Wochenspruch Invokavit

1. Johannes 3, 8: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.

Warum ich nicht an den Teufel glaube!

Glaubst du an den Teufel? Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2012 glauben zwei von zehn Deutschen an den Teufel. Sieben beantworten diese Frage mit Nein und einer sagt: „ich weiß es nicht.“ Ich selbst komme in dieser Umfrage wohl nicht vor. Mir ist der Teufel nämlich ziemlich egal. Ob es einen Teufel gibt oder nicht, juckt mich für keine fünf Pfennig!

Ich glaube nämlich an Jesus – nicht an den Teufel! Der Teufel, ob als Wirklichkeit oder „das Böse“, für das er steht, ist spätestens unerheblich, seit Jesus gestorben und wieder auferstanden ist. „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“ Vielleicht steht dieser Wochenspruch gerade deshalb auch am Anfang der Passionszeit.

Der Vers steht zwischen Epiphanias und Ostern: Jesus ist erschienen (Epiphanias) um durch Ostern die Menschen zu Kindern Gottes zu machen und so den Teufelskreis des Bösen und des Todes zu durchbrechen.

Ich weiß, dass es gerade unter gläubigen Christen viele gibt, die sich über den Teufel und über Dämonen Gedanken machen, ja sogar Angst davor haben. Warum eigentlich? „Ist Gott für mich, wer kann gegen mich sein?“ Das sagt Paulus im Römerbrief. „Angst vor einem Teufel schränkt das Vertrauen in Gott ein – und führt gerade so zu einer inneren Trennung von Gott, zur „Sünde“ im klassischen Sinn.“ (Thomas Hagen in Werkstatt für Liturgie und Predigt, Heft 1/2009)

Widersprüche im Wochenspruch Invokavit

Der Text, zu dem der Wochenspruch Invokavit gehört, scheint sich mit einigen Widersprüchen zu beschäftigen: was jetzt? Ja oder nein? Teufel oder kein Teufel? Sind wir als Christen immer noch Sünder oder müssen wir sündlos sein? Können wir allein aus Glauben vor Gott bestehen oder brauchen wir gute Werke?

In 1. Johannes 1, 8 steht: „Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“ Das scheint doch zu bestätigen, dass auch Christen niemals sündlos sein können. Im dritten Kapitel aber sagt Johannes: „Wer aus Gott geboren ist, der tut keine Sünde.“

Upps, das könnte ein Problem für uns sein, oder? Ich kann jedenfalls nicht von mir behaupten, dass ich perfekt bin und immer alles gut und richtig mache. Bisher war ich auch der Meinung, dass das überhaupt nicht möglich ist.

Wie passt das alles zusammen?

Schauen wir doch mal genau hin! Was sagt Johannes darüber, wie die Sünde, das Böse, der Teufel zerstört, überwunden, verhindert wird? Ist das etwa mein Verdienst? Kriege ich das selbst hin? Offensichtlich ja wohl nicht. Wer zerstört die Sünde? Wir selbst? Nein. Das tut Jesus, dazu ist er in die Welt gekommen (erschienen). Indem er an Ostern Tod und Teufel besiegt hat, hat er die Beziehung zu Gott wieder hergestellt. Damit hat er den Teufelskreis durchbrochen!

Das heißt nicht, dass jetzt alles gut und schön ist. Friede, Freude, Eierkuchen! Nein, wir wissen zu genau, dass es so in unserem Leben und in der Welt nicht abgeht! Auch diejenigen, die nicht an den Teufel glauben, wissen um Bosheit, Ungerechtigkeit und Tod in der Welt!

Aber Jesus hat die Grundlage gelegt. Der Teufelskreis ist durchbrochen. Es braucht nicht auf ewig so weiter zu gehen. Es gibt Hoffnung für uns und unsere Welt! Deshalb gehören Glaube und Werke immer zusammen, aber eben in der richtigen Reihenfolge. Jesus ermöglicht uns den Widerstand gegen das Böse, gegen die Sünde.

Zerstören und Aufbauen

Was sind Werke des Teufels? Teufelswerk! Ich denke, da fällt jedem ganz Konkretes ein, sowohl aus dem eigenen Erleben, als auch aus den täglichen Nachrichten. Wenn dieses Teufelswerk zerstört wird, dann ist das gut! Aber was bauen wir stattdessen auf?

Der Text, zu dem der Wochenspruch Invokavit gehört, geht deshalb auch auf ein ganz konkretes Ziel zu: die „Bruderliebe“. Damit ist in diesem Zusammenhang natürlich zuerst die Liebe unter den Christen gemeint (besser wäre wohl heute „Geschwisterliebe“ zu übersetzen). Nehmen wir aber das Ganze der Heiligen Schrift dazu, dann ist das auszuweiten auf die Nächstenliebe, die Liebe zu allen Menschen.

Der Wochenspruch Invokavit und die Jahreslosung 2015 scheinen, wie die die Faust aufs Auge zusammen zu passen:
Der Wochenspruch beschreibt, wie Jesus die Grundlage gelegt hat, den Teufelskreis unterbricht, neues Leben ermöglicht: Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.
Die Jahreslosung 2015 zeigt, was er damit ermöglicht hat: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.

Glaube und Liebe gehören immer zusammen, keins macht ohne das andere Sinn!

Lechajim – für das Leben!
Liebe Grüße und bleib von Gott behütet!
Uwe