Predigt Epheser 5, 8b-14 von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am 8. Sonntag nach Trinitatis 2016

8. Sonntag nach Trinitatis

Predigtreihe 2

Predigttext Epheser 5, 8b-14

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist, und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf. Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Das alles aber wird offenbar, wenn’s von Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst, und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten.

Predigttext bei die-bibel.de

Predigt Epheser 5, 8b-14

Liebe Gemeinde!
Bei dem heutigen Predigttext bin ich schon bei den ersten Worten hängen geblieben: Lebt als Kinder des Lichts. Ich habe mich in den letzten Tagen mit der symbolischen Bedeutung von Licht beschäftigt. Das ist wirklich interessant und ungeheuer vielfältig.

Lichtsymbolik

Drei Punkte möchte ich dabei mal herausgreifen:
1. Licht deckt auf, was man gerne im Verborgenen – im Dunklen – gehalten hätte.
Das kann schon ganz schön unangenehm sein, wenn etwas ans Licht kommt. Das gilt für die großen Vorgänge in der Politik, bei berühmten Menschen, in der Wirtschaft. Das gilt aber auch für das persönliche Leben einzelner Menschen, ja auch in unserem eigenen Leben. Es hat ja wohl jeder so seine dunklen Ecken, auch wenn es nicht immer eine Leiche im Keller ist.
Lügen und Betrug, aber auch einfach Dinge, die einem unangenehm sind, werden im Dunkeln gehalten. Kommt es ans Licht, wird es problematisch. Erklärungen werden gesucht und Entschuldigungen. Manchmal kann es auch lebensverändernd sein, zum Beispiel, wenn ein Ehepartner eine Affäre eingestehen muss.
Wenn es andere betrifft, dann stellt sich schon mal Schadenfreude ein oder – und das ist doch wesentlich schlimmer – es gibt Verletzungen, die nur schwer wieder heilen.

2. Licht ist heilend. Das weiß man in der Lichttherapie, die in der Psychotherapie und Medizin genutzt wird. Das schließt aber auch im übertragenen Sinn an das an, was ich gerade gesagt habe. Wenn etwas ans Licht kommt, dann gibt es aber immerhin auch die Chance, dass es besser wird. Manchmal ist man erleichtert. Eine echte Bitte um Verzeihung kann Wunden heilen. Auch ein Neuanfang wird möglich.

3. Licht ist in der Bibel Symbol für die Gegenwart Gottes. Auch im Glauben gelten diese beiden Seiten des Lichtes: Gottes Gegenwart deckt Verborgenes auf. Das ist unangenehm. Es fällt uns manchmal schwer, Gott so zu sehen, als einen, der alles sieht und dem nicht alles gefällt, was wir tun.
Aber auch dabei gilt, dass Gottes Gegenwart heilt. Der Glaube kann tatsächlich helfen, auch tiefe Wunden und Verletzungen der Seele zu heilen. Wir müssen uns nur darauf einlassen und nach Gottes Gegenwart – also dem Licht Gottes – in unserem Leben suchen. Wer sucht, der wird finden. Das hat Gott uns versprochen.

Krieger des Lichts

Es gibt eine sehr bekannte Musikgruppe „Silbermond“. Ich mag sie sehr gerne, deshalb ist mir bei dem Ausdruck Kinder des Lichts natürlich gleich das Lied Krieger des Lichts von Silbermond eingefallen. Ich kenne das Lied schon sehr lange, aber mir ist noch nie klargeworden, wie sehr der Text von christlichem Glauben durchzogen ist.

Ich lese die zweite und dritte Strophe vor:

Hab keine Angst vor Deinen Schwächen
Fürchte nie Deine Fehler aufzudecken
Sei bedacht, beruhigt und befreit
Sei auch verrückt von Zeit zu Zeit
Lass Dich nicht täuschen, auch wenn’s aus Gold ist
Lass Dich nicht blenden, erst recht von falschem Stolz nicht
Lerne vergeben und verzeihen
Lerne zu fesseln und zu befreien

Und er (der Krieger des Lichts) kennt seine Grenzen
Und geht trotzdem zu weit
Kein Glück in der Ferne nachdem er nicht greift
Seine Macht ist sein Glaube
um nichts kämpft er mehr
Und das immer und immer wieder
Deswegen ist er ein Krieger

Und im Refrain heißt es:

Lasst uns aufsteh‘n
Macht Euch auf den Weg
Das hier geht an alle Krieger des Lichts

Etwas martialisch ist ja der Ausdruck Krieger des Lichts schon. Für ein Lied einer modernen Popgruppe mag das passend sein. Ein Krieger kann aber auch anderen wehtun und sie verletzen. Das ist nicht im Sinne des Lichtes. Aufdecken ja, aber nicht verletzen.
Deshalb finde ich, dass der biblische Ausdruck Kinder des Lichts genauso passend ist, vielleicht sogar besser.
Wenn Licht ein Symbol für die Gegenwart Gottes ist, dann sind wir als Gottes Kinder immer auch Kinder des Lichts.

