Predigt Prediger 9, 7-10

Predigt Prediger 9, 7-10 von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am 18. Sonntag nach Trinitatis 2016

Freier Predigttext

 

Predigttext: Prediger 9, 7-10

So geh hin und iss dein Brot mit Freuden, trink deinen Wein mit gutem Mut; denn dies dein Tun hat Gott schon längst gefallen.

Lass deine Kleider immer weiß sein und lass deinem Haupte Salbe nicht mangeln.

Genieße das Leben mit der Frau, die du liebhast, genieße das Leben mit dem Mann, den du liebhast, solange du das eitle Leben hast, das dir Gott unter der Sonne gegeben hat; denn das ist dein Teil am Leben und bei deiner Mühe, mit der du dich mühst unter der Sonne.

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu;

 

Predigttext bei die-bibel.de

 

Liebe Gemeinde,

Nutze den Tag

wir alle kennen den Spruch: Nutze den Tag! Carpe diem.

Heute ist Sonntag und wir feiern hier Weinfest. Da kann man das gut hören in einem positiven Sinn. Feiern, fröhlich sein, auch Gottesdienst feiern, schön, wunderbar.

Nutze den Tag kann aber auch Druck machen. Druck, möglichst viel zu schaffen. Schaffe, schaffe Häusle baue. Ruhe und Fest und Besinnung im Gottesdienst passt dann nicht so wirklich darein. Aber geht es nicht vielmehr um Qualität statt Quantität?

Was macht das Leben aus? Wie nutze ich den Tag gut und sinnvoll?

Alles ist eitel

Es gibt einen wunderschönen Text im Alten Testament dazu, den ich gerade vorgelesen habe. Dieser Text ist es wohl wert, genauer betrachtet zu werden.

Alles ist eitel. So beginnt das biblische Buch des Predigers, aus dem dieser Spruch stammt. Alles ist eitel, vergeblich oder vergänglich würden wir heute sagen. Kann aus einem Buch, über dem eine solche Überschrift steht eine Hilfe zu gutem, fröhlichem Leben kommen?

Alles ist vergeblich, das klingt nicht nach Glauben und Hoffnung und schon gar nicht nach Liebe und Freude und Feiern.

Brot und Wein – Freude

Und doch heißt es im Predigttext: Iss dein Brot mit Freuden, das hört sich schon besser an.

Brot und Wein, oder ganz allgemein Lebensmittel, sollen wir mit Freuden genießen. Das lässt man sich gerne sagen. So soll es sein. Viel Freude und Spaß sollen und dürfen wir haben.

Brot und Wein sind auch die Bestandteile des Abendmahls. Auch das finde ich einen guten Hinweis für uns in der Kirche. Feiern wir das Abendmahl so, dass wir uns am Brot freuen und den Wein (Traubensaft) mit gutem Mut trinken?

Aber dieser Bibeltext soll unser ganzes Leben begleiten. Lass dir das auch für den Alltag, zum Beispiel das tägliche einfache Frühstück, gesagt sein: Iss dein Brot mit Freuden. Trink deinen Wein, oder den Frühstückskaffee mit Freude.

Genieße das Leben

Brot und Wein stehen in diesem Text aber nicht nur für das Essen und Trinken. Freude am Leben, das ist es um das es geht. Das wird auch ausgedehnt auf die Kleidung, den ganzen Körper und auch auf die Beziehung zwischen Menschen, die sich lieben – hm, sicher auch in einem körperlichen Sinn.

Genieße das Leben mit der Frau die du liebhast, genieße das Leben mit dem Mann, den du liebhast.

Genieße dein Leben – in diesem Sinne: Carpe Diem.

Gott freut sich mit mir

Der Text geht sogar noch weiter: Es ist leider auch heutzutage noch vielen Menschen eine fremde Aussage: Gott gefällt es, wenn Menschen Freude am Leben haben. Das ist es, was Gott möchte. Er hat ja Brot und Wein nicht erschaffen um es verkommen zu lassen. Warum sollte uns das, was Gott geschaffen hat nicht schmecken und gefallen?

Und doch macht das Leben auch Mühe

Eine Einschränkung muss ich aber nun doch noch machen. Wir erleben es alle immer wieder: Das Leben besteht nicht nur aus Essen und Trinken, aus Freude und Feiern, aus lieben und geliebt werden. Das Leben macht auch Mühe. Davon redet der Text auch. Es macht Mühe, das Geld fürs tägliche Leben zu verdienen. Es macht auch Mühe jeden Tag zu kochen die Wohnung so herzurichten, dass man sich darin wohlfühlen kann. Es macht Mühe mit Sorgen und Krankheit umzugehen. Es macht auch schon mal Mühe mit den Menschen umzugehen, die einem tagtäglich begegnen. Die Freude am Leben ist nicht ohne Mühe zu haben. Aber diese Mühe hat eine große Verheißung Gottes: Das Leben besteht eben nicht nur aus Mühsal, es macht auch Freude.

Alles, was dir vor die Hände kommt

Und schließlich der letzte Satz in diesem Text: Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu! Okay, also doch schaffen… Tu es! Schaff was…

Alles? Alles soll ich tun, was mir begegnet? Wie bitte, ich soll alles tun, was mir vor die Hände kommt? Das heißt doch, dass ich für alles verantwortlich wäre, was mir im Laufe des Tages, der Zeit, des Lebens begegnet, oder? Das ist ja wohl wirklich zu viel verlangt! Was ist das nur für ein gewaltiger Druck! Unglaublich. Ich muss dann ja dauernd das Gefühl haben, ich müsste und müsste und müsste. Immer weiter, immer mehr.

Das scheint unmöglich zu sein. Dagegen würdest du dich doch wehren oder? Wirklich? Leben heute nicht sehr viele Menschen nach diesem Motto? Leistungsgesellschaft! Und jetzt sehen wir, dass das sogar schon in der Bibel steht? Hm, warten wir mal ab, da muss es doch noch mehr zu sagen geben.

Sorg dafür, dass dir vor die Hände kommt, was wirklich wichtig ist.

Ich versuche mal, diesen Spruch positiv zu formulieren. Kann das nicht auch heißen, dass ich mit offenen Augen durch den Tag gehen soll? Manchmal sehe ich gar nicht, was wirklich notwendig ist. Es geht doch auch darum, wahrzunehmen, was wirklich wichtig zu tun ist. Offene Augen dafür haben, wo ich gebraucht werde – auch wo ich helfen kann.

Sorg dafür, dass dir vor die Hände kommt, was dir wirklich wichtig ist.

Wofür du die Kraft hast

Ich gehe einen Schritt weiter in diesem Bibelvers: …es zu tun mit deiner Kraft. Aha! Ich wusste doch, dass da noch was kommt. Das dürfen wir nicht vergessen: mit deiner Kraft. Das ist die andere Seite. Es geht nicht um Überforderung. Kein Mensch kann alles tun. Du kannst nur das tun, wofür du auch die Kraft hast.

Und das tu auch

Und schließlich die letzten beiden Worte: das tu. So schlicht und einfach kann das gesagt werden! Aber es ist doch auch so wichtig. Es gibt Dinge, die müssen getan werden. Wenn entschieden ist, was das für dich ist, dann tu es auch. Keine Ausreden mehr, keine Aufschieberitis! Wenn du siehst, was getan werden muss und wenn du weißt, dass du dafür die Kraft hast, dann nichts wie ran!

Liebe übertrumpft „alles ist eitel“

Denken wir jetzt noch einmal kurz darüber nach, wie dieser Text mit dem Satz „Alles ist eitel“ zusammenpasst. Es scheint so, als wolle der Prediger sagen: Lasset uns essen und trinken und fröhlich sein, denn morgen sind wir tot. Es mag sein, dass es uns manchmal so geht. Dass uns alles sinnlos erscheint und uns nichts Anderes mehr bleibt, als ein bisschen Spaß am Leben zu haben.

Aber das kann es doch wohl nicht sein. Ich möchte ein kleines Wort dagegensetzen: Liebe. Ich bin zutiefst davon überzeugt. Liebe ist das Schlüsselwort für unser Leben. Geliebt werden und lieben, dass macht Sinn im Leben. Genieße das Leben in Liebe zu Gott, deinem Nächsten und dich selbst.

Luther hat einmal gesagt, Gott ist ein glühender Backofen voll Liebe. Gott hat eine Leidenschaft für uns Menschen. So macht für mich das Wort Liebe einen Sinn: Weil Gott uns liebhat, darum möchte er, dass es uns gut geht, darum möchte er, dass du dich an deinem Leben freust.

Weinfest

Dann lasst uns das jetzt tun: Feiern, uns erfreuen am Wein, an Gesprächen, an Musik, am Zusammensein.

Weil das Gott schon längst gefallen hat!

Amen.

 

Pfr. Uwe Hermann

Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 25.10.2016 in Löhnberg und Selters.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe