Predigt Apostelgeschichte 9, 1-9 von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am 12. Sonntag nach Trinitatis 2016

12. Sonntag nach Trinitatis

Predigtreihe 2

Predigttext Apostelgeschichte 9, 1-9

Saulus aber schnaubte immer noch Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn, ging zu dem Hohenpriester und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit, wenn er einige, die des Weges wären, fände, Männer wie auch Frauen, er sie gebunden nach Jerusalem führe. Als er aber hinzog, geschah es, dass er Damaskus nahte. Und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht aus dem Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die zu ihm sprach: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Wer bist du, Herr? Er aber [sagte]: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Doch steh auf und geh in die Stadt, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst!
Die Männer aber, die mit ihm des Weges zogen, standen sprachlos, da sie wohl die Stimme hörten, aber niemand sahen. Saulus aber richtete sich von der Erde auf. Als sich aber seine Augen öffneten, sah er nichts. Und sie leiteten ihn bei der Hand und führten ihn nach Damaskus. Und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.

Predigttext bei die-bibel.de

Predigt Apostelgeschichte 9, 1-9

Liebe Gemeinde!

Diese Geschichte ist sprichwörtlich geworden. Wir kennen den Spruch: Vom Saulus zum Paulus. Da verändert jemand von einem Moment auf den anderen seine Einstellung, sein ganzes Leben. Normalerweise wird diese Geschichte als „Bekehrungsgeschichte“ gelesen. Bekehrung von jemandem, der nicht an Jesus glaubt zu einem Christen. Aber es ist doch eine sehr persönliche Geschichte. Es ist eben die einzigartige Geschichte des Pauls. Doch jeder Weg zu Gott ist anders. Kein Mensch erlebt das Gleiche, wie es in diesem Text beschrieben ist.

Paulus war, als er noch Saulus hieß ein Eiferer. Ein fundamentalistischer Extremist. Von solchen Menschen hören wir heute leider viel zu oft in den Nachrichten. Aber ist es nicht auch eine Geschichte, davon, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat?

Die Christen in Damaskus, die Paulus hierauf begegneten, hatten selbstverständlich Vorurteile ihm gegenüber. Aber um Jesu Willen haben sie sich seiner angenommen. Sie haben ihre Vorbehalte überwunden und sich um ihn gekümmert. Und sie haben erfahren, dass selbst ein solcher Mensch sich verändern kann.

Geben wir anderen Menschen eine zweite Chance?
Um Jesu willen.

Ist dieser Predigttext nicht auch eine Geschichte von Lebenswenden, die es immer wieder im Leben gibt. Durch so viele Dinge kann sich unser Leben entscheidend verändern. Meistens kommt es unverhofft – so überraschend, wie Jesus in der Geschichte dem Paulus begegnet.

Diese Lebenswende ist verbunden mit großen Problemen. Auch in der Bibel passiert so etwas nicht reibungslos und einfach. Sie ist auch in dieser Hinsicht sehr realistisch. Paulus wird hilflos, er wird blind. So geht es doch auch in unserem Leben. Lebenswenden sind oft verbunden mit oder ausgelöst durch Krankheit, Depression, Arbeitslosigkeit, Scheitern einer Ehe…

Aber Paulus hat zwei Dinge, die ihn aufrichten:
1.    Sein neu gewonnener Glaube
2.    Menschen, die sich um ihn kümmern
Schöpfen wir daraus Mut und Hoffnung, wenn wir selbst in einer Krise sind. Und kümmern wir uns um Menschen, die unsere Hilfe brauchen.
Um Jesu willen.

Es ist aber auch eine Geschichte von der Kirche. Es hat eine Menge Irrungen und Wirrungen im Laufe der Kirchengeschichte geben. Menschenwege gibt es seit 2000 Jahren immer wieder auch in der Kirche und unter Christen. Wenn Gott nicht immer wieder uns Menschen, ja auch und vor allem uns Christen, auf den rechten Weg bringen würde, dann wäre alles verloren. Wenn nicht Gott dahinterstehen würde, wäre es fatal.

Auch als Christen und christliche Gemeinde und Kirche machen wir immer wieder Fehler. Billy Graham, der bekannte amerikanische Evangelist, hat einmal gesagt: „Selbst wenn es eine perfekte Gemeinde gäbe, sobald ich dazu gehöre, ist sie es nicht mehr.“

Deshalb, liebe Gemeinde, geben wir der Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen in unserem Leben und in unserer Gemeinde eine Chance, auch wenn wir uns dabei verändern müssen. Vielleicht müssen wir ja auch mal vom Saulus zum Paulus werden, nicht nur am Anfang des Christenlebens, sondern immer wieder.
Um Jesu willen.

Amen

Pfr. Uwe Hermann
Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 14.08.2016 in Rabenscheid und Neukirch.
Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe