zum 4. Advent 2015

Predigttext: Philipper 4, 4-7
Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Eu-re Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Liebe Gemeinde!
Freude
Wann haben Sie zuletzt mal so richtig gelacht?
Wann haben Sie sich zuletzt über etwas gefreut (zB. Über einen Brief, über Kinder oder Enkel). Wann hat Ihnen jemand eine Freude gemacht.
Wann haben Sie zuletzt jemandem eine Freude gemacht? War es erkenn-bar, dass er oder sie sich gefreut haben?
Wann haben Sie sich zuletzt gefreut über etwas, das mit dem Glauben zusammenhängt? Wann hat Ihnen Gott zuletzt eine Freude gemacht?
Sind wir dafür überhaupt noch empfänglich?

Wodurch können wir Freude empfinden?
Güte: Für andere da sein, anderen eine Freude machen. Das ist wohl eine der besten und größten Quellen für eigene Freude. Ich will dazu gar nicht viel sagen, das predigt der Eckhard ja auch immer wieder. Das hören wir in der Kirche andauernd und das wird auch an Weihnachten immer und immer wieder gepredigt. Ich denke, hier gibt es niemanden, der nicht weiß, dass das in der Mitte des christlichen Glaubens steht.
Ich möchte – aus eigener Erfahrung – aber gerne mal deutlich und klar sagen, dass es für diese Güte eine Grenze gibt, geben muss!
Die Güte und Liebe Gottes zu uns ist grenzenlos, gerade das feiern wir ja an Weihnachten.
Aber wir sind begrenzt. Wir haben nur begrenzte Kraft. Ich habe das vor drei Jahren schmerzlich erfahren. Burnout, neben vielen anderen Symp-tomen – körperlich und psychisch – vor allem verbunden mit einer De-pression. Da kommt nicht gerade Freude auf!
Achtung! Zählt mal durch: statistisch gesehen ist mehr als jeder zehnte hier depressiv erkrankt. Und dabei geht es nicht um eine Stimmungslage wegen schlechtem Wetter!
Lasst uns auch für diese Menschen gütig sein, wir sollen gütig sein, aber achten wir auch auf unsere Grenzen.
Gottes Nähe: Für mich war in der Zeit der Erkrankung die Erfahrung der Nähe Gottes besonders wichtig und Kraft gebend. Aber wie erfahren wir die Nähe Gottes?
Durch die Güte anderer Menschen, die uns nahestehen.
Durch die Nähe von Menschen, die uns auch in schwerer Zeit aushalten und zu uns halten.
Durch viele kleine Dinge und Erlebnisse, die leicht zu übersehen oder als Zufall abzutun sind. Wenn wir bereit sind die Nähe Gottes zu entdecken, dann werden wir sie erleben!
Sorglos: Ist das Glas halb voll oder halb leer?
Loslassen (Gebet): Das Leben ist nie ungetrübt freudig. Wir dürfen nicht darauf warten, dass alles gut wird. Leben gelingt nur, wenn wir beides annehmen können. Dafür ist es wichtig das Schwere loszulassen – damit ist es nicht weg. Aber Familie und Freunde tragen mit, Gott trägt mit – deshalb Gebet.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, aber geteilte Freude ist doppelte Freude!
Dankbarkeit: Dankbarkeitstagebuch, jeden Tag drei Dinge, wofür ich dankbar sein kann – am besten aufschreiben, aber zumindest darüber nachdenken. Lass das den letzten Gedanken des Tages sein, abends vorm Einschlafen: wofür kann ich heute dankbar sein.
Friede: Friede auf Erden. Frommer Wunsch, wenn wir die Flüchtlinge se-hen, die zum Beispiel auf dem Stegskopf sind. Was können wir schon tun?
Friede beginnt bei mir: Mache ich Frieden mit den Widrigkeiten meines Lebens? Mache ich Frieden mit den Menschen, die mich verletzt haben? Mache ich Frieden mit den schweren, depressiven, sorgenvollen Gedan-ken an den nächsten Tag, die nächsten Wochen, das neue Jahr 2016.

Was wird kommen? Gott wird kommen, das sagt uns dieser vierte Advent, das feiern wir an Weihnachten: Gott will Mensch sein in dem Kind Jesus in der Krippe. So teilt er unsere Sorge, unser Leid, macht es dadurch er-träglich. So teilt er unsere Freude und macht sie damit umso größer.
Nehmen wir doch diesen Gedanken mit in diesen Tag und die Feiertage: Gott freut sich, wenn wir uns freuen!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe

(es gilt das gesprochene Wort)