Verhalten der Kinder des Lichts

Wir sollen uns auch so verhalten, wie Kinder des Lichts – aufdecken und heilen.
Der Predigttext nennt drei Möglichkeiten, wie wir als Kinder des Lichts leben können.

Güte – das ist die heilende Seite. Freundlich und liebevoll auf andere zugehen, den Menschen in unserer Umgebung helfen, ihnen beistehen. Vergeben und verzeihen, wie es auch in dem Lied heißt. Lasst uns das Dunkel in dieser Welt ein klein wenig heller machen.

Gerechtigkeit – wie schnell verurteilen wir andere Menschen, weil sie nicht genauso sind, wie wir. Warum ist ein Mensch so, wie er geworden ist? Was für ein Päckchen trägt er mit sich herum. Oft ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Wir werden anderen nur gerecht, wenn wir sie im Licht Gottes sehen.

Wahrheit – Offen und ehrlich zu sein ist nicht immer leicht. Dadurch wird man verletzlich. Aber die Wahrheit ist das Licht, das aufdeckt, was verborgen ist. Manchmal muss man auch den Finger in die Wunde legen. Manchmal muss man auch erkennen, was die Wahrheit ist. Erst dann kann es wieder hell werden.

Die Halle der Welt mit Licht füllen

Jesus selbst greift das Symbol Licht auf, wenn er von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. In ihm und seinem Weg wird die Gegenwart Gottes in unserer Welt erkennbar. Er bringt dieses Licht Gottes in unsere Welt und unser Leben.
Durch Jesus erhält der Predigttext auch eine großartige Zusage. Wenn wir als Kinder des Lichts leben, dann wird uns „Christus erleuchten“. Diese Zusage bedeutet, dass wir tatsächlich selbst Licht sein können. Wir mögen kein „großes Licht“ sein, aber auch mit einem kleinen schwachen Licht können wir viel ausrichten.

Es geht nicht um große Taten. Ganz kleine Lichter können wir alle sein – das reicht aber schon, wie in folgender Geschichte symbolisch erzählt wird:

Ein König hatte zwei Söhne. Als er alt wurde, da wollte er einen der beiden zu seinem Nachfolger einsetzen. Er rief seine beiden Söhne herbei. Er gab jedem fünf Silberstücke und sagte: „Ihr sollt für dieses Geld die Halle in unserem Schloss bis zum Abend füllen. Womit, das ist eure Sache.“
Der ältere Sohn ging davon und kam an einem Feld vorbei, wo die Arbeiter dabei waren, das Zuckerrohr zu ernten und in einer Mühle auszupressen. Das ausgepresste Zuckerrohr lag nutzlos herum. Er dachte sich: „Das ist eine gute Gelegenheit, mit diesem nutzlosen Zeug die Halle meines Vaters zu füllen.“ Mit dem Aufseher der Arbeiter wurde er einig, und sie schafften bis zum späten Nachmittag das ausgedroschene Zuckerrohr in die Halle. Als sie gefüllt war, ging er zu seinem Vater und sagte: „Ich habe deine Aufgabe erfüllt. Auf meinen Bruder brauchst du nicht mehr zu warten. Mach mich zu deinem Nachfolger.“ Der Vater antwortete: „Es ist noch nicht Abend. Ich werde warten.“
Als es dunkel wurde kam auch der jüngere Sohn. Er bat darum, das ausgedroschene Zuckerrohr wieder aus der Halle zu entfernen. So geschah es. Dann stellte er mitten in die Halle eine Kerze und zündete sie an. Ihr Schein füllte die Halle bis in die letzte Ecke hinein.
Der Vater sagte: „Du sollst mein Nachfolger sein. Dein Bruder hat fünf Silberstücke ausgegeben, um die Halle mit nutzlosem Zeug zu füllen. Du hast nicht einmal ein Silberstück gebraucht und hast sie mit Licht erfüllt. Du hast sie mit dem gefüllt, was die Menschen brauchen.“
(Aus: Willi Hoffsümer, Kurzgeschichten, Band IV, Verlag Matthias-Grünewald, 2008, leicht verändert.)

Ich schließe mit dem etwas abgewandelten Refrain des Lieds von Silbermond:
Lasst uns aufsteh‘n
Macht Euch auf den Weg
Das hier geht an alle Kinder des Lichts
Amen.

Pfr. Uwe Hermann
Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 17.07.2016 in Sechshelden und Manderbach.
Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

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