Predigt 2. Samuel 7, 4-6.12-14a

Predigt 2. Samuel 7, 4-6.12-14a von Pfr. Uwe Hermann, gehalten am Heiligen Abend, Christvesper 2016

Christvesper

Predigtreihe 3

Predigttext 2. Samuel 7, 4-6.12-14a:

In der Nacht aber kam das Wort des Herrn zu Nathan: Geh hin und sage zu meinem Knecht David: So spricht der Herr: Solltest du mir ein Haus bauen, dass ich darin wohne? Habe ich doch in keinem Hause gewohnt seit dem Tag, da ich die Israeliten aus Ägypten führte, bis auf diesen Tag, sondern ich bin umhergezogen in einem Zelt als Wohnung.

Wenn nun deine Zeit um ist und du dich zu deinen Vätern schlafen legst, will ich dir einen Nachkommen erwecken, der von deinem Leibe kommen wird; dem will ich sein Königtum bestätigen. Der soll meinem Namen ein Haus bauen, und ich will seinen Königsthron bestätigen ewiglich. Ich will sein Vater sein und er soll mein Sohn sein.

Predigttext bei die-bibel.de

Predigt 2. Samuel 7, 4-6.12-14a

Liebe Gemeinde,

ist das ein weihnachtlicher Text? Hört sich irgendwie nicht so an. Der Text klingt doch heute am Heiligen Abend sehr fremd. Doch lohnt es sich darüber nachzudenken.

Gott ist bescheiden.

Das erste, was auffällt ist, dass Gott bescheiden ist. David möchte ihm einen stolzen Tempel bauen, aber Gott reicht das Zelt. Gott will kein großes Haus, aus Steinen, Gold und Silber gebaut. Gott ist bescheiden.

Das passt doch zu Weihnachten.

In der Weihnachtsgeschichte, die wir eben gehört haben, kommt Gott nicht als großer König, reicher Kaufmann oder mächtiger Herr. Nein, Gott kommt zu uns als kleines Kind in einer Krippe im Stall. Gott ist bescheiden.

Wie ist es mit uns? Können wir bescheiden sein?

So oft haben wir doch große Wünsche? Nicht nur heute am Heiligen Abend im Blick auf die Geschenke. Wir haben auch große Vorstellungen, von dem, was im Leben erreicht werden muss?

Das Einzige, das für Gott zählt, bist aber nur du selbst. Es geht nicht darum, wer du bist, was du darstellst oder hast. Gott ist auch im Blick auf uns bescheiden.

Es gibt nur wenig Glanz und Gloria in der Weihnachtsgeschichte. Außer vielleicht dem Engelgesang, sind es Kaiser Augustus und König Herodes und die Heiligen drei Könige. Aber das zeigt nur, dass auch die Reichen und Mächtigen sich der Bescheidenheit Gottes in dem Kind in der Krippe beugen müssen und keinen Vorteil haben vor den Hirten und einfachen Leuten.

Gott ist bescheiden.

Gott ist unterwegs.

Gott ist unterwegs, das ist der zweite Gedanke, den der Text uns mitgibt. Gott reicht das Zelt, in dem er das Volk Israel auf der Wüstenwanderung begleitet hat. Er war unterwegs mit seinem Volk, er hat es begleitet durch die Wüste und begleitet es auch zu Davids Zeit. Gott ist unterwegs.

Auch Jesus ist unterwegs in der Weihnachtsgeschichte. Schon im Bauch der Maria zieht er von Nazareth nach Bethlehem, später müssen Maria und Josef mit ihm vor König Herodes fliehen. Jesus zieht auch als Erwachsener durch das Land und erzählt von Gott. Gott ist unterwegs.

Das ist er auch heute noch – trotz unserer Kirchen, die aus Stein an einem Ort errichtet sind.

Er ist auch unterwegs gewesen in Berlin am Breitscheid-Platz – vielleicht unerkannt in den Feuerwehrleuten, Polizisten, Sanitätern und Ärzten, den Notfallseelsorgern und den Menschen, die geholfen haben.

Er ist auch heute unterwegs, hier bei uns im Gottesdienst, bei unseren Familien zuhause, bei allen Menschen. Er ist auch unterwegs mit uns, wenn wir gleich die Kirche verlassen und wieder unserer Wege gehen.

Gott ist unterwegs.

Es muss nicht alles erfüllt werden.

Das ist der dritte Gedanke aus dem Text: Es muss nicht alles erfüllt werden. David hat den Wunsch, Gott einen großartigen Tempel zu bauen, aber Gott lässt es nicht zu. Dieser Wunsch wird David nicht erfüllt.

Vielleicht war David damit ja auch nicht ganz uneigennützig, da er damit auch seine eigene Macht festigen würde – immerhin könnte er damit zeigen, dass er Gott auf seiner Seite hat.

Aber Gott macht ihm dafür ein unerwartetes Geschenk: Er verheißt ihm einen Nachkommen, der sein Königtum fortführen wird, Salomo, der dann später den Tempel bauen darf – und wir Christen deuten es auf Jesus.

Auch wir haben viele Wünsche – nicht nur für die Geschenke am Heilig Abend. Auch für unser Leben.

Nicht immer geht alles in Erfüllung. So manches in unserem Leben bleibt offen und Stückwerk. Das kann zu Enttäuschung führen.

Aber es kann doch auch die Hoffnung geben, dass Gott uns ein sinnvolles, erfülltes Leben schenkt, wenn nicht alles in Erfüllung geht. Können wir annehmen, was es in unserem Leben gibt, was uns geschenkt wird? Können wir annehmen, dass der Wert unseres Lebens in sich selbst liegt, nicht in dem was wir erreichen?

Es gibt so viel mehr, als unsere – möglicherweise so selbstsüchtigen – Wünsche.

Es muss nicht alles erfüllt werden.

Fürchte dich nicht!

Weil Gott bescheiden ist und von uns nicht mehr verlangt, als wir leisten können, weil er mit uns unterwegs ist und uns sinnerfülltes Leben schenkt, auch wenn nicht alles in Erfüllung geht, deshalb brauchen wir uns keine Sorgen zu machen um die Zukunft. Wir können auf die Botschaft des Weihnachtsengels vertrauen.

Für unser Leben, in aller Angst – auch vor Terror, trotz aller Sorgen…

So wie der Weihnachtsengel zu den Hirten geredet hat, so spricht er heute Abend auch zu uns:

Fürchte dich nicht!

In dieser Zuversicht auf Gottes Liebe, wünsche ich Ihnen und Euch allen frohe und gesegnete Weihnachten.

Amen

 

Pfr. Uwe Hermann

Es gilt das gesprochene Wort. Predigt gehalten am 24.12.2016 in Sechshelden.

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe