Predigttext: Lukas 11, 5-13

Liebe Gemeinde!
Wer steht eigentlich im Mittelpunkt dieser Geschichte? Der Gebende oder der Bittende? Ist diese Geschichte etwa eine Aufforderung an uns, freimütig zu geben? oder sollen wir das richtige Bitten lernen?
Die sie das eigentlich war uns mit dem Bitten aus? Normalerweise ist es doch so, dass wir bei einer Bitte immer meinen, wir müssten wieder etwas zurückgeben. Überlegen Sie mal einen Moment für sich selbst: können wir eigentlich eine Bitte aussprechen, ohne zusagen oder doch zumindest zu denken, bekommst es morgen wieder zurück. Oder kennen Sie nicht auch diese lästige Geschichte, das man überlegt, was habe ich von dem unter derjenigen eigentlich im letzten Jahr zum Geburtstag bekommen? Wie viel muss ich dann diesmal schenken?
Unsere Kultur des Bittens beruht auf Gegenseitigkeit. Eigentlich ist es also eher eine Kultur des Bezahlens.
Von Martin Luther wird erzählt, eines seiner letzten Worte sei gewesen: wir sind Bettler, das ist wahr! Betteln ist sozusagen die reine Form des Bittens. Wir betteln muss, der kann auch nichts wiedergeben. In diesem Sinne heißt eine Kultur des Bittens: wir sind Bettler vor Gott.
Wenn wir nun aber beten und Gott um etwas bitten, was nützt das denn eigentlich? Dazu möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen.
Bertold Brecht erzählt in seinem Bühnenstück „Mutter Courage“ von einer Begebenheit während des 30-jährigen Krieges. Auf einem Bauernhof vor der Stadt Halle haben die Bauersleute Mutter Courage aufgenommen, die mit ihrer stummen Tochter Kattrin auf der Flucht ist. Mitten in der Nacht kommen die feindlichen Soldaten auf den Hof. Sie sind auf dem Weg zur Stadt, um sie einzunehmen. Sie zwingen den Sohn des Bauern, ihnen und ihren Truppen den besten Weg in die Stadt zu zeigen. Dann ziehen sie weiter. Der Bauer steigt aufs Dach der Scheune und sieht, dass in der Stadt kein Licht brennt. Auch die Wachtürme der Stadt scheinen unbesetzt zu sein, niemand ist zu sehen. Die Stadt müsste gewarnt werden.
„Wenn wir nur mehr wären…“ sagt die Bäuerin. „Wir können nix machen. Nix.“ Und sie sagt zur stummen Kattrin: „Bet, armes Tier, bet! Wir können nix machen gegen das Blutvergießen. Wenn du schon nicht reden kann, kannst doch beten!“
Alle knien nieder. Kattrin aber steht während des Betens auf, holt etwas aus ihrem Handwagen und klettert unbemerkt aufs Dach der Scheune. Sie beginnt mit aller Kraft eine Trommel zu schlagen, und sie hört nicht auf zu trommeln. Nach kurzer Zeit beginnen in der Stadt die Sturmglocken zu läuten. Man hat die Warnung verstanden. Kattrins Trommeln hat die Stadt gerettet.
Wer hat denn nun eigentlich den Menschen in der Stadt geholfen? Die stumme Kattrin oder ihre Familie? Der Bertolt Brecht, war die Antwort klar: das war Kattrin. Aber könnte man das nicht genauso gut umdrehen? Wer weiß denn, ob Kathrin ohne das Gebet auf diesen Gedanken gekommen wäre? Sicher ist das nicht beweisbar, man kann das nur glauben!
Wenn also beten tatsächlich etwas nützt, was gibt uns denn Gott? Jesus sagt: bittet so wird euch gegeben. Heißt das etwa: betet, so werden alle eure Wünsche erfüllt? Das kann es ja wohl nicht sein!
Jesus sagt, dass Gott uns seinen heiligen Geist gibt. Liebe Gemeinde, ich vermute, dass genau das der Mittelpunkt dieses Textes ist. Nicht der Bittende und auch nicht der Gebende. Sondern die Gabe des Heiligen Geistes. Aber was heißt das?
Jedenfalls zuerst und vor allen Dingen: Gott ist bei uns! Auch wenn das vier Worte sind, die sie, liebe Gemeinde, von mir immer wieder in Predigten hören, ich kann es auch heute nicht vermeiden! Das ist das A und O. Gott ist bei uns! Und dafür steht der Heilige Geist. Im Bezug auf das Gebet: ja, Gott erfüllt unsere Bitten! Aber er erfüllt nicht alle unsere Bitten! Sie können sicher sein, dass er uns aber auch dann hilft, wenn es in unserem Leben anders läuft, als wir denken!
Wie oft habe ich zum Beispiel erlebt, dass Menschen in tiefer Trauer über den Verlust eines lieben Menschen Trost im Gebet finden. es kann durchaus auch die Klage vor Gott sein oder sogar die Anklage. Aber wenn Menschen empfindsam sind für den Glauben, dann spüren Sie, dass Gott sie auch in der tiefsten Tiefe nicht loslässt.
Wenn wir zu Gott beten und Gott unsere Bitten erfüllt, dann ist es das Größte, was wir sagen können und was wir glauben können: Gott schenkt uns seinen heiligen Geist.
Wir sind Bettler vor Gott, sagt Luther, aber wir sind Bettler, die von Gott die Hände übervoll gefüllt bekommen. So können wir betend und voller Freude und Hoffnung sagen: ja, wir sind Bettler, das ist wahr.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe