbar, dass Gott uns in diesem Text aus der Offenbarung ohne Wenn und Aber eines verspricht:

Siehe, ich mache alles neu und das ist verlässlich und wahr.

Lassen Sie uns gemeinsam danach suchen und versuchen es zu spüren, dass Gott mitten unter uns sein will und uns nahe ist – auch in einem Freund und einer Freundin, auch in den Kindern, auch in Freud und Leid, in Sorgen und Zweifel, in Hoffen und Bangen.

Vielleicht können wir es nicht im Brustton der frommen Überzeugung sagen, vielleicht aber doch mit vorsichtiger Hoffnung und tiefer Sehnsucht:

Er ist da.

Amen.

 

Pfr. Uwe Hermann

Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 20.11.2016 in Manderbach und Sechshelden.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

PS: Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann bleib doch dabei und lies regelmäßig meine Beiträge. Ich freue mich, wenn du meinen Newsletter abonnierst:

PPS: Eine tolle Predigt:

http://www.predigtpreis.de/predigtdatenbank/predigt/article/predigt-ueber-offenbarung-211-7-4.html