Predigt Römer 2, 1-11

Predigt Römer 2, 1-11 von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am Buß- und Bettag des Kirchenjahres 2016

Buß- und Bettag

Predigtreihe 2

Predigttext Römer 2, 1-11

Darum, o Mensch, kannst du dich nicht entschuldigen, wer du auch bist, der du richtest. Denn worin du den andern richtest, verdammst du dich selbst, weil du ebendasselbe tust, was du richtest. Wir wissen aber, dass Gottes Urteil recht ist über die, die solches tun. Denkst du aber, o Mensch, der du die richtest, die solches tun, und tust auch dasselbe, dass du dem Urteil Gottes entrinnen wirst? Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?

Du aber mit deinem verstockten und unbußfertigen Herzen häufst dir selbst Zorn an auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichtes Gottes, der einem jeden geben wird nach seinen Werken: ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben; Ungnade und Zorn aber denen, die streitsüchtig sind und der Wahrheit nicht gehorchen, gehorchen aber der Ungerechtigkeit;

Trübsal und Angst über alle Seelen der Menschen, die Böses tun, zuerst der Juden und ebenso der Griechen; Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden allen denen, die Gutes tun, zuerst den Juden und ebenso den Griechen. Denn es ist kein Ansehen der Person vor Gott.

Predigttext bei die-bibel.de

Predigt Römer 2, 1-11

Liebe Gemeinde,

Balken und Splitter

Donald Trump scheint doch ein fürchterlicher Mensch zu sein und von ihm als Präsident der USA ist wirklich nichts Gutes zu erwarten. Das scheint doch die einhellige Meinung in Deutschland zu sein. Viele von Ihnen werden dem wohl auch zustimmen.

Überhaupt, Politiker sind ja so ein Menschenschlag für sich, sie reden und versprechen viel, aber kriegen nichts Vernünftiges zustande und korrupt sind die meisten auch. Auch das scheint allgemein so gesehen zu werden.

Aber wie ist das, wenn wir auf uns selbst schauen: Wenn die da oben so was tun und Millionen versenken ohne mit der Wimper zu zucken, dann brauche ich es doch in meinem Leben auch mit der Ehrlichkeit nicht so streng zu sehen.

Wir handeln oft genug nach dem Motto: Wenn die da oben erst mal den Balken aus ihrem Auge ziehen, dann zieh ich auch den Splitter aus meinem Auge.

Moment mal, war das bei Jesus nicht anders? Hat er nicht gesagt: Zieh erst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du dich um den Splitter im Auge des anderen kümmern?

Kein Ansehen der Person vor Gott

Es gibt einen Satz in diesem Predigttext, der sehr bekannt geworden ist. Es ist der Satz, dass es kein Ansehen der Person vor Gott gibt. Dieser Satz ist sinngemäß sogar in das Grundgesetz eingegangen. Nicht nur bei uns, sondern in vielen Staaten dieser Welt ist es eine grundlegende Richtlinie. In dem Sinn: Vor dem Gesetz sind alle gleich.

Deshalb wird auch Justitia mit verbunden Augen dargestellt. Es kennt wohl jeder diese Statuen und Abbildungen. Egal, ob jemand reich oder arm ist, egal ob Mann oder Frau, egal welche Religion oder Weltanschauung. Das Gesetz gilt für alle gleich. Oder wie wir Christen sagen würden: Es gibt kein Ansehen der Person vor Gott.

Aber wie ist das wirklich bei uns?

Können wir uns davon freisprechen? Macht es für uns wirklich keinen Unterschied, ob wir einen Menschen in feiner Kleidung, mit gepflegtem Äußeren oder einen Bettler in abgerissenen Klamotten vor uns haben? Macht es keinen Unterschied, ob wir mit einem lieben uns seit Jahren bekannten Nachbarn reden oder mit dem arabisch aussehenden Flüchtling aus Syrien oder Afghanistan?

Oder wie ist es im Blick auf den Glauben?

Wie oft habe ich schon gehört, dass eine Predigt – nicht nur von einem Pfarrer – von Menschen, die sich selbst für besonders gläubig halten, danach beurteilt wird, ob genügend Gericht gepredigt wird. Das heißt, es geht nicht zuerst um die Liebe Gottes für alle Menschen, sondern es soll vor allem gesagt werden, dass alle, die nicht richtig glauben von Gott verdammt werden.

Setzt das nicht voraus, dass man schon über „die anderen“, die „Ungläubigen“ gerichtet hat?

Sollten wir nicht lieber diese Entscheidung Gott überlassen? Wir schauen doch sowieso keinem anderen Menschen hinter die Stirn.

Ich selbst und Gottes Liebe

Zwei Dinge fallen mir dazu besonders auf:

  1. Wer so denkt, der übersieht in diesem Predigttext und in vielen Texten der Bibel, dass es bei Buße und Umkehr immer zuerst um uns selbst geht. Immer ist die Frage, wie steht es um mich. Es geht nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Nicht der Splitter im Auge des anderen ist interessant für Jesus, sondern der Balken in meinem eigenen Auge.
    Schau zuerst auf dich, dann verstehst du, was Paulus in diesem Predigttext und vor allem Jesus selbst tatsächlich meinen.
  1. Da gibt es einen entscheidenden Satz in diesem Predigttext: Weißt du nicht, dass dich Gottes Güte zur Buße leitet?
    Über all den ernsten und ermahnenden Worten zur Buße, die Paulus hier schreibt, steht immer die Güte Gottes. So sollten doch auch wir Geduld mit uns selbst und vor allem mit anderen haben. Die Liebe und Güte Gottes zu uns sind das erste, das wir als Christen zu sehen und zu sagen haben. Erst danach kommt die Ermahnung auf dieser Grundlage.

Buß- und Bettag

Es ist gut, dass es heute am Buß- und Bettag, diese Ermahnung gibt: Achtet alle Menschen gleich! Achtet darauf, dass ihr selbst das vor Gott und den Menschen Gute und Richtige tut! Verhaltet euch so, dass ihr vor Gott bestehen könnt.

Die Frag ist und bleib, ob uns das immer gelingt. Wahrscheinlich nicht. So sind wir Menschen eben. Es ist gut, dass Paulus uns auch darauf aufmerksam macht, indem er deutlich auf die Liebe und Güte Gottes, die uns selbst und allen Menschen gilt, hinweist.

Nicht nur im Blick auf andere Menschen neigen wir zur Kritik, manchmal sind wir ja auch sehr kritisch mit uns selbst. Manchmal sehen wir ja tatsächlich den Balken in unserem eigenen Auge. Perfekt werden wir niemals werden. Aber auch für uns selbst gilt diese Liebe und Güte Gottes. Auch mit uns selbst – so wie mit anderen Menschen – dürfen und sollen wir Geduld haben und vor allem liebevoll sein.

Es ist deshalb vor allem gut, dass über all dem – auch über uns selbst – immer die Güte und Liebe Gottes steht.

Amen.

 

Pfr. Uwe Hermann

Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 16.11.2016 in Manderbach und Sechshelden.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe